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Elektrothek Osterath: Verein bangt um Erhalt der Sammlung

Kündigung zu Februar 2024 : Elektrothek vor dem Aus

Die Tage der Elektrothek auf dem Gelände der Umspannanlage Osterath sind gezählt: Den Betreibern des Technikmuseums wurde zu Ende Februar nächsten Jahres gekündigt. Jetzt bangt der Verein um den Erhalt der kulturhistorisch bedeutsamen Sammlung.

Die Kündigung kam nicht überraschend. „Es gab seit 2019 Hinweise, dass wir rausmüssen“, sagt Reinhard Rohlfing, 1. Vorsitzender des Vereins Elektrothek e. V. Anfang April kam das offizielle Schreiben, das den 29. Februar 2024 als Stichtag nannte – aber kein Wort darüber verlor, was mit der Sammlung geschehen soll. Eine Verschrottung erscheint nicht ausgeschlossen. Damit würden Tausende technische Sachzeugen aus der Geschichte der Stromverteilung unwiederbringlich verlorengehen.

Thematisch angesiedelt ist die Elektrothek „zwischen Kraftwerk und Steckdose“. Isolatoren, Schalter und Zähler machten 1978 den Anfang, zusammengetragen von Mitarbeitern der damaligen RWE im Keller der Betriebsverwaltung Krefeld. Drei Jahre später erfolgte der Umzug in das ehemalige Rundsteuergebäude der Umspannanlage Osterath. Betreut wird die Sammlung vom Verein Elektrothek e.V., der sie der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen zugänglich macht. Auf einer Ausstellungsfläche von rund 3 000 Quadratmetern, zwei Drittel davon Freifläche, können mehr als 2 500 Exponate zur Energieverteilung besichtigt werden, das älteste datiert aus dem Jahre 1870.

Besitzer der Umspannanlage und damit auch fast aller Ausstellungsstücke ist der Übertragungsnetzbetreiber Amprion als RWE-Nachfolger, der jetzt die Kündigung ausgesprochen hat. Amprion benötigt das von der Elektrothek genutzte Gelände für die Erweiterung seines Betriebsstandortes Osterath. Völlig unklar ist, was im Zuge dessen mit den Exponaten geschehen soll, doch der Verein befürchtet nichts Gutes. Rheinhard Rohlfing zitiert einen Amprion-Mitarbeiter mit den Worten, die Sammlung bedeute für das Unternehmen „keinen Benefit“.

Das drohende Aus der Elektrothek hat bereits frühzeitig die bundesweiten Mitglieder des VDE-Ausschusses Geschichte der Elektrotechnik mit Sitz in Frankfurt/Main auf den Plan gerufen. Dessen Büro für technikhistorische Forschung und Beratung führte zwischen April 2020 und Januar 2022 eine „Bewertende Bestandsaufnahme der gerätetechnischen Sammlung der Elektrothek Osterath“ durch. Demnach besitzt die Sammlung einen „außerordentlich hohen kulturhistorischen Wert“ wie auch einen „großen didaktischen Wert“. In ihrer Gesamtheit und Vollständigkeit stelle sie „einen in Deutschland in ihrer Form einzigartigen Objektbestand“ dar. „Eine vollständige oder auch nur teilweise Auflösung der Sammlung würde einen unschätzbaren Verlust für die Technikgeschichte, Industriekultur und Kulturgeschichte bedeuten.“

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Dr. Frank Dittmann vom VDE-Ausschuss sieht Amprion in der Pflicht. „Bei den Exponaten handelt es sich um ein Kulturgut. Daraus ergibt sich die Verantwortung, es zu erhalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.“ Der VDE betont das didaktische Potenzial der Elektrothek, die mit dem Vorführbetrieb einzelner Geräte und Anlagen auch komplexe Abläufe der Energieübertragung für den Laien verständlich macht. Für das Stromsystem stelle die Energiewende eine große Herausforderung dar, worüber diskutiert werden müsse. Hierfür sei die Elektrothek ein wichtiges Forum.

Dass Amprion seine Bebauungspläne ändert und die Elektrothek am jetzigen Standort verbleibt, ist unwahrscheinlich, zumal weder das Gebäude noch die Exponate unter Denkmalschutz stehen. Auf Anfrage antwortet das Unternehmen schriftlich: „Nach einer gewissenhaften Prüfung der Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Standortes sowie den Verbleib der Sammlung der Elektrothek hat sich Amprion dafür entschieden, dass die Fläche im Sinne des Netzausbaus für die Energiewende genutzt werden sollte.“

Dem Verein Elektrothek geht es nun um den Erhalt der Sammlung. Dazu teilt Amprion mit: „Soweit möglich wird Amprion die Exponate einlagern bzw. an eigenen Standorten ausstellen.“ Details werden nicht genannt. Weiter heißt es: „Bei der Bewertung der Prioritäten konnte das Engagement für die Elektrothek leider nicht mehr aufrecht erhalten werden. Wenn sich eine Gelegenheit fände, die Sammlung weiter aufrecht zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, würde das Amprion sehr freuen.“

Für Georg Hoolmans, 2. Vorsitzender des Vereins, ist in den Aussagen des Unternehmens „keine konkrete Strategie erkennbar“. Man werde aber weiter das Gespräch mit Amprion suchen. „Mit einer Einlagerung wäre viel gerettet“, sagt er, „aber das können wir nicht als sicher ansehen.“ An die Bewahrung der kompletten Sammlung glaubt Hoolmans nicht: „Ich befürchte, dass wir am Ende den Erhalt der wichtigsten Exponate als Strohhalm akzeptieren müssen.“

Sollte es dazu kommen, wird der Verein bis Ende des Jahres weiterhin Führungen anbieten und dann die wenigen Stücke, die der Elektrothek gehören, auslösen und einlagern oder anderen Museen überlassen. „Danach werden wir mit Tränen in den Augen die Schlüssel übergeben“. Bemühungen, einen neuen Träger für die Elektrothek zu finden, seien bislang wenig erfolgreich gewesen, aber man gebe die Hoffnung nicht auf: „Vielleicht kommt ja doch noch der weiße Ritter.“

Eine Besichtigung der Elektrothek Osterath, Ingerweg 100, ist im Rahmen von Führungen für Einzelpersonen oder Gruppen möglich. Weitere Informationen und Kontakt zum Verein unter www.elektrothek-osterath.de