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Fräulein Kurvig Kalender setzt Zeichen in Plus Size und Diversity

Fräulein Kurvig Kalender setzt Zeichen in Sachen Plus Size und Diversität : Gladbacher Kurven für den Kalender

Ein tolles Projekt für Diversität und Toleranz in Sachen Plus Size und Körpervielfalt geht in die zweite Runde. Nach viel positiver Resonanz auf den Fräulein Kurvig Kalender, der im ersten Corona-Jahr als Alternative zu einem Contest geshootet wurde, wird gerade ein neuer für 2022 produziert. Das Motto lautet: Agent 00Kurvig. Unter den Models, die aus ganz Deutschland kommen, sind drei aus Mönchengladbach. Daniel Dahm von der Titelseite ist einer der Herren, die aber, so Veranstalterin Melanie Hauptmanns, „mehr so schmückendes Beiwerk“ sind. Im Kalender stehen starke Frauen im Vordergund – solche wie Svenja Maria Floß und Susanne Teltscher.

Melanie Hauptmanns, Fräulein-Kurvig-Initiatorin und Preisträgerin des Impact of Diversity Awards 2021 redet Tacheles: „Eine ganze Industrie lebt davon, uns einzureden, dass wir nicht gut genug sind. In der Coronazeit haben viele Menschen zugenommen. Deshalb ist es mir wichtig, unterschiedliche Menschen als Vorbilder in unserem Kalender zu zeigen. Dies soll Mut machen und zeigen: Du bist ein wertvoller Mensch und gut so wie du bist.“ Mehr als 2 800 Bewerbungen sind diesmal für das „kurvige Kalender-Projekt“ eingegangen. 50 Bewerber*innen wurden zum Casting eingeladen, 12 Kandidat*innen schließlich von einer Jury als Kalender-Models ausgesucht.

Eine von Ihnen ist die 22-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin Svenja Maria Floß aus Mönchengladbach. Sie hat von ihrer Mutter vom Fräulein Kurvig Kalender-Shooting erfahren, war erst skeptisch, wurde aber von ihrer Familie und Freunden darin bestärkt, sich zu bewerben. „Dann habe ich es einfach mal ausprobiert!“, sagt sie. Das Casting – ihr erstes – war aufregend, erzählt sie. „Ich hatte ja keine Erfahrung, hab mich aber, unterstützt von meinem privaten Umfeld, super darauf vorbereiten können.“

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Am Tag nach dem Casting dann schon die freudige Überraschung: „Ich hatte nach dem Casting Nachtdienst und wurde mit dem tollen Anruf von Melanie am nächsten Tag geweckt.“

Spannend war es auch für Susanne Teltscher. Auch sie kommt aus Mönchengladbach, ist 42 Jahre alt und Büromanagerin von Beruf. Fräulein Kurvig folgt sie schon seit bestimmt sechs Jahren in den sozialen Medien, sagt sie, habe aber eine Bewerbung nicht in Betracht gezogen, bis einige ihrer „Mädels aus der Lipödem Community“ sie darunter markiert hätten. „Das hat mir den nötigen Schubs verpasst.“ Dann die Vorbereitungen für das Casting, die Überlegungen: „Was will ich da von mir zeigen? Was ziehe ich an?“ Vor der Jury habe sie ihre Geschichte erzählt: von der Diagnose Lipödem, und dass sie gelernt habe, „dass das ja nicht alles ist, was mich ausmacht.“

Schließlich dann auch bei ihr der Überraschungsmoment, als am Montag nach dem Casting der Anruf kam. „Ich war gerade bei meiner Physiotherapeutin, habe noch von der Behandlungsliege aus meinen Mann angerufen und ein Freuden-Foto gepostet.“

Das Kalender-Shooting beschreiben beide Frauen als „super organisiert“, vom aufwendigen Styling, über das tolle Gefühl, „etwas ganz besonderes tragen zu dürfen“, wie Svenja Floß sagt, bis hin zum nachhaltigen Gefühl. So erklärt Susanne Teltscher „Es hat meinem Selbstwertgefühl einfach nur gut getan“, und Svenja Floß verrät, dass man sie in die Kartei der Curvy-Model-Agentur aufgenommen habe. „Ich habe definitiv Lust auf mehr bekommen und bin gespannt, was die nächste Zeit für mich bereithält.“

Das vielleicht Wichtigste am Fräulein Kurvig Projekt aber dürfte die Message an alle sein, die sich nicht so perfekt fühlen wie es Werbung und soziale Medien einem suggerieren: „Jeder, der mit seiner Stimme laut für Akzeptanz und Vielfältigkeit wirbt, sorgt dafür, dass weniger Menschen unter ihrem Selbst leiden“, ist sich Svenja Floß sicher.