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Kinderarzt Ralph Köllges rät, mit Kinderimpfungen noch zu warten

Videokonferenz zum Thema Kinder impfen : „Keine saubere Datenlage“

„Impfangebot für Kinder – Fragen und Antworten“ hieß es gestern abend in der turnusmäßigen Videokonferenz zu Coronathemen, zu der der Landtagsabgeordnete Jochen Klenner wieder eingeladen hatte. Der Mönchengladbacher Impfexperte und Kinder- und Jugendmediziner Ralph Köllges beantwortete Fragen zum Thema.

„Nicht alles, was wir können, müssen wir direkt machen“, war ein Satz, den der Mönchengladbacher Kinder- und Jugendmediziner Ralph Köllges bei der turnusmäßigen Videokonferenz des Landtagsabgeordneten Jochen Klenner, dieses Mal zum Thema Corona-Impfung für Kinder, gestern abend oft wiederholte. Ja, das Impfen gegen Covid 19 sei jetzt für Kinder und Jugendliche ab zwölf freigegeben, und damit hätten Eltern natürlich auch ein Recht, darauf zu bestehen. Da aber Kinder, im Gegensatz zur Influenca, bei Covid nicht das „Feuer der Infektion“ seien und zudem extrem selten von schweren Verläufen betroffen, plädierte er dafür, doch von einem Sturm auf die Kinderarztpraxen abzusehen und abzuwarten, bis mehr Fakten vorlägen.

Ein Kind sei bislang in Mönchengladbach an Covid gestorben, ein Kind das bereits in der Palliativtherapie gewesen, also schon vorher schwer erkrankt gewesen sei. Chronisch kranke Kinder zu impfen, wie etwa solche mit einem schweren Herzfehler oder einer Immunschwäche, könne sinnvoll sein, so der Kinderarzt. „Kroatien und Sylt“ sei aber keine chronische Erkrankung, fügte er ironisch hinzu. Man könne verstehen, dass Eltern motiviert seien, den Familienurlaub zu sichern, aber zur Zeit läge einfach zu wenig Datenmaterial über den Impfstoff im Bezug auf Kinder und Jugendliche vor. Bundesgesundheitsminster Jens Spahn habe mit seiner Impffreigabe ab zwölf voreilig den Wissenschaftlern der Ständigen Impfkommission (STIKO) vorgegriffen, die wegen der ungenügenden Datenlage bislang keinen Impfstoff freigegeben habe. „Es ist fahrlässig, Kinder wegen eines Urlaubswunsches zu impfen, ohne dass wir eine saubere Datenlage haben“, kritisierte Kinder- und Jugendarzt Köllges. Manchmal würden plötzlich Nebenwirkungen bekannt, die vorher nicht dagewesen seien, wie etwa jetzt die Gefahr einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) bei BioNTech. Solche Erkenntnisse müssten abgewartet werden.

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Natürlich gebe es auch ein Recht auf eine Impfung und wer nach Abwägung aller Risiken sein Kind trotzdem impfen lassen wolle, der könne das natürlich tun. Er solle sich die Datenlage aber bewusst machen.

Und der Landtagsabgeordnete und Einlader Jochen Klenner, selber Vater von zwei Kindern, fügte noch plakativ hinzu: „Man ist kein schlechter Vater oder eine schlechte Mutter, wenn man mit seinen Kindern nicht als erster beim Impfen ansteht“.