Mentalitätsmonster als Vorbild

Mentalitätsmonster als Vorbild

Borussia kann in dieser Saison Großes (lies: Champions League-Teilnahme) erreichen – darin sind sich inzwischen Fans und Experten einig. Selbst Manager Max Eberl hat seine gewohnte Zurückhaltung aufgeben und die Teilnahme an der Königsklasse als neues Saisonziel ausgegeben.

Für den aktuellen sportlichen Erfolg gibt es ebenso viele Gründe wie Väter: Angefangen von Trainer Dieter Hecking, der sich und der Mannschaft mutig eine neue taktische Ausrichtung verschrieb, über Torhüter Yann Sommer, aktuell möglicherweise der beste Keeper der Liga, bis hin zu Thorgan Hazard, der sich mit seinen Leistungen endgültig in den Fokus anderer, finanzkräftigerer Vereine (Dortmund?) gespielt hat. Was selten genannt, aber vielleicht der entscheidende Grund für Gladbachs Höhenflug sein könnte, ist das interne Betriebsklima. Kaum Verletzte bedeuten einen größeren Konkurrenzkampf als im Jahr zuvor, bedeuten zwangsläufig aber auch mehr unzufriedene Spieler, die nicht die erhofften Einsatzzeiten bekommen. Wie man – statt den Stinkstiefel zu spielen – damit auch umgehen kann, demonstriert in diesen Tagen Christoph Kramer. Der Mittelfeldspieler, der sich immerhin Weltmeister nennen darf, ist von Tobias Strobl aus der Stamm-Elf verdrängt worden. Wenn er aber gebraucht wird, ist er da. Das war so beim Auswärtsspiel in Dortmund, wo er sich, obwohl angeschlagen, durchbiss und sogar ein Tor erzielte. Gleiches gelang ihm am Samstag gegen Schalke, wobei dieser Treffer weitaus wertvoller war, ebnete er doch den Weg zu Borussias drittem Sieg im dritten Rückrundenspiel. Daraus nun einen Anspruch auf einen Stammplatz abzuleiten, ist Kramers Sache nicht, widerspricht dies doch komplett seinem Naturell. Gut möglich aber, dass Kramer aufgrund seines Tores, aber noch vielmehr wegen seiner vorbildlichen Einstellung schon bald belohnt wird. Konkurrent Strobl war „auf Schalke“ nicht ganz so präsent wie gewohnt, und leistungsmäßig unterscheiden beide ohnehin nur Nuancen. Gibt Kramer also am Samstag gegen Hertha sein Comeback in der ersten Elf? Es wäre ein starkes Signal von Trainer Hecking an alle anderen Reservisten, ganz nach dem Motto: „Arbeitet so vorbildlich weiter wie bisher, eure Chance wird kommen...!“ Und nur mit dieser Mentaliät und diesem Teamgeist wird Borussia in dieser Spielzeit tatsächlich Großes erreichen können.

(StadtSpiegel)