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Bürgermeister Stadt Meerbusch 100 Tage im Amt

Interview mit dem Bürgermeister : 100 Tage im Amt: Zeit, Bilanz zu ziehen

Seit etwa 100 Tagen ist Bürgermeister Christian Bommers nun im Amt. Für den Extra-Tipp hat er in einem Gespräch Bilanz gezogen.

Extra-Tipp: Herr Bommers, wie geht es Ihnen nach 100 Tagen im Amt?

Christian Bommers: Sehr gut. Das Ankommen war angesichts der Masse der auf mich wartenden Aufgaben kein Problem. Man war sofort mittendrin und konnte loslegen. Leider hatte schon zu Beginn meiner Amtszeit im November letzten Jahres die Corona-Pandemie das Geschehen voll im Griff, Mitte Dezember folgte der zweite Lockdown, im Januar wurden die Einschränkungen weiter verschärft. Etliches, was mir schon vor meiner Wahl vordringlich schien – Menschen kennenlernen, persönlicher Austausch mit unseren Bürgerinnen und Bürgern, mit den Mitarbeitenden in der Verwaltung - musste ich leider schweren Herzens verschieben.

Wenn Sie nur ein Wort verwenden dürfen, um die ersten 100 Tage im Amt zu beschreiben – welches wäre es?

Spannend!

Welche Projekte, die Sie im Wahlkampf vorrangig herausgestellt haben, haben Sie bereits in Angriff nehmen können?

Ich habe das Versprechen der Bürgersprechstunde in die Tat umgesetzt. Seit dem 26. Januar stehe ich jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr den Menschen in unserer Stadt zur Verfügung. Zunächst nur als Videokonferenz oder telefonisch. Sobald möglich aber wechselnd in Büderich, Osterath und Lank-Latum. Bis Mitte März sind bereits alle Termine ausgebucht. Ich hoffe das Interesse bleibt so hoch.

Weiterhin haben wir ein Schulentwicklungskonzept auf den Weg gebracht, um uns für die Zukunft besser aufzustellen. Hier wird insbesondere auch die Situation im offenen Ganztag beleuchtet.

Um noch ein drittes Beispiel zu nennen, arbeiten wir intensiv an der weiteren Digitalisierung der Verwaltung. Ein Team aus Kolleginnen und Kollegen arbeitet hier zusammen mit den Mitgliedern des Digitalisierungsausschusses an der Umsetzung verschiedener Maßnahmen. Auch sind wir dabei, die technischen Voraussetzung deutlich auszubauen, damit die Mitarbeiterschaft leichter und effizienter mobil arbeiten kann.

Welche Aufgaben fordern Sie derzeit am meisten?

Die Aufgabe insgesamt fordert mich jeden Tag aufs Neue heraus. Nicht nur die Pandemie hält uns alle auf Trapp und fordert häufig Anpassungen. Mir ist es wichtig, mit jedem Tag, Schritt für Schritt weiter in meiner neuen Rolle anzukommen. Dabei müssen natürlich immer auch neue Entscheidungen getroffen werden, die vorab in verschiedenen Gremien zu besprechen sind. Da nicht den Überblick zu verlieren, ist sicher auch eine gewisse Herausforderung. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass mir das zusammen mit meinem Team gut gelingt.

Was hat Ihnen in den ersten 100 Tagen weniger gut gefallen?

Ich bedauere sehr, dass viele persönliche Begegnungen durch die Pandemie auf der Strecke geblieben sind. In meiner Antrittsrede habe ich betont, dass für mich immer der Mensch im Mittelpunkt aller Bestrebungen steht. Viel persönlicher Austausch ist die Grundvoraussetzung dafür. Die zwischenmenschlichen Defizite, die uns jetzt durch Corona aufgebürdet sind, sollten uns aber nicht entmutigen. Wir müssen sie – so weit es geht - durch digitale Kommunikation ausgleichen. Das ist bisweilen anstrengender, funktioniert aber schon recht gut.

Decken sich Ihre Erwartungen an das Bürgermeisteramt mit den bisher gewonnen Erfahrungen?

Ja, durchaus. Es war mir bewusst, dass das Bürgermeisteramt eine immens verantwortungsvolle, komplexe, aber auch spannende Aufgabe sein würde, die mich voll und ganz fordern wird. Insofern wurden meine Erwartungen sehr schnell bestätigt. Insgesamt fasziniert mich die Vielschichtigkeit, die Fülle an unterschiedlichsten Themen, die häufig nur ein einziger Arbeitstag mit sich bringt.

Ende letzten Jahres konnte zum fünften Mal in Folge ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden. Der Haushalt für 2021 weist nach derzeitigem Stand ein Plus von 408.290 Euro aus. Wie schwer hat die Stadt Meerbusch an den Folgen von Corona zu knabbern?

Natürlich stellt Corona auch unsere Finanzwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen. Nicht zu umgehende Mehrausgaben – zum Beispiel für die schnellere Digitalisierung von Verwaltungsarbeit - und Einnahmeverluste zwingen uns, die Haushaltsplanung immer neu auf den Prüfstand zu stellen – auch weil Prognosen derzeit schwierig sind. Hier gilt es, mutig, aber immer auch verantwortungsbewusst zu agieren.

Was möchten Sie den Meerbuscher Bürgerinnen und Bürgern in der aktuellen Situation besonders ans Herz legen?

Wir leben zurzeit in turbulenten, aufgeladenen, belastenden, ja bisweilen auch beklemmenden Zeiten. Die Einschränkungen und Sorgen, die die Corona-Pandemie uns jetzt schon seit rund einem Jahr beschert, stellen die Geduld vieler Menschen auf eine harte Probe. Es ist bedenklich, mit welcher Aggression und Frustration manche Zeitgenossen die Vorgänge in unserem Land kommentieren. Gleichzeitig erleichtert es mich zu sehen, wie diszipliniert die große Mehrheit der Menschen in Meerbusch sich an die Regeln hält und eigene Ansprüche zurücknimmt, damit wir die Krise gemeinsam überwinden können. Ich kann nur alle Bürgerinnen und Bürger bitten: Verhalten Sie sich weiterhin rücksichtsvoll und vorsichtig, achten Sie auf sich und Ihre Mitmenschen!