: Patenschaft für Blühstreifen: „Wir machen das jetzt!“

: Patenschaft für Blühstreifen: „Wir machen das jetzt!“

Der Rückgang von Insekten ist alarmierend. Jetzt wollen Meerbuscher Landwirte dem entgegenwirken und auch die Meerbuscher mit an Bord holen – mit Blühstreifen, für die Patenschaften übernommen werden können. Ein starkes Zeichen.

Es ist eine Premiere und ein bedeutungsvolles Zeichen: Von Strümp über die Rheingemeinden bis Lank-Latum soll Meerbsuch in den kommenden Monaten erblühen. Das haben jetzt sechs Meerbuscher Landwirte beschlossen – und laden Meerbuscher ein, eine Blütenpatenschaft zu übernehmen. „Im Winter habe ich mich damit immer mehr beschäftigt“, erklärt der Initiator Heinrich Leuchten. Dem Ilvericher Landwirt und seinen Kollegen sind der Artenrückgang nicht entgangen.

60 Prozent der

Hummelarten

verschwunden

„In Krefeld sind 60 Prozent der Hummelarten verschwunden, in Düsseldorf 58 Prozent der Tagfalter“, sagt Michael Gorgs, Sprecher der Stadt Meerbusch. Die Landwirte wissen: Neben mehreren Faktoren wie dem Klimawandel und dem Lebensraumverlust, die für das extreme Insektensterben verantwortlich sind (und damit auch für den Rückgang der Vogelarten/seit 1980 hat die Zahl der Vögel in den Staaten der Europäischen Union um 56 Prozent abgenommen), finden sich auch Gründe in der Landwirtschaft wie der Insektizideinsatz.

Um dem nun auf Meerbuscher Grund und Boden entgegenzuwirken, haben die sechs Meerbuscher Landwirte nun die Initiative ergriffen. „Als ich meine Kollegen gefragt habe, war ich zuerst skeptisch, ob sie mitmachen würden“, so Landwirt Heinrich Leuchten. Aber die Antworten hätten ihn absolut überrascht.

Landwirte:

„Wir machen das jetzt!“

Das seien äußerst positive Rückmeldungen gewesen. „Und schnell haben wir gemeinsam den Entschluss gefasst: Wir machen das jetzt!“ Kaum hatten die Meerbuscher Landwirte die Köpfe zusammengesteckt, stand auch schon der Plan: Mit Hilfe des Meerbuscher Hegerings und der Stadt Meerbusch bieten die sechs Landwirte Markus Bolten, Jürgen Hilgers, Reiner Roos, Johannes Paas, Frank Neukirchen und Heinrich Leuchten jetzt auf insgesamt 2,5 Hektar Blühflächen an, für die Meerbuscher eine einjährige Patenschaft übernehmen können. „So entstehen am Rande bestehender Ackerflächen wunderschöne Insektenweiden, an denen auch alle Meerbuscher ihre Freude haben werden“, sagt Initiator Heinrich Leuchten.

Einjährige Blühmischungen sind besser

Einjährig daher, weil die Saatmischungen beispielsweise wie der „Bienenschmaus“ bestehend aus Kornblume, Gelbsenf, Malve und Dill, außerdem Ölrettich, Schwarzkümmel, Ringelblume und Borretsch dann ihre volle „Power“ in eine Blühsaison stecken. „Mehrjährige verlieren schon im nächsten Jahr ihre Kraft und nehmen weiter ab.“ Der Blick der Landwirte geht auch schon weiter: „Im kommenden Jahr suchen wir dann andere Flächen, wir wandern mit den Blühstreifen.“ Und: „Weitere Meerbuscher Landwirte sind herzlich eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.“ Die Projektgröße könnte also immer mehr wachsen. Die Wahl der Flächen werde immer mit Blick auf die Natur getroffen. Denn: Auch Tiere wie Vögel, Feldhasen oder Rehe sollen etwas davon haben – damit alle vom Zusammenspiel von Blühstreifen und Ackerpflanzen profitieren, einige ihre gebrauchten Rückzugsorte erhalten.

Start ist bereits in den

kommenden Wochen

Start der Aussaat wird in den kommenden Wochen sein. Denn so verlangt es die Natur: „Im April müssen wir die Felder bestellen.“ Mit an Bord der Aktion sind auch der Meerbuscher Hegering und die Stadt Meerbusch. Der Hegering kümmert sich um die Logistik der Patenschaften, die Stadt Meerbusch bietet an, Schilder mit Namen (wer will) der Paten an den Blühstreifen aufzustellen. Alle Beteiligten verstehen sich auch als Pfleger der Landschaft – und dazu sind Meerbuscher herzlich eingeladen. Dana Frey, Leiterin der Stabsstelle Umwelt im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung, ergänzt: „Wir wollen allen zeigen, dass wir gemeinsam auf freiwilliger Basis ganz viel erreichen können.“ Mit dem Projekt von Landwirten, Jägerschaft und Stadt wird deutlich, es kommt Bewegung in die Sache. Die Stadt Meerbusch selbst hat bereits seit 2016 große Blühflächen angelegt hat und will jetzt auch weitere anlegen. Erst jüngst wurde der Antrag der Grünen „Meerbusch summt – blühende Landschaften“ angenommen. Die Stadtverwaltung wurde bereits beauftragt, städtische Flächen zu finden, auf denen die Meerbuscher selber bienenfreundlich säen und pflanzen können.

Wie kann ich mitmachen?

Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, geht auf die Website www.hegering-meerbusch.de und wählt in der Startleiste „Meerbusch-Blühstreifen-Aktion“. Am Ende des Beitrags steht das Formular mit Informationen zum Download. Anfragen: per Mail an meerbusch-bluehstreifenaktion@web.de. Ausdrücklich sind auch Unternehmen eingeladen, eine Patenschaft zu übernehmen. Die Preise: S (50 Quadratmeter) für 25 Euro, M (100) 50 Euro, L (200) 100 Euro, XL (300) 150 Euro, XXL (500) 250 Euro, XXXL (1000) 500 Euro. Gewässert werden die Blühflächen nicht. Die Natur übernimmt die Regie. Im Sommer sollen die Paten dann zu einer Radtour um die Blühwiesen eingeladen werden.