Gemeinsam säen und ernten

Gemeinsam säen und ernten

Im Josefsgarten wurde die neue Gartensaison eröffnet – hier bietet sich allen Interessierten die Gelegenheit, gemeinsam zu gärtnern und damit auch soziale Kontakte zu allen Altersgruppen und Nationen zu entwickeln - eben „Urban Gardening“.

„Der Josefsgarten soll es ermöglichen, Menschen und Pflanzen im Quartier zusammenzubringen“, lächelt Dorothee Reuter, Sozialpädagogin der Stadt Viersen. Sie ist zuständig für die Berufsorientierung von Flüchtlingskindern und hatte die Idee, die Integration über ein praktisches Projekt zu erleichtern, bei dem die Notwendigkeit der Kommunikation über die deutsche Sprache in den Hintergrund tritt.

„Automatisch werden die Sprachkenntnisse über das gemeinsam Tun ja ohnehin erweitert, vor allem erhalten die Kinder und Jugendlichen hier jedoch abseits von Schule und Lernen gemeinsame Erfolgserlebnisse“, betont sie. Der Josefsgarten gehört zur Realschule an der Josefskirche. „Er war in den letzten Jahren zunehmend verwildert – ihn wieder zu aktivieren in Kombination mit einem Projekt für die Schülerinnen und Schüler unserer internationalen Klasse finden wir prima“, sagen Konrektor Hartmut Banniza und Tobias Müller, Lehrer der internationalen Klasse.

Im Josefsgarten gibt es Gemeinschaftsflächen mit Wiesen, Beerensträuchern und Obstbäumen zum Verweilen und gemeinsamen Ernten, aber auch die Möglichkeit für alle interessierten Bürger, sich eine kleine Parzelle von sechs Quadratmeter zu sichern, die für den Eigenbedarf bewirtschaftet werden kann. „Das ist kostenlos für die Bürger, sie müssen sich nur selbst um ihr Saatgut kümmern“, erklärt Dorothee Reuter.

Wie schnell hier Kontakte geschlossen werden können und ein Beisammensein in Natur mitten in der Stadt möglich ist, zeigt sich schon bei der Eröffnung. In einem Rund aus Baumstümpfen machen mehrere Jugendliche gemeinsam Stockbrot, immer wieder ertönt lautes Lachen. Auch die Arbeitsgemeinschaft „Gemeinsam gärtnern“ der VHS ist heute präsent. „Es ist Urban Gardening im besten Sinne, das hier stattfindet – die AG der VHS möchte unterschiedliche Menschen beim Graben, Säen, Gießen und Anbauen zusammenbringen, den Austausch von gärtnerischem Fachwissen ermöglichen und beispielsweise Flüchtlingen ermöglichen, bei ihnen heimische Pflanzen auch hier anzubauen –bei Interesse könnten auch Senioren aus dem nahe gelegenen Seniorenheim dazukommen und ihr Wissen weitergeben“, erklärt Martin Sgraja, der die AG jeweils freitags zwischen 15 und 17 Uhr leiten wird.

Brigitte Fruhen aus Viersen ist heute zur Eröffnung gekommen, denn sie möchte an der AG künftig teilnehmen. „Ich möchte etwas dazulernen übers Gärtnern, mich austauschen und gerne auch für meinen eigenen Garten inspirieren lassen“, beschreibt sie ihre Motivation.

Der Josefsgarten bündelt also verschiedene Projekte an einem Standort. „Die Zusammenarbeit mit Flüchtlingskindern und der Schule, der offene Garten für alle Bürger der Südstadt und „Urban Gardening“- all das kommt hier zusammen und ist in dieser Kombination meines Wissens nach ziemlich einzigartig“, betont Dorothee Reuter.

(StadtSpiegel)