Kein Dach, aber ein Leben!

Kein Dach, aber ein Leben!

Ungepflegt, schmutzig, arbeitsscheu, alkoholisiert – die Attribute, die Obdachlosen von der Gesellschaft zugeschrieben werden, sind durch die Bank negativ. Obwohl sie mitten unter uns sind, beschäftigen wir uns nicht mit ihnen, sehen lieber weg.

Marcus Mesterom will damit Schluss machen. Selbst seit zweieinhalb Monaten obdachlos, setzt er sich dafür ein, dass hingeguckt wird und Missstände angepackt werden. Der Extra-Tipp hat ihn getroffen.

Schwarzer Blouson, Kapuzensweater, dunkle Jeans, Sneakers, alles schick, alles tiptop bei Marcus Mesterom. Darauf, dass er kein Dach über dem Kopf hat, kommt sicher keiner, der dem 45-Jährigen auf der Straße begegnet. Zum Schlafen geht er in eine der Notschlafstellen, tagsüber ist er unterwegs auf der Straße, im Tagestreff Café Emmaus vom Katholischen Verein für soziale Dienste in Rheydt oder auch im Café Pflaster vom Diakonischen Werk anzutreffen.

Er nutzt diese Anlaufstellen, in denen es Kaffee und Essen für Obdachlose und Hilfebedürftige gibt, und auch Möglichkeiten, sich und seine Kleidung zu waschen. Er weiß aber auch, dass andere Obdachlose das Angebot nicht annehmen. „Die Notschlafstellen haben einen schlechten Ruf“, sagt Mesterom. „Das ist ein großes Problem, viele wollen da nicht hin, aus Scham oder weil sie Angst haben…“

Einer, der diese Angst hatte, ist Andreas Poos. Er wurde vor einem Jahr obdachlos, weil er sich während einer depressiven Phase nicht um seine Verpflichtungen beim Jobcenter kümmern konnte und ihm die Leistungen gestrichen wurden. „Ich wollte nicht in die Notschlafstelle“, erinnert er sich. „Ich hatte Angst vor Junkies, davor, dass ich verprügelt oder bestohlen werde.“ Heute ist er froh, dass er Angst und Scham überwunden hat, und dass es sie gibt, diese Anlaufstellen für Obdachlose.

Marcus Mesterom will, dass auch anderen Betroffenen die Schwellenangst genommen wird. Und er sieht die Missstände. „In die Notschlafstellen kommen Leute, die brauchen mehr als ein Bett. Die haben psychische Probleme, Suchterkrankungen… Da reicht es nicht, dass nur ein Hausmeister da ist, da muss Fachpersonal sein.“ Auch die Tatsache, dass nicht rund um die Uhr Anlaufstellen geöffnet haben, ist für ihn ein Unding. „Ein Obdachloser hat keine Uhrzeit. Es müsste wenigstens ein Café in der Stadt geöffnet haben, wo Obdachlose mal aufs Klo gehen und sich waschen können.“ In Zeiten, in denen bezahlbarer Wohnraum knapper wird, die Zahl der Obdachlosen wächst und Menschen auf der Straße sterben, eine berechtigte Forderung.

„Obdachlose wollen noch Mensch sein!“, sagt er. „Die Stadt muss etwas dafür tun, dass Obdachlose eine Perspektive bekommen. Es muss bezahlbarer Wohnraum her, Orte, wo obdachlos gewordene Menschen willkommen sind, mehr Fachpersonal wie Sozialarbeiter, Krankenschwestern und Psychologen, die sich dafür einsetzen, dass die Menschen sich nicht aufgeben, sondern teilhaben können.“

Mesterom macht sich stark für die Obdachlosen – weil ihm die Menschen am Herzen liegen und weil er findet, dass Obdachlosigkeit kein Dauerzustand sein soll. Deshalb geht er auch auf die Leute zu, klärt auf, geht mit ihnen zum Amt, hilft auch mal aus eigener Tasche – er lebt von Hartz IV – aus. Sogar dafür, dass die Heizung in der Notschlafstelle abends nicht auf Null steht, hat er gesorgt.

Ein großes Projekt steht noch an. Für den 9. März organisiert er eine große Demo für die Verbesserung des Lebens für Obdachlose und Hilfebedürftige in Mönchengladbach. Los geht’s am Rheydter Markt, spaziert wird bis zum Sonnenplatz in Mönchengladbach, wo noch ein Benefizkonzert veranstaltet werden soll. Unterstützung bekommt er von beiden Suppenküchen und dem Kältebus.

(Report Anzeigenblatt)