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Anwohner sehen in Vorgehen des Flughafens DUS Mogelpackung

Streit um Flugbewegungen : „Nur ein großer Bluff“

Groß war die Freude zunächst bei Anwohnern, Städtebündnis und Bürger-Initiativen, als der Flughafen Düsseldorf vor gut einer Woche ankündigte, den Antrag auf noch mehr Flugbewegungen zurückziehen beziehungsweise abändern zu wollen. Nach einem Presseinterview mit Lars Redeligx, dem Vorsitzenden der Flughafengeschäftsführung, kehrte dann aber doch wieder Ernüchterung ein.

Der vor acht Jahren gestellte Planfeststellungsantrag des Düsseldorfer Flughafens hatte im Kern eine Kapazitätserweiterung zum Ziel und neben der operativen Flexibilität das Thema Wachstum ohne Begrenzung der Gesamtflugbewegungszahl stark betont. In der vergangenen Woche war der Aufsichtsrat der Flughafen Düsseldorf GmbH dann aber zurückgerudert und hatte in der Gesellschafterversammlung empfohlen, einen Antrag auf Änderung des laufenden Planfeststellungsverfahrens zur Kapazitätserweiterung beim Landesverkehrsministerium zu stellen. Ein Vorschlag, dem die Gesellschafter des Flughafens gefolgt sind.

„Seit der ursprünglichen Antragstellung im Jahr 2015, als DUS noch Air Berlin Hub war, hat sich die Welt erheblich verändert. Die Corona-Pandemie hat strukturelle Veränderungen im Luftverkehr mit sich gebracht, deren Auswirkungen sich erst heute verlässlich einordnen und bewerten lassen. Unter diesem Blickwinkel haben wir das laufende Planfeststellungsverfahren neu bewertet“, erläuterte Lars Redeligx, Vorsitzender der Flughafengeschäftsführung hierzu. Im Ergebnis habe man sich daher dazu entschlossen, einen Änderungsentwurf zum ursprünglichen Antrag vorzulegen, der den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen soll. Man setze darin auf ein „smartes Wachstum innerhalb der bestehenden Kapazitätsgrenzen“.

In einer ersten Reaktion begrüßte der in Meerbusch beheimatete Verein „Bürger gegen Fluglärm“ (BgF) diese Abkehr von dem ohnehin „aussichtslosen“ (BgF-Zitat) Antrag. Der Flughafen ziehe damit die Notbremse, bevor – wie in Frankfurt – schärfere Einschränkungen des Nachtflugbetriebs von der Politik verfügt werden. Dass diese Verschärfungen der Nachtflugbestimmungen aber ebenfalls zwingend notwendig seien, um dem Hauptinteresse der Anwohner, Nachtruhe und Gesundheit, zu genügen, machten die BgF auch da schon in ihrer Stellungnahme deutlich. Die derzeitigen Regelungen ließen viel zu viele Spielräume zu, die dazu führten, dass kaum eine Nacht so ist wie verfügt. Der Rückzug mache demnach Sinn, aber man wolle „sehr wachsam verfolgen, ob es sich nicht um ein trojanisches Pferd handelt“.

Genau letztere Befürchtung hat sich nach Auffassung der Fluglärmgegner nun schon bestätigt. In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Rheinischen Post hatte Redeligx weitere Einblicke in die Planungen des Flughafens gegeben: Demnach wirke man zwar nicht mehr auf den Wegfall der bisherigen halbjährlichen Obergrenze von 131 000 Starts und Landungen hin, an der geforderten Erhöhung der erlaubten Flugbewegungen pro Stunde von 47 auf 60 wolle man aber nach wie vor festhalten. Für die „Bürger gegen Fluglärm“ eine deutliche Ansage, wohin der Weg gehen soll: „Langfristig will der Flughafen die jetzt schon viel zu laschen Abend- und Nachtregelungen voll ausreizen.“ Insofern sei die Ankündigung des Flughafens, den Erweiterungsantrag teilweise zurückzuziehen, nur „ein großer Bluff“ gewesen.

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Die „Bürger gegen Fluglärm“ betonen, dass sie schon lange nachgewiesen haben, dass mehr Flugverkehr auf beiden Bahnen des Flughafens unweigerlich erhebliche Verspätungen im Flugverkehr nach sich zieht. Die Folge seien immer mehr Nachtflüge, die in Düsseldorf abgewickelt werden müssen. Das sei für die BgF aber nicht akzeptabel, werde damit doch die für die Anwohner aktuell schon sehr belastende Situation nur noch unerträglicher.

„Wenn der Flughafen glaubt“, sagt Christoph Lange, 1. Vorsitzender der „Bürger gegen Fluglärm“, „mit diesem Mini-Schritt der halbjährlichen Obergrenze (...) sich die Nachtflüge erkaufen zu können, dann hat er sich getäuscht. Wir werden weiterhin für eine stärkere Nachtruhe kämpfen.“ Von seiner Forderung, keine weitere Flexibilisierung der Flugbewegungen am Tage zuzulassen, will der Verein ebenfalls „keinen Zentimeter“ abweichen und verweist auch Redeligx‘ Aussage, dass die Nachtflugregeln in Düsseldorf „zu den restriktivsten in Europa“ gehören, noch einmal ins Reich der Fabel: „Für solch einen Großflughafen sind die Regelungen im Vergleich zu anderen europäischen Flughäfen sehr moderat und werden vor allen Dingen viel zu lasch kontrolliert und gemaßregelt.“

Gerade mit Blick auf die „wachsweichen Nachtflugbestimmungen“ wollen die BgF daher nach wie vor ganz genau hinschauen. Die Osterferien hätten schon Grund zur Besorgnis gegeben: Inklusive der Randwochenenden gab es hier genau eine „reguläre“ Nacht ohne Fluglärm nach 23 Uhr, heißt es von Vereinsseite.