: Vorsorge nur alle drei Jahre?

Viele Frauen, auch in Mönchengladbach, erfahren es erst beim nächsten Frauenarzttermin. Seit 1. Januar 2020 gelten andere Richtlinien für die Gebärmutterhalskrebsvorsorge. Der Extra-Tipp hat über Sinn und Unsinn der neuen Regelung mit der Barmer und einem Gynäkologen gesprochen.

„Man ist nur sauer und frustriert!“, fasst Dr. med. Behrus Salehin, Facharzt für Frauenheilkunde und Mitglied im Berufsverband der Frauenärzte die aktuelle Situation in den Frauenarztpraxen zusammen. Tatsächlich hat die zum Jahresbeginn vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) „durchgedrückte“ Änderung bei der Früherkennung des Zervixkarzinoms für viel Aufregung unter den Gynäkologen in Mönchengladbach gesorgt. „Für drei ältere Kollegen, die vorher noch überlegt haben, wann sie in den Ruhestand gehen, war das der Anlass, ihre Praxis zu schließen. Die haben gesagt: Das mache ich nicht mehr mit!“, so Salehin.

Doch um was genau geht es? Seit dem 1. Januar 2020 gelten neue Krebsvorsorgerichtlinien für Frauen ab 35 Jahren, nach denen die bisher einmal jährlich stattfindende, von den Krankenkassen bezahlte Gebärmutterhalsuntersuchung per Abstrich nur noch im Drei-Jahres-Abstand durchgeführt wird. Dafür soll es, ebenfalls im Drei-Jahres-Rhythmus, einen HPV-Test geben.

Sara Rebein, Pressesprecherin der Barmer Landesvertretung NRW erklärt: „Mit dem HPV-Test lässt sich eine akute Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) zuverlässiger als bisher nachweisen. Der Test bietet somit mehr Sicherheit als der PAP-Test allein, deshalb ist ein dreijähriges Untersuchungsintervall ausreichend.“ Auch die AOK Rheinland/Hamburg sieht in den neuen Richtlinien keinen Rückschritt: „Mit dem neuen Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wird der Anspruch der Versicherten nicht eingeschränkt, eine jährliche Untersuchung ist weiterhin möglich. Als neue zusätzliche Leistung wird der HPV-Test alle drei Jahre ab 35 Jahren übernommen.“

Klingt nach Verbesserung, doch dass Abstrich und zytologische Untersuchung nur noch jedes dritte Jahr bezahlt werden, ist Fakt. Für Salehin ein Skandal: „Wir sprechen hier von einem Erfolgsmodell, das es seit 1971 geschafft hat, die Gebärmutterhalskrebsrate auf ein Minimum zu reduzieren. Jetzt wird das einfach über Bord geworfen.“

Tatsächlich birgt das Vertrauen auf den HPV-Test Risiken. So vergehen zwischen den ersten Zellveränderungen bis zur Entstehung einer Krebsvorstufe (CIN 3-Veränderung) am Gebärmutterhals in ca. 70 Prozent der Fälle weniger als zwei Jahre. Und sicher ist der Test auch nicht: 15 Prozent der Testergebnisse sind falsch negativ. Und 15 Prozent der Gebärmutterhalskrebsfälle werden gar nicht per HPV-Test erkannt.*

Es ist aber nicht nur die Gesundheit der Patientinnen, die den Ärzten Sorge bereitet. „Viele Praxen sind für eine Folgeuntersuchung per Kolposkopie im Falle einer HPV-Infektion nicht ausgestattet“, erklärt Salehin. „Bei kleinen Praxen geht es um die Existenz.“

Ernüchternd auch, so Salehin: „Die Bundesregierung will damit eine einheitliche Validierung erreichen, dafür fehlt aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt die erforderliche Dokumentation.“

Frauen ab 35 Jahren, die sich in Sachen Vorsorge weiter sicher fühlen wollen, empfiehlt Salehin, die jährliche Kontrolle per Zellabstrich beizubehalten. Sie kostet 20 Euro.