: „Das ist so ein kribbeliges Gefühl“

Im Wasserturm wird wieder Platt gesprochen: Das Lotumer Buretheater startete am Freitag mit großem Erfolg in die 37. Spielzeit.

Die Kulisse ist eine Lanker Eckkneipe, deren Stammgäste mit dem Angebot an Bier und Frikadellen ganz zufrieden sind. Hier können alle so sein, wie sie sind und in Ruhe Platt sprechen. Diese Ruhe wird gestört, als aus der Kneipe plötzlich innerhalb eines Tages ein Edel-Lokal werden muss. Mit vielen Missverständnissen, Situationskomik und Liebe zum Detail wird das Publikum durch die Geschichte geführt. „Platt war hier im Gegensatz zu Köln verpönt“, sagt der Spielleiter Peter Pütz, der die Komödie „Kaviar trifft Curry-Wurst“ ins Rheinische „Entrekoht on Frekadelle“ übersetzt und für die Schauspieler und Meerbuscher passend umgeschrieben hat. Umso schöner ist es für ihn und den zweiten Vorsitzenden des Vereins Werner Schmalbach, dass die jährlichen Aufführungen des Buretheaters so gut angenommen werden. „Wir hatten eigentlich erwartet, dass die Verkaufszahlen langsam zurückgehen würden, doch das Interesse scheint größer geworden zu sein“, berichtet Werner Schmalbach. Der Wasserturm ist mit einem breit gemischten Publikum gefüllt, auch viele junge Leute sind dabei. Die Vorverkaufszahlen in diesem Jahr waren so gut wie noch nie. Über die Einnahmen können die Kosten gedeckt werden und sogar noch 8.000 Euro für wohltätige Zwecke gespendet werden. In dieser Spielzeit steht Gerda Paas als Kneipenbesitzerin Hella Wahniek auf der Bühne. Sie ist schon seit der zweiten Aufführung 1983 mit ihrem Mann dabei, mit dem sie erst auf der Bühne und dann in echt Verlobung gefeiert hatte: „Das ist so ein kribbeliges Gefühl vor der Aufführung.“ Der Name Hella Wahniek ist eine Anspielung auf eine Frau, die in der Bürgerschenke gearbeitet hatte. Es gibt noch weitere Parallelen zu Meerbusch, wie dem im Stück vorkommenden Bürgermeister Dieter Miele Westernhagen, über den die Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, die zu der Premiere erschien, schmunzeln musste. Sie stammt aus Lank, wie auch der SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans (kämpft gerade um den SPD-Bundesvorsitz), der sich durch das Buretheater in seine Kindheit zurückversetzt fühlt und von Heimatgefühlen spricht. Diese sind schon längst nicht mehr auf Lank-Latum begrenzt, sowohl das Ensemble als auch das Publikum setzt sich aus Meerbuschern aller Stadtteile zusammen. Beim Platt mitzukommen, wenn man nur mit Hochdeutsch aufgewachsen ist, stellt kein Problem dar, nur Türkisch lässt sich schwer verstehen. Tuncay Ücer spielt den Restaurantbesitzer von gegenüber und ist zusammen mit Hans Ditges, Willi Burchartz und Markus Thoma zum ersten Mal dabei. Seit Mai wurde jeden Montag geprobt. „Es geht um die Spielfreude und den Spaß bei den Proben, wir funktionieren wie ein Familienunternehmen“, sagt Peter Pütz. Etwa 25 Personen sind über das Jahr mit der Organisation, der Kulissenplanung, Technik und vielem weiterem beschäftigt. Die Konstellationen auf und hinter der Bühne unterscheiden sich von Jahr zu Jahr. „Die Bestätigung des Publikums ist wichtig, es soll den Leuten gefallen“, sagt Peter Pütz. Werner Schmalbach beobachtet gerne das Publikum während der Vorführung: Wann wird gelacht, wann geklatscht und gehen die Menschen mit einem Lächeln nach Hause? Das war nach der Vorstellung von „Entrekoht on Frekadelle“ der Fall. „Jedes Publikum ist anders“, sagt Werner Schmalbach. Das Buretheater hat eine lange Tradition, früher hat sein Vater die Texte geschrieben. Peter Pütz, der diese Aufgabe übernahm, kam durch Zufall wie im Stück in einer Lanker Kneipe zum Buretheater.

Noch kann diese Tradition des Buretheaters weiterleben. Peter Pütz spricht auch privat Platt und kann die Schauspieler bei der richtigen Aussprache anleiten und die Meerbuscher können so ein Stück Heimat erleben.

Es sind noch ca. 500 Karten bei Mrs. Books oder an der Abendkasse erhältlich Weitere Vorstellungen: www.buretheater.de.

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