Borussia: Die „Arbeit“ mit den Fans

Borussia : Die „Arbeit“ mit den Fans

Der sportliche Erfolg einer Mannschaft ist Garant für zufriedene und vor allem friedliche Fans. Vor diesem Hintergrund ist die Lage bei Borussia Mönchengladbach aktuell ziemlich entspannt.

Thomas „Tower“ Weinmann ist hauptamtlicher Fanbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach; eine Bezeichnung, mit der er eigentlich nicht so viel anfangen kann. „Fanbetreuung klingt nach Fan- oder Mitgliederservice. Was wir hier machen ist Fanarbeit in Anlehnung an Sozialarbeit“, sagt der Mann mit der imposanten Erscheinung, der seinen Spitznamen nicht zu unrecht trägt. Wir, das ist sein Team mit Jan Ruoff, Jennifer Frankeser und neu seit Anfang des Jahres Mario Edler. Eine ihrer Aufgaben: Die Fans zu einem sicherheitskonformen Verhalten animieren, um die Mannschaft bestmöglich zu unterstützen. Verantwortlich sein für diejenigen Fans, die ein besonders starkes und emotionales Zugehörigkeitsgefühl zum Verein haben – in guten wie in schlechten Zeiten.

Borussias Fan-Szene ist groß. Zurzeit gibt es circa 1 145 aktive und offizielle Fanclubs (BFC) mit rund 35 000 Mitgliedern. Schwerpunkte sind in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern, aber auch im Ausland. Jeder dieser offiziellen Fanclubs ist angemeldet und hat eine Gewaltverzichtserklärung unterschrieben. Die BFC’s genießen eine Reihe von Privilegien: Sie dürfen die Raute nutzen und eigene Merchandising-Produkte erstellen, außerdem können sie noch vor den Mitgliedern Eintrittskarten für die Heim- und Auswärtsspiele bestellen.

„Borussia war schon immer Vorreiter in Sachen Fanbetreuung“, berichtet Weinmann. Das geht noch auf die Zeiten Helmut Grashoffs zurück, der der Ansicht war, dass die Fans sich selbst regulieren und organisieren sollen und nicht von oben organisiert werden. Schon 1988 stellte der VfL den ersten Fanbeauftragten ein; Pflicht wurde dies erst 1992 im Rahmen des Nationalen Konzeptes für Sport und Sicherheit (NKSS).

Als Keimzelle der gesamten Fanbetreuung Borussias gilt das damalige Fanprojekt MG e.V., der heutige FPMG-Supporters Club e.V.. Im Jahre 2014 kam das Fanprojekt De Kull e.V. hinzu; hier wird die im NKSS vorgegebene sozialpädagogische Arbeit mit Fans geleistet.

Von Fans für Fans – das ist das Motto des FPMG Supporters-Club, der sich schwerpunktmäßig um die Fans in der Nordkurve kümmert. Es ist die einzige von Borussia per Kooperationsvertrag anerkannte Dachorganisation und unabhängige Interessensvertretung aller Fans der Borussia. Knapp 7 000 Mitglieder sind hier organisiert. Borussia und die Fans – ein Geben und Nehmen. Der FBMG Supporters-Club versucht, auf die Mönchengladbacher Fanszene so viel Einfluss zu nehmen, dass Ausschreitungen im Borussia-Park und in den Auswärtsstadien unterbleiben. Im Gegenzug leistet Borussia Mönchengladbach finanzielle Unterstützung und stellt 1 500 Tickets für jedes Auswärtsspiel zur Verfügung. „Das ist für uns ein ganz wichtiges Steuerungsinstrument“, erklärt „Tower“ Weinmann, „wer sich nicht benimmt, der muss mit Konsequenzen rechnen.“

Im Vergleich zu einigen anderen Bundesliga-Clubs sind die Mönchengladbacher Fans aber „ganz angenehme Zeitgenossen“, wie der Fanbeauftragte betont. Im Borussia-Park selbst und auch auswärts bleibt es sowieso meistens friedlich. Dafür sorgen zum einen der Borussen-Kodex 2.0, eine Art „Benimmkatalog“ von Fans für Fans, zum anderen die Fanbeauftragten sowie die Fanbetreuer des FPMG selbst, die sich unter die Fans mischen und für alle sichtbar und ansprechbar sind. „Damit steigt einfach die Schwelle, Ärger zu machen. Diesen Status musste man sich aber in 25 Jahren erstmal erarbeiten“, sagt „Tower“ schmunzelnd.

(Report Anzeigenblatt)