Impfung : Geht Gladbach auf Risiko?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt: Fehlende Impfbereitschaft zählt zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken. Wie halten es die Gladbacher? Alles jut im Impfpass?, fragen wir Ärzte und Krankenkassen.

Immerhin: Die Gladbacher sind besser als die Kölner, was die Impfversorgung angeht. Das belegen die Zahlen der Krankenkassen. Doch die AOK warnt: "Selbst kleine Impflücken können große Folgen haben!" Beispiel Masern. Immer wieder komme es zu regionalen Ausbrüchen — erst letztes Jahr in Köln, so AOK-Pressesprecherin Christina Vogt.

Eine wachsende Zahl an Masern-Erkrankungen zählt die KKH aber auch in Mönchengladbach: 2017 seien es fast doppelt so viele wie 2016 gewesen. Die WHO fordert bei vierjährigen Kindern eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent. Mönchengladbach, so die AOK, liege mit 94,2 Prozent darunter.

Marcel Küsters, Regionalgeschäftsführer der Barmer Mönchengladbach, beobachtet auch einen negativen Trend bei der Dreifach-Impfung Masern-Mumps-Röteln — die Zahl sei von 142 in 2016 über 133 in 2017 auf 55 für das erste Halbjahr (> 110 aufs Jahr hochgerechnet) gesunken.

Bei all der Statistik beruhigend für Eltern: Dr. Renate Harnacke, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, beschreibt die Impfversorgung der Gladbacher Kinder als gut, da die "Kinderärzte sehr konsequent impfen". Die Impfraten der Erwachsenen dagegen seien inhomogen — abhängig davon, "wieviel Augenmerk die Hausärzte darauf haben."

Christina Vogt weist noch auf einen wichtigen Punkt hin, der vielen Impfverweigerern vielleicht nicht bewusst ist: "Die erworbene Immunität ist auch für den Rest der Bevölkerung wertvoll, da eine geimpfte Person die Krankheit nicht verbreiten kann. Mit einer Impfung schützt man also auch Personen, die sich nicht impfen lassen können, etwa Babys oder immungeschwächte Menschen!"

Einwände gegen die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfohlenen Impfungen lassen Ärzte wie Kassen nicht durchgehen: "Wenn Eltern die Impfungen ihrer Kinder ablehnen, liegt immer eine unrichtige Aufklärung vor", erklärt Dr. Harnacke. Und: "Bei jeder Impfung ist der Nutzen um ein Tausendfaches höher als ein mögliches Impfrisiko."

Das gelte übrigens auch für die Grippeimpfung, die bis Februar noch Sinn mache. Sie "ist der einzig mögliche Schutz vor dieser unter Umständen tödlichen Infektion." Chronisch Kranke, Pflegepersonal, Menschen in öffentlichen Einrichtungen sowie jeder über 60 solle sich impfen

lassen. Also, Gladbacher: Impfbuch raus und ab zum Arzt!

(StadtSpiegel)