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#LEBEN und eine optimitisch stimmende Verkehrsunfallbilanz

Polizei Mönchengladbach stellt Verkehrsunfallbilanz für 2023 vor : Mehr Unfälle, aber weniger schwere

Die Polizei hat in dieser Woche ihre Verkehrsunfallbilanz für 2023 vorgestellt – Innenminister Herbert Reul für NRW, die Polizei Mönchengladbach für unsere Stadt. Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Unfälle insgesamt ist gestiegen. Die gute: Es hat weniger Unfälle mit Schwerverletzten und Toten gegeben. Christoph Beeker und Jörg Schalk von der Polizei Mönchengladbach über Zahlen, mögliche Ursachen und Maßnahmen.

Es ist ein zutiefst berührendes Video, das Polizeioberrat Christoph Beeker, Leiter der Direktion Verkehr, und der Leitende Polizeidirektor und stellvertretende Behördenleiter Jörg Schalk vorführen, bevor sie die Verkehrsstatistik 2023 der Polizei Mönchengladbach präsentieren. Auch Innenminister Herbert Reul hat es an diesem Montag im Rahmen seiner Präsentation der NRW-Verkehrsstatistik gezeigt. Im Video kommen Menschen zu Wort, die durch Verkehrsunfälle Menschen – ihre Kinder! Partner! Eltern! – verloren haben und deren Leben nie wieder so sein wird wie vorher.

„Es zeigt, dass es nicht nur um Zahlen geht, sondern um Schicksale“, erklärt Schalk. #LEBEN – das sei ein Appell an alle: die Polizei natürlich, die Presse, die nicht aufhören soll, über das Thema zu berichten, und an alle Verkehrsteilnehmer*innen, die sich umsichtig verhalten, vorausschauend fahren, Rücksicht nehmen, aufeinander aufpassen sollen, wie Christoph Beeker immer wieder betont, während er die Zahlen von 2023 offenlegt.

9 520 Verkehrsunfälle hat die Polizei 2023 in Mönchengladbach registriert (gegenüber 9 381 in 2022). Bei zwei Dritteln davon handelt es sich um Bagatellunfälle, also solche, bei denen keine Personen zu Schaden gekommen sind und kein Alkohol/keine Drogen im Spiel waren.

Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden belaufen sich 2023 auf 904 (2022: 921); mit insgesamt 1 081 verunglückten Menschen (2022: 1 114), davon 132 schwer verletzten (2022: 202) und vier Verkehrstoten (2022: 7).

Erstmals zurückgegangen ist 2023 auch die Zahl der Alleinunfälle von Radfahrern auf 40 (2022: 66).

Als mögliche Gründe für diese positiven Entwicklungen führt Beeker die erfolgreiche Verkehrsunfallprävention der Polizei Mönchengladbach an, die von Kindergartentagen über Fahrradtrainings und Crashkurse an Schulen bis hin zu Aktionstagen für Senioren vorsieht. Aber auch Tempo 30 und Tempo 40, Fahrradschutzstreifen und die viel diskutierte Protected Bike Lane hätten sicher Anteil daran. „Reduzierte Geschwindigkeit erzeugt reduzierte Verletzungen“, so Beeker, der dennoch empfiehlt, in jedem einzelnen Fall abzuwägen, ob ein langsameres Tempo Sinn macht.

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Doch es gibt auch weniger gute Entwicklungen. So ist etwa die Zahl der Alleinunfälle von Pedelecfahrern gestiegen (2023: 42 gegenüber 39 in 2022). Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern ist – entgegen dem NRW-Trend – nur geringfügig gestiegen: 77 waren es 2023 (2021: 74).

Ein wunder Punkt in der Verkehrsentwicklung schließlich ist der Anstieg der Fälle von Fahrerflucht nach Unfällen. Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre haben sie 2023 mit 2 359 Fällen einen neuen Höchststand erreicht (zum Vergleich 2019: 2 123, 2020: 1 912, 2021: 2 038, 2022: 2 211).

„Ein besorgniserregender Trend“, wie Jörg Schalk sagt, „vor allem mit Blick auf die Fälle von Unfallflucht, bei denen Personen verletzt worden sind.“ 98 solche Fälle hat die Polizei 2023 registriert (2022: 87, 2021: 72). Einer der tragischen Fälle: Am 25. April 2023 nahm ein Linksabieger einem Bus in Odenkirchen die Vorfahrt, so dass der Busfahrer hart abbremsen musste, wodurch ein 74-jähriger Fahrgast stürzte und schwerste Kopfverletzungen erlitt, an denen er starb. Der Autofahrer war geflüchtet, konnte jedoch von der Polizei ermittelt werden.

Woher der neue Trend zur Unfallflucht in Mönchengladbach rührt, ist schwer zu sagen. „Weil es Geld kostet, die Versicherungsbeiträge ansteigen, vielleicht auch aus fachlichem Unwissen“, vermutet Beeker, sieht aber auch eine gewisse „Verrohung, die sich auch im Straßenverkehr breitmacht.“

In dem Zusammenhang aber noch eine gute Nachricht: Die Aufklärungsquote in Fällen von Verkehrsunfallflucht mit Personenschaden konnte im vergangenen Jahr deutlich gesteigert werden – auf 62,2 Prozent (2022: 45,9 Prozent).