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Die Niers wird zwischen Römerstraße und Zoppenbroich renaturiert

Niers-Renaturierung : Mit Fisch und Frosch ins neue Bett

Leises Plätschern statt gerades Fließen, Lebensraum statt Nutzbarmachung: Zwischen Römerstraße und Zoppenbroich in Mönchengladbach wird die Niers renaturiert. Mit einem symbolischen Spatenstich – ohne Spaten, dafür mit Baggerschaufel – starteten gestern die Arbeiten zum neuen Flussbett.

. Schweres Gerät vom Niersverband steht am Baustelleneingang. Ein Damm, mit Eisenplatten belegt, zieht sich in die aufgewühlte Landschaft. Man braucht ein bisschen Phantasie, um sich das neue Stück idyllisches Naherholungsgebiet vorzustellen, das hier entsteht. Ein altmodisches Wort ist wieder in aller Munde: mäandern. Genau das soll die Niers im Bresgespark zwischen Römerstraße und Zoppenbroich wieder tun. Sich leise plätschernd durch die Landschaft schlängeln, statt diese schnurgerade zu durchschneiden. Umweltsünden der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sollen wieder gut gemacht werden. Wo vor 100 Jahren nur der Nutzen zählte, weiß man es heute besser und verbindet diesen geschickt mit Naturschutz. „Eine Win-Win-Situation“, sagt Sabine Brinkmann, neue Vorständin des Niersverbandes, der den Umbau komplett mit eigenen Leute durchzieht. Mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen soll hier auf über 40 Hektar geschickt mit Überflutungsflächen kombiniert werden, die das Regenwasser aus versiegelten Flächen in Wohngebieten aufnehmen. Aus 1,1 Kilometern schnurgerader Niers, sollen 3,7 Kilometer schlängelnde Niers mit Auenlandschaft werden. „Gelebter Klimaschutz“, so Oberbürgermeister Felix Heinrichs.

Die schnelle Fortleitung des – ungereinigten – Abwassers war einst der Grund, der Niers ihren natürlichen Bachlauf zu nehmen und sie zu einer Wasserstraße zu machen. Das erkaufte man mit einem fast vollständigen Verlust an natürlichen Lebensräumen für charakteristische Tier- und Pflanzenarten im Gewässer und der Aue. Von vielen Tieren und Pflanzen hofft man, dass sie den Weg zurück finden, bis auf die Großmuscheln, die einzeln eingesammelt und ins neue Niersbett versetzt werden müssen.

Nach den vorbereitenden Maßnahmen, wie Baumfällungen, archäologische Untersuchungen, Erkundung und Bombenentschärfung, ist jetzt der Startschuss für die eigentlichen Erdarbeiten zur Gestaltung des neuen Niersbettes gefallen. Wehre müssen zurück- und Gefälle abgebaut, die alte Niers abgekoppelt und verfüllt werden. Das Wasserbau-Fachwissen dazu, kommt alles aus dem eigenen Hause des Niersverbandes. Und auch das ist nicht so einfach, wie es scheint: Tonnenweise Erdaushub muss irgendwo hin. Bodenentsorgung nennt man das und das wird den Niersveband einiges kosten. „Man kann den Aushub nicht einfach irgendwo hin schütten“, sagt Projektleiter Dr. Wilfried Manheller. Vor der Weitervewendung müsse die Bodenqualität untersucht und manches vielleicht auch entsorgt werden.

Neben der guten Zusammenarbeit mit Ämtern und Politik, ist dem Niersverband wichtig, dass die Bürger hinter dem Projekt stehen. „Das A und O ist die Akzeptanz“, so Manheller. Nach dem Aufstellen von Infotafeln waren denn auch bald Flyer in die umliegenden Haushalte gelangt und Briefkästen aufgestellt worden, für Kritik und Anregungen.

8,5 Millionen Euro kostet der Niersumbau. Viel Geld, „aber nur ein Bruchteil von dem, was ein neues dringend notwendiges Regenrückhaltebecken gekostet hätte“, sagt Umweltdezernent Dr. Gregor Bonin.