Logbuch: Schuld hat natürlich der Bürgermeister

Logbuch : Schuld hat natürlich der Bürgermeister

Wir haben Post bekommen. Im Vintage-Stil. Eine Postkarte. Das weckte Erinnerungen. Danke dafür. Aber nur wenig später passte der Hals nicht mehr in den Hemdkragen.

Anonym – ein nachvollziehbarer Absender fehlte. Bürgerverein Nettetal stand da zu lesen. Der erste Gedanke war naheliegend: Da hat sich jemand in der ganzen Aufregung vertan und meint den Bürgerverein Kaldenkirchen. Später stellte sich nach einem Telefonat mit der Vorsitzenden Elvire Kückemanns heraus, dass die Postkarte nicht aus den Reihen des Bürgervereins in Kaldenkirchen stammen konnte. Also eine „Fake-Postkarte“. Sicherheitshalber noch einen Knopf am Kragen geöffnet. Die Nettetaler Stadtverwaltung hatte auch so eine Postkarte bekommen – mit leicht geändertem Inhalt.

Um was geht es überhaupt: Beklagt wurde, dass in ganz Nettetal auf allen Straßen die Markierung von Mittel- und/oder Seitenlinie fehlt. Man hätte sich schon mehrmals an den Bürgermeister gewandt, aber bislang keine Reaktion erhalten. Auf der „Stadtverwaltungs-Postkarte“ war von der Lobbericher Straße die Rede, auf der „Redaktions-Postkarte“ von Kindter Straße, Boisheimer Straße und Caudebec-Ring. Uns war schnell klar, dass in der Summe das nicht alle Straßen in Nettetal sein konnten. Überhaupt: den Caudebec-Ring zu markieren, wäre weggeworfenes Geld. Auf welcher Seite der Gegenverkehr fährt, ist eindeutig.

Egal. Was uns richtig ärgert: Einen Absender zu notieren, der in die völlig falsche Richtung führt, ist feige. Alle Straßen ohne Markierung – das stimmt nicht. Diese Aussage ist zudem – bewusst oder unbewusst – dämlich. Denn was soll eine Stadtverwaltung oder eine Redaktion nach dem Lesen damit anfangen? Dass der Verfasser auch noch unwissend ist – weil eben der Bürgermeister nicht der „Herr“ über allen Straßen in Nettetal ist – geschenkt.

Wo liegt also der Sinn, diese Postkarten zu verschicken? Wir sehen gähnende Leere. Die Stadtverwaltung Nettetal hat uns übrigens darauf hingewiesen, dass die Postkarte noch einer der harmlosen Fälle sei. Man sei stärkeren Tobak gewöhnt. Meckern also um des Meckerns willen? Oder eine Art Racheakt, weil man vergessen hat, den gelben Sack rechtzeitig an die Straße zu legen?

Mich aber ärgert, dass ich Zeit verbraucht habe, diese Zeilen schreiben zu müssen, aber hoffentlich verstehen die meisten unserer Leser, dass ich schreiben musste – weil ich mich wehren will gegen so viel Quatsch und Aufrührerei und Dummheit. Und jetzt bekommt die Postkarte doch noch einen Sinn: Ich muss aufstehen und die paar Schritte zum Papierkorb gehen.

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