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Franz-Josef Rdamacher sprach in der Teloy-Mühle in Lank über Alte Höfe.

Vortrag in Teloy-Mühle : Das Verschwinden der Höfe

Franz-Josef Radmacher referierte kürzlich in der Lank-Latumer Teloy-Mühle über alte Bauernhöfe auf dem Gebiet des ehemaligen Amtes Lank. Sein Vortrag war ein offener Appell für mehr und konsequenter durchzusetzenden Denkmalschutz in Meerbusch und im ganzen Land.

Mit mehr als 50 Gästen war die historische Mühle im Innenbereich voll besetzt. Zu Anfang des zweiten Vortrags des „Forums Orts- und Regionalgeschichte“ erinnerte Radmacher an die historische Bedeutung des Martinstages am 11. November. In alten Zeiten war dies der Tag, an dem die heimischen Bauern ihre Verträge neu schlossen, Pachtverträge verlängerten und Gesindewechsel stattfanden. Zeitlich fiel der Tag in den Zeitraum der Rübenernte, so dass in den Orten überall kleine Rübenwälle lagen.

„Im Umkreis gab es damals jeweils im Abstand von 20 Kilometern eine Zuckerfabrik – die sind heute alle weg“, leitete Radmacher seine Erläuterungen über den längst schon vollzogenen massiven Strukturwandel in der Landwirtschaft ein. „Früher, vor rund 150 Jahren, war mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. In Meerbusch sind es heute nur noch 1,5 Prozent.“ Zwar werden die Felder noch bestellt, doch die meisten arbeitsintensiven Arbeiten werden von Lohnunternehmern erledigt. Zeitgleich verschwinden die vormals alteingesessenen Bauernhöfe mehr und mehr, auch aus dem kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung, die sich zunehmend aus Zugezogenen aus den umliegenden Städten zusammensetzt. Gemäß der von Radmacher gezeigten Tabelle gab es 1929 noch 220 Höfe im Amt Lank, die im Vollerwerb, aber auch im Nebenerwerb betrieben wurden. 1979 waren es 87. Mittlerweile sind nur noch rund 20 Höfe übrig.

Die historischen Höfe waren die Keimzellen der heutigen Ortschaften. Sie siedelten sich an alten Römerstraßen, deren Zubringern oder an Bachläufen an. Hierdurch entstanden Straßendörfer wie Latum (heutige Uerdinger Straße und Mittelstraße), Stratum, Ilverich, Langst, Nierst und Bösinghoven. Oder sie wurden um einen zentralen, wichtigen Ort errichtet, zumeist eine Kirche oder ein Gutshof, und bildeten dann ein sogenanntes Haufendorf. Hierzu zählen unter anderem Lank, Kierst und Ossum.

Die älteren, einfachen Höfe waren in den meisten Fällen ein einfaches Sachsenhaus, in dem die Bauernfamilie lebte, aber auch das Vieh mit untergebracht war. Die Wohlhabenderen wurden als fränkische Vierkanthöfe angelegt, mit dem Wohnhaus als zentralem Element, welches von den Stallungen eingerahmt wird.

Viele alte Höfe verschwinden heute nicht nur deshalb, weil die Familie die Landwirtschaft aufgibt, sondern auch, weil seit einigen Jahrzehnten zunehmend Bauernhöfe aus dem dörflichen Verbund ausgesiedelt werden. Diese neu auf freier Fläche errichteten Höfe werden „oft nur 10 bis 20 Jahre bewirtschaftet, dann hat der Bauer keine Lust oder keinen Nachfolger mehr und die Gebäude werden anders genutzt oder an Gewerbe weitervermietet“, wie Radmacher mit Bedauern feststellt.

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Das zunehmende Verschwinden der Höfe ist für Radmacher, aber merklich auch für die anderen Anwesenden in der Teloy-Mühle, mit einen Verlust der dörflichen Lebenskultur verbunden. Der in Fragen der Denkmalpflege bewanderte und engagierte ehemalige Studiendirektor an der Berufsschule am Glockenspitz macht eines sehr deutlich: „Ein Haus, das nicht unter Denkmalschutz steht, wird früher oder später abgerissen. Das geschieht auch mit den Bauernhöfen. Wenn sie nicht unter Denkmalschutz stehen, werden sie überplant und sind irgendwann für immer weg.“ Als aktuelles Beispiel sei hier der in Lank-Latum an der Uerdinger Straße gelegene Kohteshof zu nennen, dessen Schicksal unlängst besiegelt wurde und der demnächst neuem „Premiumwohnraum“ weichen muss.

Radmacher äußert durchaus ein gewisses Verständnis für die Sichtweise der Bauern, die zwar erhalten wollen, aber die im Umgang mit ihrem Eigentum nicht von einer Denkmalbehörde fremdbestimmt sein möchten. Dennoch kritisiert er in aller Deutlichkeit auch die aktuelle Arbeitsweise der Denkmalbehörden, die sukzessive die Hürden für ein möglicherweise unter Denkmalschutz zu stellendes Gebäude höher und höher setzen würden. Zudem plane derzeit NRW-Heimatministerin Scharrenbach ein neues Denkmalschutzgesetz, welches mit einer weiteren Beschneidung der Befugnisse der Denkmalbehörden verbunden sei. Gegen dieses Gesetz läuft bis zum 31. Dezember eine Petition der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die „bereits auch alle Professoren Nordrhein-Westfalens, die sich mit Denkmalpflege befassen, unterzeichnet haben“, so Radmacher.