: Guter Therapeut ist wichtig

Endlich weg vom Alkohol: Die Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke bietet in Neuss, Dormagen und Grevenbroich eine ambulante Rehabilitation bei Suchterkrankungen an.

Mindestens eine große Flasche Jägermeister trank Stefan Meintke (Name geändert) täglich. Von morgens früh, bis abends spät war der heute 38-Jährige alkoholisiert. Trotzdem bediente der Lagerist aus Neuss Gabelstapler und fuhr schwere Fracht durch den Betrieb. Dann wurde er von Kollegen erwischt. Das änderte sein Leben. Dank der Beratung und der ambulanten Rehabilitation der Caritas im Rhein-Kreis Neuss kann er heute mit seiner Alkoholerkrankung umgehen und lebt abstinent. Seiner Arbeit konnte er auch während der Therapie nachgehen.

„Es wurde immer schlimmer, bis es irgendwann nicht mehr ging“, erinnert sich Meintke an die Zeit vor rund drei Jahren zurück. Doch sich selbst einzugestehen, dass er ein Problem mit seinem Alkoholkonsum habe, sei mit das Schwierigste gewesen. Meintke suchte sich Unterstützung bei der Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke, die in Neuss, Dormagen und Grevenbroich eine ambulante Rehabilitation bei Suchterkrankungen anbietet. „Bei meinem ersten Anruf hoffte ich, dass niemand rangeht“, so der Neusser. Er kämpfte mit großen Schamgefühlen.

Doch gleich der erste Kontakt war positiv. Der 38-Jährige wurde zu Einzelgesprächen und dann zu einer sogenannten Motivationsgruppe eingeladen. In den nächsten Monaten ging es für ihn darum, sich selbst und seine Umwelt abstinent zu ertragen. Denn: „Oft wird Alkohol genutzt, um stressige Situationen und belastende Gefühle leichter zu überstehen“, erläutert Andrea Groß-Reuter, Leiterin für Beratung und Rehabilitation der Caritas-Fachambulanz. Das Therapeuten-Team arbeitet dabei eng mit dem Alexius Krankenhaus in Neuss und den Entgiftungsstationen zusammen.

Guter Therapeut

ist Gold wert

„Ein guter Therapeut ist Gold wert“, betont die Betroffene Hilde Jansen (Name geändert) aus Neuss. Genau wie Meintke entschied sich die 53-jährige Neusserin als Alternative zu einer stationären Behandlung für eine ambulante Rehabiltation. „Die Mitarbeiter haben mir genau erklärt, wo die Vor- und Nachteile der Therapiealternativen liegen. Ich wollte den Kontakt zu meiner Familie und meinem Umfeld weiterhin haben“, erinnert sie sich.

Nach der Bewilligung eines Antrags bei der Rentenversicherung wechseln Betroffene von Motivations- zu Therapiegruppen. Die Einzelgespräche werden weitergeführt. Das Ziel: „Die Klienten sollen mittelfristig lernen, zufrieden abstinent zu leben“, betont Andrea Groß-Reuter. Die Therapie wird zunächst für ein halbes Jahr bewilligt, kann jedoch verlängert werden.

Wichtig für Jansen und Meintke: Ein guter Draht zum Therapeuten. Nur so könne man sich öffnen und die Gründe für den Alkoholmissbrauch ergründen. Passt etwas nicht, können Klienten nach Abstimmung den Therapeuten wechseln. Rund ein Jahr dauerte es bei beiden, bis sie so stabil waren, dass die Therapie beendet werden konnte. „Um dahin zukommen, waren für mich die Einzelgespräche und die Gruppengespräche sehr wichtig“, betont Jansen. Denn in der Gruppe merke man, dass man nicht allein mit der Erkrankung sei und könne sich Vorbilder suchen.

Selbsthilfegruppen suchen

Noch während der Therapie empfehlen die Mitarbeiter der Fachambulanz, sich Selbsthilfegruppen für die Phase nach der Therapie zu suchen. Denn eine Alkoholerkrankung begleitet einen das gesamte Leben – auch bei abstinentem Verhalten. Rückblickend sind Meintke und Jansen mit ihrer Entscheidung für die ambulante Rehabilitation sehr zufrieden. „Ich habe mich von Beginn an super angenommen und unterstützt gefühlt“, sagt Meintke.

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