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Bewilligung von Einzelbeförderung lässt auf sich warten

Paul Moor-Schule kämpft für Einzelbeförderung von Kindern : Bürokratie statt Förderung

Die rund 130 Schüler der Paul Moor-Schule und ihre Eltern haben es ohnehin nicht leicht. Die Kinder sind geistig, manche schwerst mehrfachbehindert. Kinder wie die elfjährige Matilda können nicht mit dem Schulbus zu ihrer Förderschule fahren, sondern brauchen eine Einzelbeförderung. Doch von der Beantragung bis zur Bewilligung legt die zuständige Behörde Schule und Eltern Steine in den Weg.

„Matilda ist mit einer Hirnfehlbildung auf die Welt gekommen, hat oft mehrmals täglich heftige epileptische Krampfanfälle, nachts im Schlaf, frühmorgens, beim Frühstücken...“, erklärt Matildas Mutter, Isabell Wyes „Danach braucht sie immer noch lange, bis sie sich erholt hat. Das macht es unmöglich, dass sie mit dem Bus zur Schule fährt.“ Da Isabell Wyes und ihr Mann berufstätig sind, gibt es nur eine Lösung: Mathilda muss mit dem Taxi von Erkelenz aus zur Paul Moor-Schule gebracht werden, der nächstgelegenen Schule für geistige Förderung. Die Kosten für eine solche Einzelbeförderung wurde viele Jahre vom Träger der Paul Moor-Schule, der Caritas, übernommen, die dafür wiederum von der Bezirksregierung in Düsseldorf Geld zurückbekam. Dann wurde dieser Hahn aber plötzlich zugedreht und die Bewilligung verkompliziert.

„Es begann 2020 damit, dass sie für 2015 die Kostenübernahme für die Einzelbeförderung von fünf Schülern mit der Begründung ablehnte, dass ärztliche Atteste fehlten“, erzählt Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa. „Davor mussten wir nie ärztliche Befunde vorlegen, soweit die Notwendigkeit der Einzelbeförderung offenkundig und die Kostenübernahme bereits in der Vergangenheit bewilligt worden war.“ Einen Rechtsstreit habe die Caritas verloren, so dass sie auf rund 55 000 Euro an Fahrtkosten für die Jahre 2015 bis 2019 sitzen geblieben sei.

Bis heute ist eine Problemlösung nicht in Aussicht, denn: Schulleitung, Eltern, Caritasverband – keiner weiß, was die zuständigen Sachbearbeiter in Düsseldorf genau brauchen, um die Einzelbeförderung zu bewilligen. „Offenbar haben die einen Handlungsspielraum, der mal so und mal so ausgelegt werden kann. Es gibt keine klare Linie“, erklärt Polixa. In einem Jahr genüge ein schulärztliches Gutachten, im nächsten müssten zig Unterlagen eingereicht werden.

Isabell Wyes kann ein Lied davon singen. Am 30. März habe sie den Antrag gestellt. „Die Sachbearbeiterin kam immer mit etwas Neuem, das angeblich noch fehlte“, sagt sie und zählt auf, was sie nach und nach alles eingereicht habe: ärztliches Attest, mehrmals ihre Arbeitszeiten und die ihres Mannes, Mietkosten, Nebenkosten...“ Erst nachdem sie noch einmal ein langes, „auch ein bisschen böses“ Schreiben aufgesetzt habe, sei die Einzelbeförderung letzte Woche – nach fünf Monaten Bearbeitungszeit – bewilligt worden. Für dieses Jahr, wohlgemerkt. „Nächstes Jahr fangen wir wieder von vorne an!“

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Auch wiederholte Bemühungen von Schulleiterin Marion Middendorp sind ins Leere gelaufen. „Ich habe das direkte Gespräch gesucht, um einen Termin gebeten, war mit einem Ordner vor Ort, musste ihn dann aber trotz der sensiblen Daten beim Pförtner abgegeben“, erzählt sie und betont, das es ihr doch nur darum gehe, eine Lösung zu finden, von der alle Seiten profitierten. Der Bewilligungsrahmen müsse endlich klar definiert werden.

Für Caritas-Bereichsleiterin Hildegard van de Braak ist die Situation ein Skandal: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass Eltern, die sowieso schon so belastet sind, noch so viel Bürokratie aufgelastet wird.“