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: Geschichte unterm Weihnachtsbaum

: Geschichte unterm Weihnachtsbaum

Wer noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist, kann jetzt fündig werden: Der Meerbuscher Geschichtsverein hat jetzt Band 36 herausgebracht. Auf 216 Seiten wird die Meerbuscher Vergangenheit beleuchtet – fast 1000 Jahre zurückgehend.

Der Geschichtsverein Meerbusch hat sich der Erforschung der lokalen Historie verschrieben und pünktlich zum Ersten Advent mit Band 36 das neueste Geschichtsheft vorgelegt. Insgesamt sieben Autoren haben in zehn Aufsätzen spannende und zum Teil überraschende Aspekte der Meerbuscher Vergangenheit erforscht – und damit auf 216 Seiten einen Bogen von rund 1000 Jahren gespannt. Seit Montag ist der aktuelle Band nun an den örtlichen Buchhandel ausgeliefert und kann dort für zehn Euro bezogen werden. Das Buch ist natürlich auch reich bebildert.

Die Strümper Meerhöfe

Drei Meerhöfe gibt es heute in Strümp, vor 1700 war es nur einer. Die Jahrhunderte dazwischen sind gefüllt mit wirtschaftlichen Problemen, kriegerischen Ereignissen und familiärer Dramatik. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Mike Kunze, spürt dieser bislang unbekannten Facette Strümper Geschichte nach. Ähnlich wechselhaft zeigen sich die Geschicke des Latumer Lipperhofes, dessen Geschichte bislang ebenfalls kaum bekannt war. Der Landeshistoriker berichtet außerdem über das spannende Leben des Büdericher Kolonialpioniers Robert Visser, der im Kongo mehrere Plantagen aufbaute, und die Büdericher Sebastianus-Bruderschaft, die im 17. Jahrhundert als Kreditgeber die Pfarr- und Ortsgemeinde Büderich „aus höchster Noth“ gerettet hat. Rund 100 Jahre später mussten die Schützen mit Pfarrer Müller um eine korrekte Rückzahlung des Darlehens streiten.

Der Historiker Stephan Haag, einer der neueren Autoren, hat sich diesmal mit der Revolutionszeit des Jahres 1918 beschäftigt. Der Vergleich der Ereignisse im fernen Berlin und in Büderich zeigt dabei wie unterschiedlich die revolutionären Ereignisse in der Reichshauptstadt und der ländlichen Provinzgemeinde abgelaufen sind.

Staatsarchivdirektor a. D. Paul Hoffmann ist bei seinen vielfältigen Recherchen eher zufällig über das Buch von Inge Heinz über die „Hildegundis von Liedberg“ aus den 1930er Jahren gestolpert. Der Zufallsfund zeigt allerdings deutlich, dass die Hildegundeverehrung kein lokales Phänomen war und bis in dieses Jahrhundert reichte. Zwar gibt es heute nur noch ein Exemplar des Buches in den Bibliotheken, Hoffmann konnte allerdings noch eines antiquarisch finden, das als Geschenk für Mitglieder einer katholischen Vereinigung kein Einzelfall war. Solche Exemplare wurden offenbar mehrfach im bergischen Land an Mitglieder verschenkt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich außerdem, dass zwei „Heilige“ unter dem Namen Hildegundis von Liedberg verehrt wurden.

Als Kunsthistorikerin hat sich Rosemarie Vogelsang mit den Parallelen zwischen dem Hansesaal in Köln und der Remise von Kloster Meer beschäftigt und aufgezeigt, dass auch in der bestehenden Kubatur eine Nutzung der heutigen Ruine nach einer Restauration denkbar ist.

Mit der eigenen Familiengeschichte erforscht der gebürtige Büdericher Hans Jülich immer auch die Vergangenheit der Büdericher Schützen. Seine Familie ist mit der Gründung der ältesten, noch heute bestehenden Kompanien ebenso verbunden wie sie auch den Vorstand und mehrere Königshäuser bis in die jüngere Vergangenheit personell beeinflusst hat.

CDU hatte es schwer

Als Autor ist auch Stadtarchivar Michael Regenbrecht seit langem eine feste Größe. Diesmal taucht er in die Kommunalwahlergebnisse der Jahre zwischen Kriegsende und Stadtgründung am Beispiel der sechs Gemeinden des früheren Amtes Lank ein. Eine Besonderheit ist hier, dass die neugegründete CDU es über anderthalb Jahrzehnte sehr schwer hatte am Rhein Fuß zu fassen. An der katholischen Vorkriegspartei Zentrum kamen die „Neulinge“ zunächst nicht vorbei, mussten ihr lange auch die Bürgermeistersessel überlassen. In Nierst und Strümp wurde gar ein Gemeinderat überhaupt nicht erst gewählt, sondern ernannt, weil sich gegen die Zentrumskandidaten kein Mitbewerber die Mühe machte, in einen absehbar erfolglosen Wahlkampf zu ziehen.

Den Abschluss machen ein Jahresbericht, Nachrufe auf die Autoren Dr. Peter Dohms und Dr. Rudolf Goebels sowie das Jahresprogramm 2020 mit Vorträgen mit wechselnden Referenten, Ortsbegehungen mit Mike Kunze und den Mundartabenden mit Hans Spennes.