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Streit um Abriss Organistenhaus in Meerbusch-Lank-Latum

Streit in Lank-Latum : Gegen den geplanten Abriss

Mit einer Online-Petition möchte die Bewohnerin des alten Organistenhaus dieses vor dem Abriss retten. Die Pfarre plant dort schon länger ein Mehrfamilienhaus. Viele Lank-Latumer haben ihre Unterschrift bereits gegeben.

„Dieses Haus hat Geschichte. Und jetzt soll es abgerissen werden. Das macht mich einfach furchtbar traurig“, sagt Silvia Schönfeld und ist dabei den Tränen nahe. Und diese Geschichte geht weit zurück: Seit Erbauung 1930 bezogen stets die Organisten der Kirche das Haus. 1971 wurde das Haus mit den dunklen Klinkern das Zuhause für Silvia Schönfelds Vater und seine Familie. Als er 2006 starb, lebte Schönfelds Mutter weitere zwei Jahre bis zu ihrem Tod in dem Haus. „2008 haben mein Mann und ich dann einen Mietvertrag unterschrieben und das Haus bezogen, denn ein neuer Organist wurde nicht eingestellt“, erinnert sich Silvia Schönfeld.

Über die letzten Jahre traten immer wieder Mängel am Haus auf: Das Dach war repararturbedürftig, ein Holzwurm nistete sich im Haus ein. „Die Pfarre hat seit Jahren nichts mehr in das Haus hineinstecken wollen“, betont Schönfeld. „Auch als wir angeboten haben, die Mängel selbst zu beheben und dafür zu zahlen, wurde uns das verboten“.

Was sie lange befürchteten, ist nun eingetroffen: Im April 2020 erreichte die Familie die Kündigung. „Wir haben widersprochen und einen Rechtsanwalt eingeschaltet.“ Nun soll dort ein Mehrfamilienhaus entstehen.

Um nicht kampflos aufzugeben, hat Schönfeld hat eine Online-Petition gestartet, um den Abriss ihres Elternhauses zu verhindern. Wie die Ressonanz zeigt, sind sie und ihre Familie nicht die einzigen Lank-Latumer, die gegen den Abriss des alten Hauses sind. Zahlreiche Bürger unterstützen die Familie mit ihrer Unterschrift und haben auf der Plattform ihre Meinung kundgetan. „Es wäre sehr schade, wenn schon wieder ein altes Haus einem neuen Haus weichen muss. Wenn wir das zulassen, geht die Geschichte unseres Dorfes kaputt und es verliert den alten schönen Charakter“, heißt einer der Kommentare. „Je mehr alte, typische Gebäude aus unserem Ort verloren gehen, um geschmacklosen, renditeorientiert gebauten Immobilien Platz zu machen, desto mehr geht auch das Gesicht unseres Dorfes verloren“, wird weiter kommentiert.

Was Silvia Schönfeld in der ganzen Situation vermisse, sei ein Entgegenkommen der Pfarre. Sie habe die Pacht in gleicher Höhe wie der Investor sowie die Sanierung auf eigene Kosten angeboten, um bleiben zu können und das Haus zu erhalten. „Aber darauf wird nicht eingegangen“, bedauert sie.

Der Kirchenvorstand sieht die Situiation jedoch anders und erläutert diese in einer Stellungnahme. „Der schlechte bauliche Zustand des Hauses Hauptstraße 6 ist seit längerer Zeit bekannt und seither steht der Kirchenvorstand in Kontakt mit den Mietern, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen – bisher vergeblich, da diese darauf bestehen, im Haus verbleiben zu wollen“, so der Kirchenvorstand. Bereits im Jahr 2015 habe es eine Begehung des Hauses gegeben, die einen dringenden Bedarf nach Sanierung aufzeigte. „Ein Verbleiben der Mieter im Objekt während der Sanierung kam in Anbetracht der umfangreichen erforderlichen Arbeiten schon damals nicht in Betracht. Hierüber wurden die Mieter informiert und es wurde ihnen empfohlen, sich nach einem anderen Wohnobjekt umzusehen.“ Dies auch vor dem Hintergrund, dass nach erfolgter Sanierung der Mietzins hätte angepasst werden müssen. Auch hierüber wurden die Mieter informiert, so der Kirchenvorstand weiter. „Da die Mieter nach eigenen Angaben überlegten, ein Objekt käuflich zu erwerben, unterbreitete der Kirchenvorstand den Mietern mehrere alternative Angebote zum Kauf eines Wohnhauses in Lank sowie ein Angebot zur Miete eines Wohnhauses in ca. 300 Meter Entfernung. Alle Angebote wurden abgelehnt.“

Doch in dieser Angelegenheit wird man sich nicht einig. „Das angebotene Objekt hat sieben Zimmer, was für uns zu groß ist. Bei den angeblichen Kaufobjekten handelt es sich um ein Haus, das ebenfalls vor drei Jahren abgerissen wurde und das Grundstück liegt seit dem brach. Hier wurde uns lediglich Erbpacht angeboten und der Kauf einer neu zu errichtenden Doppelhaushälfte. Eine Alternative zum Wohnen während einer angeblichen Sanierung wurde uns nicht in Aussicht gestellt, ebenso wenig der Rückzug in das Haus nach einer solchen“, betont Silvia Schönfeld.

Die Lank-Latumerin fühlt sich im Stich gelassen. „Von der Kirche.“ Dadurch, dass ihr Vater jahrelang als Organist in der Kirche gearbeitet habe, sei sie sozusagen mit der Kirche groß geworden. „Deshalb ist es jetzt wahrscheinlich umso verletzender, so behandelt zu werden.“

Auch wenn einige Unterstützer der Schönfelds das Haus als denkmalwürdig sehen, sieht der Kirchenvorstand das anders. „Bei dem in Rede stehenden Haus handelt es sich nicht um ein Denkmal und das Gebäude ist aus Sicht des Kirchenvorstandes auch nicht denkmalwürdig.“