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Lesepate liest wieder vor Live-Publikum in Stadtbibliothek

Nach Corona : Krumi liest wieder „in echt“

Während der Corona-Pandemie waren die beliebten Lesungen des Lesepaten Wolfgang Krumnacker in der Stadtbibliothek in Büderich nur über Instagram zu verfolgen. Jetzt liest „Krumi“ auch wieder „in echt“ für seine jungen Zuhörer. Wir waren bei einer der ersten Lesungen nach der Rückkehr des Live-Publikums dabei.

Vier junge Zuhörer haben sich nebst Eltern an diesem Nachmittag in der Stadtbibliothek am Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich eingefunden, um sich von Wolfgang Krumnacker – seinen Fans besser als Krumi bekannt – aus dem Buch „Michel, drei Tage aus dem Leben eines Schmusekaters“ der Autorin Birgit Mächler vorlesen zu lassen. Im Vergleich zu den Vor-Pandemie-Zeiten, als bis zu 30 Kinder regelmäßig zu den Vorlesungen des Lesepaten kamen, ist die heutige Besucherzahl zwar eher überschaubar, eine Steigerung gegenüber dem einen Kind, das bei der ersten Nach-Corona-Lesung vor Live-Publikum zwei Wochen zuvor anwesend war, ist sie aber allemal. Krumi nimmt es gelassen: „Das ist ganz normal, dass nach einer so langen Zeit die Sache noch ein wenig braucht, um wieder richtig anzulaufen. Und ich weiß ja, dass viele der Zuhörer inzwischen über Instagram die Lesungen verfolgen.“

Egal ob vor einem Kind oder vor 30, in seinen Lesungen zeigt der 77-Jährige stets volles Engagement. Im zum inzwischen zu seinem Markenzeichen gewordenen Hawaii-Hemd (Hawaii-Hemden-Zeit ist für ihn konsequent von Anfang April bis Ende September, sagt er) begrüßt Krumi gemeinsam mit seiner Krokodil-Handpuppe auch an diesem Tag das junge Publikum. Während der Lesung sucht er immer wieder den Austausch mit seiner Zuhörerschaft, unterbricht etwa seinen Vortrag, um die Bilder im Buch zu zeigen und so die Geschichte vom Kater Michel noch lebendiger für die Kinder zu machen.

Seit inzwischen 18 Jahren ist der Büdericher Wolfgang Krumnacker nun schon Lesepate. Angefangen hat alles mit dem Vorschlag, dem ihm seine Frau damals gemacht hat, sich doch mal bei „Düsseldorf liest vor“ zu bewerben. In der Zeitung hatte sie gesehen, dass das Netzwerk gerade Lesepaten suchte. Ab da hatte Krumi seine Berufung gefunden: „Anfangs habe ich regelmäßig in einer Kita in Düsseldorf vorgelesen. Dort gab es sehr viele Schüler mit Migrationshintergrund, das war eine tolle Sache“, erinnert er sich. In der Folge las Krumi überall Geschichten vor, selbst im Landtag hat er schon zum Weltkindertag eine Lesung gehalten. Ein absoluter Höhepunkt ist für ihn stets der Düsseldorfer Bücherbummel. Auch dieses Jahr wird er dort am Pfingstwochenende – am Samstag und Sonntag jeweils ab 14 Uhr – im Kinderzelt an der Königsallee vorlesen. „Wenn ich auf meinem Popo sitzen und für Kinder lesen kann, dann geht’s mir richtig gut“, so Krumnacker.

Sein Engagement in der Stadtbibliothek in Büderich kam zustande, als Krumi dort vor elf Jahren anfragte, ob es vielleicht möglich sei, Kinderbücher für seine Lesungen umsonst auszuleihen. Die Antwort damals: „Klar, aber dann müssen Sie auch was bei uns machen.“ Seitdem liest der Büdericher auch in seiner Heimat jeden zweiten Freitag ab 16.30 Uhr Geschichten für Kinder von vier bis zehn Jahren vor. Mit der aufkommenden Pandemie war es damit dann 2020 zwar erstmal vorbei. Doch als von Elternseite der Wunsch an Krumi herangetragen wurde, seine Lesungen doch künftig über Instagram live für die jungen Zuhörer zu übertragen, da willigte dieser ein – obwohl er bis dahin „mit Social Media so rein gar nichts am Hut hatte“. Einzige Bedingung Krumis für die Live-Übertragung seiner Lesungen ins Netz war, dass ihm jemand bei der technischen Seite unterstützen müsse. Und da dies keine Hürde war, ging schon bald darauf der ­Instagram-Kanal krumnacker46 auf Sendung, immer freitags um 16.30 Uhr im wöchentlichen Wechsel aus der Stadtbibliothek oder aus Krumis Zuhause.

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Durch den Instagram-Kanal erweiterte sich die Zahl der Zuhörer des Lesepaten beträchtlich, auch weil die Lesungen nicht nur live verfolgt werden können, sondern auch im Nachhinein noch abrufbar sind. Inzwischen hört man Krumis Geschichten in ganz Deutschland, ja sogar in Österreich, in der Schweiz und in Südtirol (Italien). Über die vielen positiven Kommentare, die er über die Internetplattform erhält, freut sich der passionierte Vorleser. „Anerkennung tut ja immer gut“, sagt er.

Doch damit nicht genug: Aus der neuen Reichweite ergaben sich zudem weitere Möglichkeiten: „Eine Mutter aus Münster, die mit ihren Kindern regelmäßig meine Lesungen hörte, schlug mir einmal vor, Kinderbuchautoren anzuschreiben und ihnen anzubieten, ihre Bücher auf meinem Kanal vorzulesen und zu präsentieren“, erzählt Wolfgang Krumnacker. Dem Rat sei er gefolgt und seit anderthalb Jahren schickten ihm Autoren aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland nun schon regelmäßig Bücher zu. „Inzwischen kommen die Autoren sogar auf mich zu mit dem Resultat, dass ich bis Ende Juni schon ausgebucht bin mit Büchern.“

Allerdings liest der Büdericher nicht jedes Buch, denn gewisse Vorstellungen habe er schon, was er den Kindern für Geschichten erzählen wolle. „Ich lege viel Wert auf die Harmonie von Text und Bildern und darauf, dass den Büchern etwas Liebevolles innewohnt“, sagt Krumi. Bei dem Buch über den Kater Michel etwa, das er heute vorliest, habe ihn besonders überzeugt, dass es sich bei den Bildern um Fotos eines echten Katers handelt – etwas, das man in Kinderbüchern selten finde. Grundsätzlich gelte für ihn: „Man kann ein Buch nur dann richtig gut vorlesen, wenn es einem selber gefällt.“

Die nächste Lesung von Krumi in der Stadtbibliothek am Dr.-Franz-Schütz-Platz 5 in Büderich findet am Freitag, 2. Juni, um 16.30 Uhr statt und kann direkt vor Ort verfolgt werden. Darüber hinaus werden alle Lesungen aber auch live auf dem Instagram-Kanal krumnacker46 übertragen und sind dort auch noch nachträglich abrufbar.