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Reha und Linda Balli gehen als Entwicklungshelfer nach Sansibar.

Ehepaar Balli will unterstützen : Als Entwicklungshelfer nach Sansibar

Die Inselgruppe Sansibar vor der Küste Tansanias ist bekannt für ihre traumhaften Strände. Allerdings haben die Menschen dort auch mit großer Armut sowie mit Trinkwasserknappheit zu kämpfen. Der gebürtige Odenkirchener Reha Balli und seine Frau Linda wollen die Sansibaris unterstützen und brechen deshalb in Kürze als Entwicklungshelfer nach Ostafrika auf. Der Extra-Tipp sprach mit Reha Balli.

Herr Balli, für wie lange gehen Sie nach Sansibar und wie kam es zu dem Engagement?

Der Gedanke, dass wir uns als Entwicklungshelfer engagieren könnten, kam meiner Frau und mir schon kurz, nachdem wir uns im Oman kennengelernt haben. Menschen, denen es nicht so gut geht, zu helfen, war uns immer schon ein Anliegen. Folglich haben wir viel recherchiert und ausführlich geprüft, wofür unser Herz schlägt und wo es interessante Hilfsprojekte gibt. Tansania bzw. Sansibar hatten wir allerdings nicht wirklich auf dem Schirm, unser Fokus lag da eher im arabischen Raum. Aber über den Kontakt zu dem stattlich anerkannten Entwicklungsdienst Christliche Fachkräfte International (CFI), der uns ein Engagement dort vorgeschlagen hat, hat sich dann diese sehr spannende Möglichkeit für uns aufgetan. Die Entsendung erfolgt zunächst für drei Jahre, kann aber noch um bis zu drei Jahre verlängert werden.

Was genau werden Sie vor Ort tun?

Vielen Menschen ist ja gar nicht so klar, dass in Sansibar/Tansania handfeste Not herrscht. Es gib viel Armut und auch die Trinkwasserversorgung ist in weiten Teilen nicht gesichert. Wir wurden angefragt von einer lokalen NGO und Partnerorganisation, die vor Ort unter anderem ein Ausbildungszentrum für Kfz-Mechaniker und mehrere Wasseraufbereitungsanlagen betreibt. Ich selber bin Wirtschaftsingenieur und studierter Maschinenbauer und werde hier gerne mit meiner Expertise in Sachen Beratung und technische Unterstützung zur Verfügung stehen. Meine Frau will sich vor Ort ehrenamtlich engagieren, zudem ist sie Geologin und könnte sich vorstellen, da etwas im universitären Bereich zu machen.

Wie haben Sie sich auf Ihr Engagement vorbereitet?

Das Engagement in Sansibar ist ja meine erste Tätigkeit als Entwicklungshelfer, auch wenn meine Frau und ich schon in der Vergangenheit öfter im Ausland gearbeitet haben. Unter anderem war ich als Projektmanager beim Bau von Kraftwerken im Irak tätig. Aktuell besuche ich bis zu unserer Ausreise noch einige Vorbereitungskurse an der „Akademie für internationale Zusammenarbeit“, coronabedingt natürlich alles online. Außerdem haben wir uns natürlich auch sprachlich auf dieses Abenteuer vorbereitet. Vier Wochen lang waren wir von morgens bis nachmittags online mit unserer Sprachlehrerin in Daressalam, der größten Stadt Tansanias, verbunden und haben die Landessprache Kisuaheli gelernt. Das war natürlich nur ein erster Crash-Kurs. Dennoch ist die Sprache ein wichtiger Schlüssel, denn wenn man sich nicht verständlich machen kann, nützt alles Wissen wenig. Wir werden daher auch vor Beginn der eigentlichen Projektarbeit vor Ort noch Sprachkurse haben – der Rest ist work in progress.

Wie sind Sie vor Ort untergebracht?

Der Sitz der NGO ist in Sansibar-Stadt, dort werden wir also primär leben. Es wird aber sicher auch mal in die dörflichen Regionen gehen, da die Wasseraufbereitungsanlagen über ganz Sansibar verteilt sind. Tatsächlich ist die Frage nach der konkreten Wohnsituation vor Ort aber aktuell noch offen. Zunächst einmal sind wir bei einer Gastfamilie untergebracht. Wie es danach weitergeht, werden wir sehen.

Worauf freuen Sie sich neben Ihrer Tätigkeit als Entwicklungshelfer besonders?

Wir freuen uns wahnsinnig darauf, die Kultur, die Gepflogenheiten und die Menschen vor Ort kennenzulernen. Bei kultureller Interaktion geht uns einfach das Herz auf, das fängt schon bei so kleinen Banalitäten wie Essen oder Musik an.

Und was genau versprechen Sie sich von der Zeit dort?

Wir empfinden diese Entsendung als einen sehr sinnvollen Auftrag und wollen mit unserer Arbeit dort einen Unterschied machen. Wenn wir wieder gehen, würden wir gerne das Gefühl haben, dass wir den Menschen wirklich helfen konnten und es sich gelohnt hat. Dabei steht das Engagement natürlich immer unter der Prämisse, Abhäng­igkeiten zu vermeiden und keine neuen zu schaffen. Denn darum geht es ja gerade in der Entwicklungshilfe: die eigene Position als Helfer am Ende überflüssig zu machen.