: Falsche Scham schadet nur

Um das Thema Darmkrankheiten tiefer in den Köpfen der Menschen zu verankern, bieten die Medizinern des Darmzentrums im Eli eine Patientenveranstaltung an. Sie findet im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit im Fokus“ statt und ist kostenlos. Die Ärzte wollen vor allem Mut machen, zur Vorsorge zu gehen.

. Die Ärzte im Darmzentrum der Städtischen Kliniken möchten aufrütteln. Und mit einem Tabu aufräumen, und in bester Absicht Angst abbauen. Im Jahr werden am Eli rund 200 Operationen am Dick- und Mastdarm vorgenommen., „Hinzu kommen etwa 250 Eingriffe am Enddarm,. Zudem werden in der zum Darmzentrum gehörenden Klinik für Gastroenterologie 1600 Darmspiegelungen durchgeführt “, hat Dr. Helmut Grosch gezählt. Der Chirurg ist Sektionsleiter Proktologie an den Städtischen Kliniken.

Aus Erfahrung weiß er um die dringende Notwendigkeit, bei Darmbeschwerden frühzeitig einen Arzt aufzusuchen: „Hauptsymptome sind Blutungen. Das sind aber nicht immer Hämorrhoiden. Diese Blutungen sind an sich eher harmlos. Weitaus gefährlicher sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebs, bzw. bösartige Erkrankungen unmittelbar am Darmausgang.“ Er betont daher ausdrücklich: „Die Ursachen von solchen Blutungen müssen zielgerichtet abgeklärt werden.“

Dazu gehöre die proktologische Untersuchung. Selbst wenn dieses Ergebnis unauffällig ist, „ist dennoch eine Darmspiegelung zu überlegen.“ Bei bis dahin symptomlosen Menschen ohne familiäre Belastung durch Darmkrebs, wird diese Untersuchung ab dem 50sten Lebensjahr empfohlen (ansonsten früher) und ist eine Kassenleistung. Und auch hier hat Helmut Grosch eine beeindruckende Zahl parat: „Allein in den ersten zehn Jahren nach Einführung der Darmspiegelung als Kassenleistung 2002 konnten bundesweit rund 180000 Darmkrebsfälle verhindert werden.“

Die Darmspiegelung sei die sicherste Methode, um bereits Vorstufen von Darmkrebs zu erkennen: „Solche Polypen können nahezu immer bei einer solchen Untersuchung entfernt und damit der Darmkrebs verhindert werden.“

Scham müsse bei Darmblutungen niemand empfinden, „und niemand muss Angst vor einer Koloskopie haben.“ Und sollte es zu einer Teilentfernung des Darms kommen, so Grosch, „werden solche Eingriffe bei uns nach Möglichkeit minimalinvasiv, bzw. Roboter gestützt durchgeführt. Das ist schonend für den Patienten und führt auch zu einer deutlich verkürzten Verweildauer im Krankenhaus.“

Erklärt werden die aktuellen Operationsmethoden in der modernen Darmchirurgie, was für Patienten mit einer Darmspiegelung tatsächlich verbunden ist, und welche Methoden es bei der Behandlung von Hämorrhoiden gibt, bzw. wie die Prävention gegen diese Zivilisationskrankheiten aussieht.

Ein wichtiger Nachmittag, so der Chirurg: „Denn es sei leider immer noch so, dass es in Deutschland pro Jahr 60000 Neuerkrankungen von Darmkrebs und 25000 Todesfälle gibt: „Das ist das wohl beste Argument für eine frühzeitige Abklärung der Beschwerden.“

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