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Dr. Günter Krings ist seit 20 Jahren für die CDU im Bundestag​

Dr. Günter Krings ist seit 20 Jahren für die CDU im Bundestag : Ich mag diese Arbeit – auch dann, wenn sie unglamourös ist

20 Jahre im Bundestag – das ist mal ein „Pfund“. Dr. Günter Krings, NRW-Landesgruppenvorsitzender seiner Partei, Jurist, CDU-Mann und Herrather mit Hingabe, ist seit zwei Jahrzehnten Abgeordneter. Wir haben ihn zu Hause besucht.

Der Mann mag Bücher. Wo man hinsieht, Geschriebenes bis zur Decke. Ein Rest Weihnachtsdeko steht noch. Modernes und Antikes ergänzen sich. Der Gartenblick geht unter alten Bäumen auf weiten Acker. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings hat zum 20. Dienstjubiläum zu Plausch mit Kaffee und Keksen in sein Haus geladen, denn zufällig ist er gerade mal nicht in Berlin.

Extra-Tipp: Wie sind Sie in die Politik gekommen?

Dr. Günter Krings: Mein Vater war in der Kommunalpolitik, erst in Wickrath und dann in Mönchengladbach. Über ihn habe ich dann Leute aus der Jungen Union kennen gelernt. Und die haben mich dann zum Mitmachen ermuntert. Mein Vater hat mir aber eher von der Politik als Hobby abgeraten.

Sie haben sich aber nicht abhalten lassen.

Nein. Schon in der Schule fand ich Politik sehr spannend und wollte mich für die Belange meiner Heimat einsetzen. Deshalb bin ich mit 14 der Jungen Union beigetreten. Für mich war aber sehr lange klar: Das ist eine tolle Freizeitbeschäftigung, aber ich will das nicht beruflich machen.

Aber dann kam es anders...

Interessanterweise bin ich in der Jungen Union überregional bekannter geworden durch mein Engagement gegen den Braunkohletagebau Garzweiler II. Da denke ich dieser Tage oft dran zurück. Der zentrale Punkt dabei war für mich neben Klimaschutz der Schutz unserer Heimat. Ich habe nie verstanden, warum die CDU außerhalb der Region das nicht als Heimat-Thema gesehen hat. Wenn man eine konservative Partei sein will, kann man nicht hinnehmen, dass Bauern, die seit Generationen ihren Hof bewirtschaften, einfach weggeschoben werden.

Was hat sie dann in die Berufspolitik gebracht?

Als wir 1998 die Bundestagswahl verloren hatten, kamen danach die ersten auf mich zu, ob ich nicht kandidieren wolle. Da habe ich erst ernsthaft darüber nachgedacht, das Hobby zum Beruf zu machen. 2002 habe ich dann sehr knapp den verlorenen Wahlkreis Mönchengladbach zurückgewonnen.

Würden Sie junge Menschen ermutigen, auch den Schritt zu machen?

Klar! Ich würde nur davon abraten, sich zu früh darauf festzulegen. Meine Einstellung war, ich engagiere mich – und dann mal schauen. Ich habe ja auch nicht Jura studiert, weil mir nichts anderes eingefallen ist, sondern weil ich das interessant fand.

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Und jetzt pendeln Sie immer mit dem Zug hin und her?

Meistens mit dem Zug. Manchmal mit dem Flieger, wenn ich freitagsabends noch einen wichtigen Termin in Mönchengladbach habe. Grundsätzlich bin ich eigentlich am Wochenende immer hier.

Ist Berlin für Sie Heimat geworden?

Nein. Das ist mein Arbeitsplatz. Ich mag Berlin, aber ich bin kein Fan. Heimat ist Mönchengladbach.

Wo wohnen Sie in Berlin?

In Mitte, immer in derselben kleinen Wohnung. Ich bin kein Freund von Umzügen.

Gehen Sie morgens schon um 6 Uhr ins Büro, oder wie arbeiten Sie?

Nein. Das kommt zwar vor, aber meistens hänge ich abends Zeit dran. Ich lese gerne auch Bücher zu politischen Themen. Mein Anspruch ist, zu einem Thema nicht nur einen Aktenvermerk zu lesen, sondern etwas tiefer einzusteigen. Ich will nachhaltig entscheiden. Mein erster politischer Job in Berlin war der Vorsitz der Jungen Gruppe. Da war das Thema demografischer Wandel, langfristige Folgen von Renten- und Finanzpolitik. In der Föderalismuskommission hab ich mich dann für die Schuldenbremse eingesetzt und später den Nachhaltigkeitsbeirat im Bundestag geleitet. Neben Rechts- und Innenpolitik ist das von Anfang an mein Steckenpferd: Die langfristigen Folgen von Politik.

Wieviel Gladbach haben Sie bei Ihrer Arbeit im Kopf?

Schon sehr viel. Aber es gibt natürlich auch Themen, die ganz Deutschland ohne Unterschiede betreffen. Das gilt etwa für die Rechtspolitik. Ich hab schon die verschiedensten Ämter in der Regierung und Opposition gehabt, aber die Konstante ist für mich immer der Einsatz für den Wahlkreis. Es ist mir auch wichtig, da präsent zu sein, ein Büro zu haben, wo wir Fragen beantworten und helfen, konkrete Probleme zu lösen.

Zurück zu den 20 Jahren. Gibt es etwas, was sich im Bundestag massiv geändert hat in den 20 Jahren?

Die Arbeitsweise ist natürlich durch Social Media anders geworden. Das fing schon so in meiner zweiten Wahlperiode an. Und hier muss man natürlich aufpassen, dass die Kommunikation dadurch nicht zu oberflächlich wird.

Wieviel Diplomatie braucht man oder eher Durchsetzungsvermögen?

Man braucht beides. Wenn man nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen, kann man nicht gestalten – zumindest nicht in einer Demokratie, wo es selten absolute Mehrheiten gibt. Und selbst wenn es eine gäbe, müsste man ja noch in der eigenen Gruppe verhandeln. Da kommt mir meine juristische Ausbildung und meine Grundhaltung zustatten. Ich versuche gerne Wege zu finden, die alle gehen können.

Wo geht es noch hin für Sie. Haben Sie noch ein Ziel, Bundeskanzler zum Beispiel?

Bundeskanzler würde ich eher nicht sagen, aber ich bin immer gut damit gefahren, mich voll und ganz auf die Sache zu konzentrieren, die ich gerade mache. Ich bin jetzt rechtspolitischer Sprecher, sozusagen der Gegenspieler des Justizministers. Und ich war davor Staatssekretär im Innenministerium - beides Themen, die mir liegen. Und ich arbeite natürlich darauf hin, dass wir auch wieder in Regierungsverantwortung kommen. Nicht wegen irgendwelcher Posten, sondern weil wir für unser Land etwas erreichen wollen. Und ich kann mir natürlich vorstellen, noch andere Positionen im Bundestag oder ein interessantes Amt in einer neuen Regierung zu übernehmen.

Also Justizminister wäre schon denkbar?

Denkbar schon...

...Innenminister auch?

Eines anspruchsvoller als das andere. Auf bestimmte Rollen wie Minister oder Staatssekretär bin ich da aber nicht fixiert. Ämterbesetzungen liegen in der Politik ja oft nicht nur an der eigenen Leistung, sondern auch mal an Proporzfragen.

Waren Sie damals nervös vor Ihrer ersten Rede?

Ja, und ich habe bis heute Respekt, selbst, wenn nicht bei jeder Rede der Bundestag voll ist. Aber da vorne zu stehen ist etwas ganz besonderes. Das ist das demokratische Zentrum der Republik.

Ist das dann ein Highlight?

Ja schon, aber es sind gar nicht mal die großen Ereignisse, sondern die normale Arbeit, die unglamouröse, die mir gefällt. Thomas de Maizière hat mal gesagt, ich sei der Mann fürs „Schwarzbrot“, der auch schon mal die trockeneren Themen behandelt. Als Beispiel hat er das Wahlrecht genannt. Ich glaube, es war als Lob gemeint...

Was macht der private Herr Krings, wenn er Urlaub hat?

Ich war jetzt ein paar Tage im Allgäu, hab da Freunde besucht. Wenn mehr Schnee liegt, fahr ich auch gern Ski. Hier bei uns bin ich viel mit dem Rad unterwegs, gehe auch viel spazieren und fahre im Sommer schon mal an die Nordsee. Ich bin nicht so ein Typ für Fernreisen.