2000 Jahre „beackert“

Es ist eine perfekte Lektüre für Geschichtsinteressierte und ein gutes Geschenk für Weihnachten: Der 35. Band der Meerbuscher Geschichtshefte ist jetzt erschienen und ab sofort in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich.

Mit großem Pomp weihte die Büdericher NSDAP 1933 im späteren Bauhof an der Moerser Straße ihr neues Parteiheim ein. Wer alles der „Muster-Ortsgruppe des Kreises“ dabei die Ehre gab, hat Robert Rameil eher zufällig in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel entdeckt und zu einem Aufsatz für den aktuellen 35. Band der Meerbuscher Geschichtshefte aufgearbeitet. „Das war damals ein großes Ereignis, nur der Bürgermeister war nicht eingeladen“, erklärt Rameil selbst etwas erstaunt.

 Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Mike Kunze, hat ebenfalls mehrere Themen „beackert“.
Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Mike Kunze, hat ebenfalls mehrere Themen „beackert“. Foto: Mike Kunze

Mit der Auslieferung der Bücher vor knapp zwei Wochen ist die lokale Geschichtsschreibung um über 200 Seiten und 18 Beiträge reicher geworden. Dabei wurde wieder neben historischer Korrektheit auch auf abwechslungsreiche Themen Wert gelegt. Insgesamt haben sich so zehn Ortshistoriker auf die Spurensuche gemacht und rund 2000 Jahre Meerbuscher Geschichte abgedeckt. Neu im Autorenkreis ist diesmal der Büdericher Stephan Haag. Der junge Geschichtslehrer hat sich mit der heute „leider kaum noch bekannten Gedenkmedaille“ zum 25-jährigen Stadtjubiläum befasst. „Es wäre doch schön, wenn es eine Nachfolge-Medaille zum anstehenden 50-jährigen Bestehen der Stadt geben würde“, regt der Historiker nach der genauen Betrachtung der Rechercheergebnisse an.

Posthum veröffentlicht sind die Erinnerungen von Klaus Hellmich an den Familienkreis der Büdericher Pfarre sowie Ausführungen der Osteratherin Dr. Marie-Sophie Aust zu Bräuchen rund um den Tod. Durch das Heft des Vorjahres wurde Franz Kothes angeregt, über das Schicksal der Ländereien des Langster Nauenhofes im 19. Jahrhundert zu forschen und Stadtarchivar Michael Regenbrecht skizziert die Lebensläufe der Bürgermeister von Büderich und Osterath zwischen Kriegsende 1945 und Stadtgründung 1969. Dr. Paul Hoffmann legt weitere Forschungen zu Haus Hamm in Strümp vor und Hans Jülich berichtet aus dem Leben des legendären Büdericher Schützengenerals Anton Holtz. Mit einem Matronenfund auf der Görgesheide und der Meerer Klosterremise hat sich zudem die ehrenamtliche Meerbuscher Denkmalbeauftragte Dr. Rosemarie Vogelsang auseinandergesetzt.

Robert Rameil liefert außerdem Informationen über den Lanker Geistlichen Johann Heinrich Wüsten, der im 18. Jahrhundert zum Priester geweiht wurde, und diverse Remplacants aus den einzelnen Stadtteilen, die Verträge mit reichen Bauernsöhnen schlossen – und für diese das Risiko des Kriegsdienstes unter Napoleon auf sich nahmen. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Mike Kunze, hat ebenfalls mehrere Themen „beackert“. Auch eher zufällig konnte er die älteste Fotografie des Hauses Pesch noch vor dem Umbau zum Schloss entdecken und mit anderen Aufnahmen historisch einordnen. Ähnlich ist es mit dem bislang unbekannten Siegel des Lanker Pfarrers Wilhelm Franz Mettmann, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte, und dem kontroversen Sterbedatum seines Nachfolgers Wilhelm Jacobs – in Kirchenbüchern und dem ersten Eintrag des neu eingerichteten „Standesamtes“ werden zwei verschiedene Daten genannt. Mit der Betrachtung des Latumer Fronhofsverbandes des Neusser Quirinusstiftes ist zudem ein weiterer weißer Fleck der Ortsgeschichte ausgefüllt. Außerdem kommt ein Aufsatz über den Bau der Mauritiuskirche vor 125 Jahren hinzu.

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Neben diesen Forschungsbeiträgen finden sich im aktuellen Heft auch ein Jahresrückblick für 2018 und das neue Jahresprogramm 2019. Hier werden fünf Vorträge und drei Ortsführungen angekündigt. Natürlich dürfen auch die vier Mundartabende von Hans Spennes nicht fehlen.

Die Nummer 35 der Meerbuscher Geschichtshefte ist ab sofort in den örtlichen Buchhandlungen für zehn Euro erhältlich.

(StadtSpiegel)