: Lank und Latum – wo kommt es her?

Ob das auch noch alle Schützen wissen? Lank und Latum haben erst seit 1910 einen Doppelnamen.

Wenn alle zwei Jahre zum Schützenfest der Kampf zwischen Lank und Latum aufs Neue entbrennt, hat dies einiges mit der wechselvollen Vergangenheit der beiden Dörfer zu tun.

Erst seit 1910 sind beide Gemeinten unter dem markanten Doppelnamen vereint und waren zuvor voneinander weitgehend unabhängig. Nur die Schule teilten sie sich – zuerst sogar noch mit Ilverich. Das wichtige Gebäude lag natürlich direkt an der Pfarrkirche und die stand damit immer schon in Lank. Unter diesem Umstand litten die Latumer seither und es mag ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gewesen sein, dass das Pfarrhaus in alten Zeiten (bis 1820) an der Mittelstraße im Herzen Latums lag. Leidtragender war der Pfarrer, der stets bei Wind und Wetter den weiten Weg zum Gotteshaus auf sich nehmen musste, während Vikar, Küster und Lehrer unmittelbar neben der Kirche wohnten. Bis heute leistet sich die Freischar übrigens einen eigenen Rebellenkaplan. Und es scheint fast wie die Rückkehr zu alten Traditionen, dass heute Pfarrer Norbert Viertel aus Osterath anreisen muss, wenn er in seiner Pfarrkirche St. Stephanus zelebrieren will.

Jedenfalls war Latum Jahrhunderte lang ein Außerort des Kirchdorfes wie auch Langst, Kierst, Strümp, Ossum, Bösinghoven, Gellep, Stratum, Heulesheim oder eben Ilverich. Währenddessen wussten sich die Lanker im weltlichen und geistlichen Zentrum der Pfarre, die bis zum Einmarsch französischer Revolutionstruppen 1794 auch ganz allgemein die Gemeindeebene im Kurfürstentum Köln gewesen ist.

Auch nach 1800 konnte Lank aus der zentralen Lage Kapital schlagen und sogar das Pastorat an die heutige Pfarrstraße holen, was dem legendären Pastor Wilhelm Jacobs 50 Jahre zuvor noch vom Stift Kaiserswerth als „Besitzer” der Pfarre untersagt worden war.

Als sich im 19. Jahrhundert dann zwei Schützengesellschaften in Lank und Latum gründeten, statteten sich deren Könige Staatsbesuche zum Schützenfest ab. Nach der Vereinigung um die Jahrhundertwende stellte man aber bald fest, dass kaum noch Lanker, aber reichlich Latumer Mitglieder der Bruderschaft waren – das Vereinsleben verlagerte sich weitgehend nach Latum, wo durch Brand und Unachtsamkeit die ältesten Unterlagen über die Bruderschaft nach und nach in den Flammen landeten.

Das 20. Jahrhundert stand dann im Zeichen des Zusammenwachsens beider Dörfer. Schule, Arzt und Apotheke finden sich heute noch in den Bereich der Hauptstraße zwischen Kemperallee und Kaiserwerther Straße, die einmal zum neuen Zentrum werden sollte. Die Post ist abgerissen und die Sparkasse längst umgewidmet, hatten aber auch hier ihren Standort.

Auch wenn dieses Konzept letztendlich so nicht aufging, sind beide Orte heute nicht mehr voneinander zu trennen und selbst der Freischar Latum gelingt es nicht mehr, die Grenze zwischen Lank und Latum nach der Fehdeansage korrekt zu markieren.

Mehr von Meine Woche