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Anlaufstelle für Wohnungslose u25 in der Lüpertzenderstraße 125

Projekt u25 unterstützt wohnungslose junge Menschen : Wohnungslos und u25? Da gibt‘s Hilfe!

Leben auf der Parkbank, im Zelt oder im Keller von „Freunden“: geschätzte 150 junge Menschen zwischen 15 und 25 sind in Mönchengladbach wohnungs- oder sogar obdachlos. Das Projekt u25 im Reha-Verein hilft. Eine Gruppe Betroffener, die sich den Namen „unglaublich hoffnungsLOS“ gegeben hat, möchte mit einer Luftballonaktion auf das Angebot aufmerksam machen.

Toby* ist zu Hause rausgefolgen, da war er 18. „Ich hab nicht gearbeitet und bin nicht zur Schule gegangen“, sagt er. Vier Monate war er obdachlos, hat erst in einem Gartenhäuschen und dann in einem Zelt gelebt, sich irgendwie durchgeschlagen, bis ihn ein Streetworker vom Projekt u25  des Reha-Vereins hinter dem Hauptbahnhof angesprochen hat. Junge Menschen wie er, die zwischen 15 und 25 Jahre alt sind und entweder nur noch eine Bleibe bei Freunden auf der Couch haben oder mitunter nichtmal das, gibt es geschätzte 150 in Mönchengladbach. Ihre Geschichten klingen oft hoffnungslos. Dass sie das aber gerade nicht sein müssen, dass es Hilfe im „u25“ gibt, das soll sich jetzt durch eine bunte Luftballonaktion noch mehr rumsprechen. Am Donnerstag, 3. Februar, will die Gruppe „unglaublich hoffnungsLOS“, die Betroffene im „u25“ gegründet haben, mit 150 Luftballons an Parkbänken, Schildern, Zäunen und Türklinken in der Innenstadt auf das Angebot aufmerksam machen.

An den Luftballons werden kleine Zettel mit den Geschichten von betroffenen jungen Menschen hängen. Etwa von Diana*, deren Vater „abgehauen“ ist, als sie fünf war und die mit neun in eine Wohngruppe gekommen ist, weil ihre Mutter Suizid begangen hat. Diana traut keinem mehr. Oder Jerome*, 22, der seit zwei Jahren bei einem „Kollegen“ auf dem Sofa schläft. Jerome hat Ärger mit dem Jobcenter und weiß, dass er falsche Freunde hat. Aber er kommt nicht von ihnen los. Der Richter hat ihm vor einiger Zeit die „letzte Ermahnung“ ausgesprochen. Auch so eine Geschichte ist die von Ariana*, 18. Ariana ist schwanger und flog deshalb zu Hause raus. Jetzt lebt sie bei Bekannten. Sie schreibt, sie habe großen Hunger und kein Geld. Weil sie keinen festen Wohnsitz hat, bekommt sie keinen Personalausweis. „Ich habe so viele Ziele – ohne Hilfe erreiche ich die aber nicht“, schreibt sie.

Genau diese Hilfe leistet das Projekt u25. Das gleichnamige Café, Lüpertzenderstraße 125, ist nicht nur Anlaufpunkt und Zuflucht, wo es täglich von 10 bis 15 Uhr kostenlose Mahlzeiten, eine Kleiderkammer, eine Waschmaschine und einen Raum zum Ausruhen gibt, sondern hier steht auch ein junges Team von sieben Helfer*innen bereit, die die jungen Wohnungs- und Obdachlosen unterstützen. Fünf Sozialarbeiter*innen, ein Psychologe und ein sogenannter Ex-Inler, der schon einmal selbst in einer ähnlichen Situation war, helfen dabei, Formulare auszufüllen, Ämter zu kontaktieren, eine Wohnung zu finden, Schulabschlüsse und Ausbildungen auf die Reihe zu kriegen und bei Bedarf auch zu einem Arzt zu gehen. Denn viele der Betroffenen sind psychisch erkrankt, oft aber ohne Diagnose. Psychosen, Borderline-Syndrom, paranoide Schizophrenie ... die Erkrankungen seien vielfältig, sagt Sozialarbeiterin Claudia Lausberg. „Wir gehen alle Schritte mit, bis die Wogen geglättet sind“, so Sozialarbeiter Harald Fischermann, der früher einmal im Marketingbereich gearbeitet hat und die Gruppe „unglaublich hoffnungsLOS“ deshalb fachmännisch unterstützen kann.

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Die Luftballonaktion soll helfen, das Umfeld von Betroffenen – die Oma, den Nachbarn, die Tante, frühere Freunde... – zu sensibilisieren und den Kontakt zum u25 an Menschen weiter zu geben, die ihn brauchen. Und auch die Wohnungs- und Obdachlosen selbst sollen durch die Ballons sehen, dass sie hier Hilfe bekommen können.

Toby* ist inzwischen mit Hilfe des u25 schon einen großen Schritt weiter gekommen: Er hat eine Wohnung, leistet Sozialstunden ab und möchte seinen Schulabschluss nachmachen und Lokführer werden.

*Namen von der Redaktion geändert