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In Mönchengladbach gibt es eine neue Wildvogelauffangstation

Neue Wildvogelauffangstation : Flügellahm oder Füßchen kaputt?

Schleiereulen mit gebrochenen Flügeln, Fasane mit Kopfverletzungen, Käuzchen mit kaputtem Fuß: Daniela Boden nimmt sie in Obhut und pflegt sie gesund. Die ehemalige Paralympicsreiterin hat ihr Faible für geflügelte Waldbewohner entdeckt und betreibt jetzt eine Auffangstation.

. Das kleine Käuzchen kneift die Augen fest zu und kuschelt sich in seine Decke im Arm von Daniela Boden. Es hat den Fuß verletzt und niemand weiß, ob er eines Tages wieder so beweglich sein wird, dass der kleine Raubvogel damit Beute greifen kann. „Der Waldkauz hatte sich hoffnungslos in dem Netz über einem Gartenteich verheddert“, sagt Daniela Boden.

Die Mönchengladbacherin betreibt seit ein paar Monaten eine Auffangstation für Wildvögel. Ihre gefiederten Schützlinge kommen vor allem über Tierarztpraxen aus Mönchengladbach, Willich und dem Kreis Viersen zu ihr. Meistens sind sie der „Menschenwelt“ zu nah gekommen, hatten Unfälle mit Autos, Hochspannungsleitungen, Zäunen oder Glasscheiben. Bussard, Sperber, Habicht, Falke und Co. päppelt sie dann so auf, dass sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. „Ein ergreifender Moment, da bekommt man schon feuchte Augen“, sagt sie. Wenn die geflügelten Patienten nicht wieder so fit werden, dass sie in der Natur alleine klar kommen, dann muss Daniela Boden für sie ein neues Zuhause finden, zum Beispiel in einem Wildpark oder Zoo.

„So ein Hobby kostet extrem viel Zeit“, sagt die Hausfrau und Mutter, die auch noch eine Familie zu versorgen hat. Da wird viel Zeit beim Tierarzt verbracht, es müssen Verbände gewechselt werden, mit viel Geduld wird den gefiederten Jägern beigebracht, dass sie bereits tote Beutetiere aus dem Futterhandel fressen sollen. „Eintagsküken und Mäuse gibt es tiefgekühlt“, sagt Daniela Boden. Es müssen Medikamente – versteckt in Futtertieren – verabreicht werden und beobachtet, ob sie auch wirken. Und schließlich sollen genesene Tiere in der Voliere wieder vergesellschaftet werden, bevor es für sie zurück in die Natur geht. „Bei all’ dem kriegt man auch schonmal Blessuren ab“, sagt Daniela Boden, schließlich seien das Wildtiere. Neben den Falknerhandschuhen gehört deshalb die Lederhose für sie inzwischen zur Standardausrüstung.

Die Idee zur Auffangstation hatte Tochter Therese. Aber da man mit 13 nicht die notwendige Ausbildung machen kann, kam Daniela Boden, deren tierisches Faible als Dressurreiterin eigentlich mehr bei den Pferden lag, auf die Wildvögel. Sie machte Jagd- und Falknerschein, beides Voraussetzung für eine Wildvogelauffangstation, und arbeitet eng mit dem Verein Wildvogelrettung und den Mönchengladbacher Behörden zusammen.

Und darauf ist die Mönchengladbacherin besonders stolz: „Als Behinderte bin ich bei den Falknern eine große Ausnahme“. Daniela Boden hat von Geburt an verkürzte Arme und verkümmerte Hände. Das hat sie aber nicht davon abgehalten, gegen Nichtbehinderte in hochrangigen Dressurturnieren und bei den Paralympics 1996 in Atlanta zu starten, ihren FN-Trainerschein und eben jetzt den Falkner- und den Jagdschein zu machen. „Wir nehmen den Tieren so viel Raum – das ist meine Art, etwas zurück zu geben“, sagt sie.