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Jochen Klenner, MdL, hatte gestern wieder zum Austausch geladen.

Austausch zur Situation der Kultur : „Ein Lebensmittel, das man braucht“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner hatte gestern Abend wieder zum Dialog über Pandemiethemen per Videochat geladen. Diesmal unter der Überschrift „Austausch Kulturszene MG“. Dazu hatte er Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, mit ins Boot geholt.

Vom TIG und Stadttheater, über die Stadtbibliothek, bis zum SparkassenPark, Abteibergmuseum, BIS und Museum Schloss Rheydt, Verein Corinna, Kulturausschuss, Atelierhaus, Galerien, einzelnen Künstler*innen und der Musikschule hatte sich fast alles dazu geschaltet, was in Mönchengladbach in Sachen Kultur Rang und Namen hat. „Vielen Menschen ist erst in der Pandemie deutlich geworden, was ihnen fehlt, wenn die Kultur nicht da ist“, so NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Sie erklärte Fördertöpfe für Kultureinrichtungen und hörte sich an, mit welchen Problemen Künstler*innen und kulturelle Einrichtungen in der Pandemie in Mönchengladbach zu kämpfen haben und was digital und unter freiem Himmel doch noch möglich war und ist.

 „Wir waren nicht im Winterschlaf, waren nie in Kurzarbeit, wir haben ständig geprobt und unseren Auftrag erfüllt“, sagt Frank Baumann, stellvertretender Intendant und Geschäftsführer des Gemeinschaftstheaters. Ballettensembles könne man nicht einfach mal ein halbes Jahr aufs Sofa setzen. Durch die ausgefallenen Vorstellungen sei eine finanzielle Lücke entstanden, die man aber weitgehend mit Fördergeldern hätte füllen können. Geld sei im Moment also weniger das Problem. Vielmehr mache man sich am Theater Sorgen um die Abonnenten. „Wenn wir jetzt wieder anfangen wollen, sind viele nicht mehr da“. Marketingaktionen seien notwendig, für man weitere Förderungen brauche. Kultur dürfe nicht unter „ferner liefen“ laufen, sie sei ein Lebensmittel, das man brauche. „Wir würden gerne am Samstag wieder öffnen, mit dem Kartenverkauf am Donnerstag starten“, so Baumann. Ob das klappt, war gestern noch unklar.

 Michael Hilgers, Vorsitzender des Vereins Corinna und Betreiber des SparkassenParks, machte sich dafür stark, Ausfallbürgschaften für kommende große und kleine Veranstaltungen gerechter zu verteilen und besser für alle Veranstalter erreichbar zu machen. Die Ministerin versprach, die Anregung mit in die Abschlussverhandlungen zu dem Thema mitzunehmen.

 Annette Bauerfeind-Gormanns, stellvertretende Leiterin der Musikschule machte auf beginnende Schwierigkeiten für Orchester aufmerksam, deren junge Musiker sich jetzt seit einem Jahr nicht gesehen hätten. „Wir brauchen größere Räume für Proben, es dürfen in unseren Innenräumen nur fünf Kinder gleichzeitig spielen, das belastet uns sehr“.

 Eine kulturinteressierte Bürgerin meldete sich zu Wort und forderte nach über einem Jahr Erfahrung mit der Pandemie ein differenzierteres Vorgehen beim Öffnen und Schließen von Spielstätten. Zudem seien manche Regeln unlogisch, wie etwa die Erlaubnis von Live-Musik in Gottesdiensten in Kirchen, nicht aber von Konzerten unter exakt denselben Bedingungen am selben Ort.

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 Die Ministerin zeigte Verständnis, wies aber auch darauf hin, dass die Coronaschutzverordnung schon ellenlang sein. „Trotzdem wird es immer Ungerechtigkeiten geben“,  so Pfeiffer-Poensgen, in dem Fall sei die Religionsausübung als höheres Gut eingestuft worden. Sie betonte ausdrücklich, dass nicht den Hygienemaßnahmen an den Spielorten misstraut werde, sondern man habe die Wege von zu Hause dorthin vermeiden wollen, deshalb die Schließungen.

 Doch in vielen Fälle haben Kulturschaffende die Not zur Tugend gemacht. Digitale Angebote und neue Wege, wie etwa die Gesprächsrunde mit Abstand, statt der Führung im Museum Abteiberg, und die Entdeckung des Skulpturengartens als Veranstaltungsort, die Museen als Klassenzimmer und das Theaterangebot per YouTube sind nur einige Beispiele.