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Interview mit Samira Hlaouit von der Fachstelle Frühe Hilfen

Interview mit Samira Hlaouit von der Fachstelle Frühe Hilfen : Alleinerziehend? Da geht was!

Wir nennen sie einfach mal Michelle. Michelle ist 34 Jahre alt, gelernte Bürokauffrau und seit Monaten erfolglos auf Wohnungssuche. Sie hat ein Problem, das sie mit vielen jungen Frauen teilt: alleinerziehend mit drei Kindern. Zu viert wohnen sie seit drei Jahren auf 46 Quadratmetern. Wir haben Samira Hlaouit, Sachgebietsleiterin der Fachstelle Frühe Hilfen beim Jugendamt, gefragt, wer hilft.

Extra-Tipp: Frau Hlaouit, woran erinnert Sie unsere frei erfundene Geschichte?

Samira Hlaouit: An mich selber. Ich hatte vor zwölf Jahren als Alleinerziehende mit drei Kindern ein ähnliches Problem. Es hat Ewigkeiten gedauert, bis ich für mich und meine Kinder ein Haus zur Miete gefunden habe, und das obwohl ich als Beamtin wirtschaftlich abgesichert bin.

Warum bekommen Alleinerziehende so schlecht eine Wohnung?

Der wirtschaftliche Aspekt spielt da extrem mit rein. Aber das gilt natürlich nicht für alle alleinerziehenden Mütter und Väter. Für mich ja auch nicht. Es gibt das extreme Vorurteil, dass vielleicht das Haus nicht gepflegt wird, weil die Mutter oder der Vater allein mit den Kindern überfordert ist. Die Angst vor Lärm spielt auch eine Rolle. In einer Siedlung mit Kindern dürfte das aber eigentlich keine Rolle spielen. Die Gründe werden einem ja nicht mitgeteilt, da kann ich nur spekulieren. Mitunter ist es jedenfalls leichter, mit Haustieren eine Wohnung zu finden.

Alleinerziehende können beim Jugendamt Hilfe bekommen.

Ja, dafür gibt es viele Angebote unter anderem die Fachstelle Frühe Hilfen beim Jugendamt.

Was genau macht die?

Oft gibt es ja vorrangig finanzielle Probleme, die erstmal aus der Welt geschafft werden müssen. Zum Beispiel wenn der Partner oder ehemalige Partner keinen Unterhalt zahlt. Da können wir zum Beispiel beim Antrag auf Unterhaltsvorschuss helfen. Wir helfen auch bei anderen Antragstellungen. Wenn es gewünscht ist, begleiten wir auch schon mal zu anderen Angeboten oder Ämtern. Oder ein anderes Problem bei Alleinerziehenden: Oft fällt ja die Freizeitgestaltung komplett weg, wenn es keine Oma oder einen Opa gibt, die einspringen können. Hier können wir Hilfen vermitteln. Es gibt zum Beispiel im Bereich Frühe Hilfen Familienpatenschaften über den Sozialdienst katholischer Frauen. Das sind Ehrenamtler*innen, die mit den Kindern spielen, ihnen vorlesen, sie auch mal zu Bett bringen und ein paar Stunden aufpassen, während die Alleinerziehenden mal ins Kino gehen oder sich mit Freunden treffen können. Es gibt einiges an Angeboten für Alleinerziehende, wie das Jobcafé der Agentur für Arbeit oder den Alleinerziehendentreff der AWO. Aber nicht für alle ist das was.

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Warum nicht?

Manche mögen spezielle Angebote nur für Alleinerziehende nicht. Wir haben über das Netzwerk Frühe Hilfen dazu eine Befragung bei Alleinerziehenden durchgeführt. Viele Alleinerziehende wollen diesen Stempel „alleinerziehend“ nicht. Sie möchten Angebote für alle wahrnehmen können.

Helfen Sie auch bei der Wohnungssuche?

Ja, aber wir sind keine Wohnungsvermittler, sondern bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Das gilt auch für Hilfe bei der Jobsuche. Wir helfen, Bewerbungen zu schreiben, wir geben Tipps fürs Bewerbungsgespräch. Die Jobsuche ist ja auch so eine Hürde für Alleinerziehende. Oft wird ihnen unterstellt, sie seien nicht flexibel, würden weniger leisten und öfter fehlen als andere.

Was sagen Sie als Fachfrau: Ist es angesagt, Kinder mit zum Bewerbungsgespräch zu nehmen?

Das kommt auf den Arbeitgeber an. Das sollte man sich sehr genau überlegen. Bei der Bewerbung in einer Kita ist es sicher was anderes als in einem Ingenieurbüro...

Was raten Sie Alleinerziehenden ganz allgemein?

Sie sollten vermeiden, alles alleine schaffen zu wollen. Sie sollten sich helfen lassen. Überlastung führt nicht selten zu psychischen oder anderen Erkrankungen.

Vielen Dank!

Das Gespräch führte
Ulrike Mooz