Gefühle anstelle von Gewalt

Gefühle anstelle von Gewalt

In der Diskussion über Themen, die sie besonders bewegen, tun sich viele Männer leichter, wenn sie sich mit anderen Männern austauschen können. Auch fällt ihnen der Umgang mit Krisen oftmals schwerer als Frauen, da diese in der Regel näher an ihren eigenen Gefühlen dran sind.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der SKM – Katholische Verein für soziale Dienste Rheydt seit 2017 zunehmend seine Männerarbeit intensiviert.

Christoph Föhles ist beim SKM für den Bereich zuständig. „Etwa im Oktober 2017 hat die Männerarbeit bei uns im Haus so richtig begonnen“, berichtet der Diplom-Sozialarbeiter. Zuvor habe man bei der Aktion Mensch einen Projektantrag mit dem Schwerpunkt ,Männer in besonderen sozialen Schwierigkeiten’ eingereicht, wobei der dazu nötige Eigenanteil aus Kirchensteuermitteln stamme. „Mit dem Angebot sind zuvorderst Wohnungslose angesprochen, aber auch andere Männer können es annehmen“, betont Föhles.

Aktuell umfasst die Männerarbeit beim SKM vier Säulen: Da ist zunächst der Männerstammtisch, der immer montags von 11 bis 12.30 Uhr in den Räumlichkeiten an der Waisenhausstraße 22 in Rheydt stattfindet. Er richtet sich in erster Linie an wohnungslose Männer, ist aber auch für andere interessierte Männer geöffnet. Hier wird ergebnisoffen und niederschwellig über alle möglichen Themen, die die Männer beschäftigen, gesprochen. Von der Frage, welche Anträge man für gewisse Sozialleistungen braucht, bis hin zu Sport und Politik.

Eine weitere Säule ist der Männerabend, der im Oktober 2018 erstmals stattfand und der von den Teilnehmern damals sehr positiv aufgenommen wurde, wie sich Föhles erinnert. Der Abend, an dem mehrere in der Männerarbeit aktive Träger beteiligt sind, soll Männern die Gelegenheit bieten, sich selbst, andere Männer, ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen kennenzulernen. Er soll künftig regelmäßig alle zwei bis drei Monate im Haus der Regionen, Bettrather Straße 22, stattfinden. Der nächste Termin ist am 21. Februar.

Bei der dritten Säule geht es darum, unter einem erlebnispädagogischen Ansatz Freizeit gemeinsam zu erleben und so mit Anderen ins Gespräch zu kommen – ob beim Museumsbesuch, beim Waldspaziergang oder bei einem Besuch bei der Borussia im Stadion.

Die vierte Säule ist dann schließlich die Männerberatung. Sie stellt gewissermaßen den Schwerpunkt der Männerarbeit beim SKM dar und richtet sich nicht nur an Wohnungslose, sondern auch an Männer mit Gewalterfahrung (sei es als Täter oder als Opfer) sowie ganz allgemein an Männer, die in Krisen stecken. Zweimal pro Woche (dienstags und freitags, jeweils von 10 bis 12 Uhr) sowie nach Vereinbarung können Hilfesuchende das Angebot in den Räumen an der Waisenhausstraße 22 in Anspruch nehmen.

„Aus der Forschung wissen wir, dass Männer häufig besser mit männlichen Beratern statt mit Beraterinnen über belastende Themen sprechen können. Hier haben sie die Möglichkeit dazu“, sagt Föhles. Zudem gehöre es oft zum Männlichkeitsbild, dass das, was einem im Kopf herumschwebt nicht mit den eigenen Gefühlen in Verbindung gebracht wird. Die Herausforderung der Männerberatung liege folglich darin, Kontakt zu dem Ratsuchenden herzustellen und ihm zu helfen, sein Thema mit den eigenen Gefühle zu verbinden, so der Sozialarbeiter. Damit werde beim Gegenüber die nötige Lebensenergie freigesetzt, um Lösungsansätze überhaupt erst entwickeln zu können. Föhles weiß: „Wer nah an seinen Gefühlen dran ist, der braucht auch keine Gewalt, denn er kann sich anders ausdrücken.“

(Report Anzeigenblatt)