: Mit Feuereifer Deutsch lernen

Voller Tatendrang geht es zur Sache, die positive Energie ist in allen Kursen spürbar: Die VHS Meerbusch bietet die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierten Deutschkurse an – und die Teilnehmer sind mit Herzblut bei der Sache. Der Extra-Tipp Meerbusch schaute in zwei Kurse rein.

Sie sind mit Feuereifer und Freude dabei, wollen schaffen, warum sie dabei sind: Die Schülerinnen und Schüler der beiden Integrationskurse. „Ziel ist, dass die Teilnehmer mit ihrer Kommunikation am Ende das Alltägliche bewältigen können“, sagt Béatrice Delassalle-Wischert, Leiterin der Volkshochschule Meerbusch. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beauftragt private und öffentliche Träger mit der Durchführung der Kurse. In Meerbusch ist es die VHS. „Einen Boom gab es verständlicherweise in den Jahren 2015/2016“, erklärt Delassalle-Wischert. Mit Blick auf diese Welle sind die aktuellen Zahlen rückläufig. Konnte die VHS damals bis zu acht parallel laufende Kurse anbieten, mit Schülern, die aus den Schwerpunktländern Syrien, Irak, Iran, Eritrea kamen, laufen aktuell zwei Kurse mit je rund 25 Teilnehmern. „Heute kommen sie überwiegend aus EU-Ländern.“ Und nicht nur von da: Beim Modul A2.2 im Kursraum im Pfarrzentrum von Heilig Geist in Büderich von Dozentin Aysun Bostanci sitzen unter anderem Menschen aus Japan, China, Taiwan, Italien, Neuseeland, aber auch Serbien, Tunesien und Irak. Sie alle sind in ihre Bücher vertieft, pauken gerade „Artikel“. Dozentin Aysun Bostanci läuft mit einem Stoffball auf und ab und wirft ihn den Schülern zu. Der Iraker Dlofan Sammo schnappt ihn: „Das ist eine kleine Nase“, sagt er – und wirft den Ball zurück. Im Sekundentakt fallen hier kurze Sätze. Bei den einen kommen sie schnell über die Lippen, bei anderen dauert es leicht länger. Dass sie hier alle wollen und voller Energie stecken, das sieht man sofort.

600 Stunden

in sechs Modulen

Die Deutschkurse des BAMF sind insgesamt in sechs Sprachmodule aufgeteilt: Die ersten beiden aufeinander folgenden Einsteigerkurse nennen sich A1.1 und A1.2, dann folgen A2.1 und A2.2 sowie die auf die Abschlussprüfungen vorbereitenden Kurse B1.1 und B1.2.

„Alle Module zusammen brauchen 600 Stunden“, erklärt Béatrice Delassalle-Wischert. Von Montag bis Freitag drücken die Lernwilligen rund sechs Stunden am Tag die Schulbank. Und sie alle geben sich sichtbar Mühe. Denn: Sie wollen den Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) bestehen. Er besteht zwar aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil, aber das Sprechen steht eindeutig im Vordergrund. „Das Mündliche nimmt eine zentrale Rolle ein, man will, dass die Kommunikation klappt“, so die VHS-Frau. Die Zugewanderten sollen Briefe und Mails schreiben, generell den Alltag in Deutschland bewältigen können. „Eine Beispielaufgabe im Test könne sein: Man stelle fest, dass die Heizung kaputt ist, aber morgen würden Gäste kommen“, so Delassalle-Wischert. „Dann sollen die Schüler einem Handwerker schreiben, ihm die Situation erklären und einen Kostenvoranschlag verlangen.“ Dabei wird deutlich: Die Deutschkurs-Teilnehmer werden in mögliche Alltagssituationen gelenkt. 2015/2016 waren die Bestehensquoten am Ende nicht so gut, jetzt sind „sie wieder deutlich nach oben gegangen“. Die Teilnehmer in den BAMF-Kursen bei der VHS Meerbusch lernen nicht nur, weil sie sich in Deutschland zurechtfinden wollen, sondern weil Arbeitgeber die Zertifikate teilweise auch fordern. „Aber auch wenn man sich einbürgern lassen will, kommt man da um Deutschkenntnisse nicht herum.“ Da müssen dann sogar noch einmal hundert weitere Stunden „Leben in Deutschland“ gepaukt werden.

300 Fragen bei Test

„Leben in Deutschland“

Der gleichnamige Test ist eine Prüfung, die für eine Verlängerung des Aufenthaltstitels oder für die Erhaltung der deutschen Staatsbürgerschaft gebraucht wird. Insgesamt gibt es 300 Fragen zu Deutschland, beim Test werden 33 gestellt, 15 müssen mindestens beantwortet werden. In Osterath geht es in dem parallel stattfindenden Kurs in der VHS an der Hochstraße ebenso Energie geladen, motiviert und spürbar hoffnungsvoll zu. Diese Teilnehmer stehen aber schon kurz vor der Abschlussprüfung, dem DTZ. „Darf ich Ihnen einen Kaffee oder ein Glas Wasser bringen“, springt bei dem eintretenden fremden Gesicht eine Teilnehmerin auf und lächelt den Besucher an. Hier unterrichtet Yvette Durán Funk. Die Dozentin ist sichtlich stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler. Und dass sie bereits schon ziemlich fortgeschritten sind, das wollen sie auch gerne zeigen.

„Ich habe glücklicherweise vier Töchter“

Der 45-jährige Imran Ahmed schnellt flotten Schrittes nach vorne und stellt sich vor: „Ich war ein Großhändler in Pakistan. Zu meinen Kunden gehörten Shell, Chevron und weitere große Namen. Ich bin nach Deutschland gekommen, weil ich mit der Politik in Pakistan Probleme bekommen habe.“ Voller Liebe und Stolz sagt er: „Ich habe glücklicherweise vier Töchter.“ Er wohnte bis vor Kurzem noch in Meerbusch, ist aber vor zwei Monaten nach Ratingen gezogen. „Die älteren beiden Töchter gehen jetzt dort auf das Gymnasium, die jüngeren dort zur Grundschule.“ Eigentlich seien Musik hören und Bücher lesen seine Hobbys, „aber im Moment ist meine Nummer eins Deutsch lernen“. Dann löst Aysun Yumer ihn vorne ab. Die 24-jährige Bulgarin beschreibt ein Bild auf dem Smartboard (großer Touchscreen, der auch als digitale Tafel funktioniert). „Wir sehen ein großes Gebäude, Kinder die davor auf einem Spielplatz spielen, es ist Herbst, das sieht man an den Bäumen.“ Dozentin Yvette Durán Funk lächelt, nickt – und verbessert: „Das ist nicht nur ein Gebäude, das ist ein Mehrfamilienhaus.“ Ein Blick in die Augen von Aysun Yumer verrät: Das wird gerade in ihrem Kopf abgespeichert.