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Entscheidung um Ächtung des N*Wortes war nicht einstimmig

Rassismus in der Sprache : Diskussion um eine Beleidigung

Die verbale Entgleisung des Rad-Sportdirektors Patrick Moster bei Olympia diese Woche hat die Diskussion um Rassismus in der Sprache erneut angefacht. In Mönchengladbach ist das N*Wort für Menschen mit dunkler Hautfarbe seit der letzten Ratssitzung geächtet. Das ist eine gute Nachricht für die Community der People of Color. Dass die Entscheidung nicht einhellig gefallen ist, empört die Mönchengladbacherin Tegest Tedros von der Initiative #NWORTSTOPPEN auch fünf Wochen nach dem Ratsentscheid noch.

. Wir leben in einer diversen Gesellschaft, in der nicht alle gleich aussehen und es verschiedene Hautfarben gibt, das sollte eigentlich im 21. Jahrhundert in alle Köpfe vorgedrungen sein. Dass dem nicht so ist, erlebt die Mönchengladbacherin Tegest Tedros schmerzlich immer wieder. „Die Gesellschaft hat es oftmals geschafft, dass ich mich als Deutsche in meinem eigenen Land fremd gefühlt habe“, sagt die Mittdreißigerin, Alltagsrassismus sei ein ständiger Begleiter. Wegen der N*Wort-Beleidigung habe es in ihrer Kindheit auch schonmal Tränen gegeben. Tegest Tedros gehört als einzige Mönchengladbacherin zur Initiative #NWORTSTOPPEN, die am 18. Januar von Schwarzen in Köln gegründet wurde.

Der Integrationsrat hatte auf der Ratssitzung am 30. Juni, inspiriert durch die Initiative, eine Diskussion angeschoben, als fünfte Stadt in Deutschland, nach Köln, Kassel, Bocholt und Heidelberg, das N*Wort auch in Mönchengladbach zu ächten. Für SPD, FDP, Grüne und Linke sei das auch kein Problem gewesen, sagt Tedros, die sich die Ratssitzung über Rats-TV angesehen hat, die CDU dagegen habe eine beschämende Diskussion um die Person Nasser Zeaiter angezettelt, der als Vorsitzender des Integrationsrates, in Anlehnung an den Original-Antrag vom Integrationsrat in Köln, einen entsprechenden Antrag eingereicht hatte. Nur, was hat diese Personalie mit dem Thema N*Wort zu tun?

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Dem Ergänzungsantrag der CDU, in dem es hieß „Der Rat der Stadt Mönchengladbach möchte allen Migrantinnen und Migranten in unserer Stadt in gleicher Weise gerecht werden und sieht dabei das Verbot bzw. die Ächtung einzelner Begriffe nicht als zielführendes Mittel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt an“, konnten SPD, FDP, Grüne und Linke nicht folgen. Fast eine Stunde lang wurde verbal um ein Wort gerungen, das die große Mehrheit der Mitbürger mit dunkler Hautfarbe als schlimme Beleidigung empfindet. Mehr als die Hälfte des Rates stimmte am Ende für die Ächtung des N*Wortes. Auch Mönchengladbach hat also nun einer rassistischen Demütigung den Kampf angesagt.

#NWORTSTOPPEN möchte, dass die Bevölkerung so weit sensibilisiert wird, dass das N*Wort bundesweit unaussprechlich und als rassistisch anerkannt wird. Die Initiative will mit ihrer Arbeit Haltung zeigen, sich einsetzen für die People of Color (PoC), die tagtäglich rassistischen Angriffen und Beleidigungen ausgesetzt sind.

(Anm.: Mit N*Wort wird der rassistische Begriff „Neger“ umschrieben)