Ein Heim für Pferde-Rentner

Ein Heim für Pferde-Rentner

Der bundesweite Verein Schutzengel für Tiere möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Tiere auch Gefühle haben. Er nimmt gerettete Nutztiere auf und gibt ihnen in ihren letzten Lebensjahren ein Zuhause.

In Herrenshoff leben fünf Pferde in der Obhut der Schutzengel. Doch es fehlt an Geld und helfenden Händen.

Einige der alten Pferde haben empfindliche Augen und tragen deshalb auch in der fliegenfreien Zeit eine durchsichtige Fliegenmaske als Windschutz.

Ungeduldig scharrt Silver mit den Hufen. Das ehemalige Rennpferd hat es auch im hohen Alter von 27 noch hin und wieder eilig - zum Beispiel wenn es am Nachmittag Zeit für die nächste Futterration ist. Petra Wintersohl hat extra Teppich ausgelegt, damit die fünf Pferde-Opis und -Omis bei ihrem eiligen Weg vom Auslauf in den Stall nicht rutschen oder stolpern. Denn auch Pferde kriegen sowas wie Arthrose - und auch andere altersbedingte Zipperlein, wie ein schwaches Herz oder wackelige Zähne.

Der kleine Pferdehof im Osten von Mönchengladbach ist sehr gepflegt, die Paddocks aufwendig befestigt, alles pikobello sauber. Trotzdem fehlt es an allen Ecken und Enden: „Wir brauchen weitere Paten für die Tiere“, sagt Petra Wintersohl, Mitglied des Vereins Schutzengel für Tiere, der den Stall gepachtet hat. Rund 3 000 Euro im Monat müssen rein kommen, um Pacht, Futter und Lohnkosten zu bezahlen. Genauso dringend, wie weitere Paten sucht der Verein zudem jemanden vom Bundesfreiwilligendienst, einen so genannten Bufdi, der sich ab 1. Februar für ein Taschengeld ein paar Stunden am Tag morgens um Pferde und Stall kümmert. „Natürlich ist die Einführung des Mindestlohns richtig“, sagt Petra Wintersohl, aber für den Verein entstehen dadurch schwer zu bewältigende Kosten. Es gibt eine Ehrenamtlerin, die nachmittags die Pferde rein holt und füttert und auch der Verpächter, der nebenan wohnt, kümmert sich rührend, aber wenn von denen einer im Urlaub oder krank ist, wird es eng. Dann muss Petra Wintersohl, gebürtige Mönchengladbacherin, extra aus dem 130 Kilometer entfernten Drolshagen kommen.

Wer mindestens 10 Euro im Monat investiert, kann sich zu den Paten zählen – Besuche beim Patentier sind da ausdrücklich erwünscht. „Die Pferde sind früher regelmäßig geritten worden, für sie ist es ein Problem, dass jetzt plötzlich keiner mehr kommt“, sagt Petra Wintersohl.

Schutzengel für Tiere betreut bundesweit 22 Pferde an verschiedenen Standorten, aber auch Schafe, Esel, Gänse, Kühe Schweine und andere Nutztiere, die keiner mehr will.

(Report Anzeigenblatt)