: Mit den Augen eines Lankers

Trotz subtropischer Temperaturen fanden 69 Gäste ihren Weg in die Lank-Latumer Teloy-Mühle zum Vortrag von Norbert Walter-Borjans.

Ex-NRW Finanzminister Walter-Borjans war der Einladung des Heimatkreises gefolgt, über seine Sicht der Dinge zu referieren, wie sich sein Heimatort Lank-Latum in den letzten 40 Jahren verändert hat. Geboren 1952, hatte er sein Elternhaus in Lank Latum „In der Wasserstadt“. Der Sohn eines Schreiners und einer Schneiderin verbrachte seine Kindheit und Jugendzeit in Lank-Latum und selbst während des Studiums zog es ihn jedes Wochenende wieder in die alte Heimat, wo er freundschaftlich eng vernetzt und in diversen Vereinen stark engagiert war. Im Jahre 1979, im Alter von 26 Jahren, zog er schließlich nach Köln um. Über mehrere berufliche und politische Stationen stieg er in den Neunziger Jahren zum Regierungssprecher der Landesregierung unter Johannes Rau auf. Von 2010 bis 2017 war er schließlich NRW Finanzminister unter Hannelore Kraft.

Der Vortrag in der Lank-Latumer Teloy-Mühle war für Walter-Borjans ein deutlich sichtbares Highlight, waren im Publikum doch etliche Bekannte aus der Jugendzeit, ehemalige Nachbarn und auch eine seiner Cousinen anwesend. In seinem komplett freien, lockeren bis stellenweise jovialen Vortrag erzählte Walter-Borjans Geschichten und Anekdoten über seine Zeit in Lank-Latum, als dieses noch „ein verschlafener Ort“ war. Die Wasserstadt war in seiner Kindheit noch nicht asphaltiert, es gab keine Kanalisation, kein fließend Wasser. In der Volksschule (der heutigen Pastor-Jacobs-Schule) wurde noch streng zwischen evangelischen und katholischen Kindern getrennt: „Man war sich fremd.“ Seinen erster „Vortrag“, eine Lesung aus der Bibel, hielt er in seiner Messdienerzeit in der St. Stephanus-Kirche. „Ich war damals sehr nervös – damals war die Kirche ja noch immer richtig voll!“, berichtet Walter-Borjans. Sein starkes Engagement in der Heimat führte zu unzähligen Aktivitäten und manifestierte sich in unterschiedlichster Weise. Noch selbst ein Jugendlicher gründete er den TTC Lank, den ersten Lank-Latumer Tischtennisverein, der heute in die Tischtennisabteilung des TSV Meerbusch aufgegangen ist. Als junger Erwachsener begleitete er als Jugendbetreuer und Organisator mehrere Ferienfreizeiten, in denen er mit 100 bis 150 Lank-Latumer Jugendlichen mehrwöchige Fahrten unternahm. Unter anderem auch mit seinem Jugendfreund Georg Neuhausen startete er ein Amateur-Filmprojekt, der Film „Bettschläfer Karl“, in dem er die Hauptrolle spielte und der sogar heute noch einigen im Gedächtnis geblieben ist.

Schon damals war er bei allen seinen Aktivitäten bereits für die Finanzen zuständig, was er selbst als gewisses Vorzeichen für seine spätere Position als Finanzminister auffasst.

Aus Sicht von Norbert Walter-Borjans hat Lank-Latum im Rückblick sehr davon profitiert, das es nach der Gründung der Stadt Meerbusch in der öffentlichen Wahrnehmung hinter Büderich und anderen Ortsteilen zunächst zurück blieb. Große Investitionen im „Waschbeton-Stil“ blieben, seiner Meinung nach, so Lank-Latum erspart.

Mit einem Foto der Hochzeit seiner Eltern von 1938, auf dem die frischgebackenen Eheleute mit ihren Geschwistern zu sehen sind, kam Walter-Borjans zum Ende seiner Ausführungen. Dass ein Onkel und eine Tante Opfer des Zweiten Weltkriegs wurden (Bombenangriff auf Lank-Latum) macht die Warnung vor jedem neuen Krieg für Walter-Borjans zu einem persönlichen Anliegen. „Einige Politiker meinen heute, man könnte es ja noch mal probieren“, mahnt er eindringlich. „Wir dürfen das Thema ’Heimat’ nicht von den falschen Menschen besetzen lassen.“ Weiterhin kritisiert er die heutige „Kompromisslosigkeit“ in der Politik, die sich heute die meisten Politiker auf die Fahne schreiben und demonstrativ zur Schau stellen. „Das ist ein großes Problem!“

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