: Ein kleiner Pieks kann Leben retten

Auch wenn die Situation in Mönchengladbach aktuell nicht besorgniserregend ist, in NRW sieht die Sache leider ganz anders aus: 2017 und 2018 führte unser Bundesland die Statistik der Masernfälle in Deutschland an. Grund genug für die Kommunale Gesundheitskonferenz, jetzt das Impfbündnis Mönchengladbach zu gründen.

Es sind nicht die sogenannten „Impfgegner“, die Kinderarzt Ralph Köllges Sorgen bereiten, sondern diejenigen, die notwendige Impfungen schlicht und einfach seit Jahren vergessen. „In NRW sind das vor allem junge, nach 1970 geborene Erwachsene, die ihren Impfschutz vernachlässigt haben“, erklärt Köllges, einer der Initiatoren des neuen Impfbündnisses. Zwar sei Mönchengladbach seit 2006 nicht mehr nicht betroffen gewesen (damals rund 180 Masernfälle), doch deutschlandweit würden pro Jahr mehrere Hundert Masernerkrankungen mit zum Teil tödlichem Ausgang gemeldet. „Diese Situation möchte ich hier erst gar nicht erleben“, betont der Mediziner.

Noch dramatischer sei die Situation in Europa, wo sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 mehr als 41 000 Kinder und Erwachsene mit Masern infiziert hatten. 2017 waren es zum Vergleich „nur“ 23 927 Fälle. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung bestätigt, dass bei Kindern Impflücken insbesondere bei Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Hepatitis B bestehen, während Erwachsene keinen ausreichenden Schutz ebenfalls gegen Masern, Tetanus, Diphterie und Keuchhusten (Auffrischungen) hätten.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, der Beigeordneten Gesundheit Dörte Schall, sowie Dr. Heribert Hüren, Vorsitzender der Ärztekammer Mönchengladbach, und Stadtärztin Dr. Gabriele Buhl haben sich die Bündnispartner das Ziel gesetzt, die Durchimpfungsrate in allen Bereichen (nicht nur bei Masern) zu steigern, Impflücken zu schließen und den hohen Stellenwert des Impfens für die Gesundheit der Menschen zu verdeutlichen. „Sich impfen zu lassen, bedeutet auch die Gemeinschaft zu schützen“, so Köllges.

Willkommene Partner sind zum Beispiel Unternehmen, Vereine oder Behörden, „die gesunde Mitarbeiter und Mitglieder haben möchten“. „Wenn eine Impfaktion während der Arbeitszeit angeboten wird, dann nutzen viele das auch“, ist sich Dörte Schall sicher. Mit gutem Beispiel voran geht hier die Stadtverwaltung, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßig solche Impfaktionen im Rathaus ermöglicht. Das Impfbündnis will nicht nur informieren und aufklären, sondern vor allem motivieren, vorhandene Impfangebote in Anspruch zu nehmen.