: Alles sauber oder ... blubb?

Zwei Monate ist es her, da standen die Schreinerei Hambach und das angrenzende Areal auf der Künkelstraße in Flammen. Heute steht man vor der Verwüstung und fragt sich: Was passiert mit all dem Schutt? Und sind Gelände und Grundwasser nicht vergiftet? Stadt und mags geben Entwarnung. Aber ist das wirklich alles so „sauber“?

Aus dem Auge, aus dem Sinn? Wer den Großbrand an der Künkelstraße nur über Zeitung und TV „erlebt“ hat, hat ihn vermutlich schon vergessen. Bei den Anwohnern dagegen, bei den Betrieben vor Ort, den Feuerwehrleuten und allen, die dabei waren, dürfte sich das Ereignis ins Gedächtnis gebrannt haben.

Blickt man heute auf den rund 9000 Quadratmeter großen Schauplatz, ist das Drama, das Entsetzen noch greifbar. Schutt und Asche, dazwischen abgebrannte Metallgerippe.

Kann das nicht weg?, fragt man sich. „Am 22. Juli ist eine Abbruchanzeige beim Fachbereich Bauordnung registriert worden“, informiert Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners auf Anfrage von Karl Sasserath, Bündnis 90/Die Grünen. Nach der neuen Bauordnung darf mit den Abbruchmaßnahmen nach Ablauf eines Monats, also ab dem 22. August begonnen werden. Ob und wann genau es tatsächlich voran geht, bleibt abzuwarten, denn der Inhaber des Geländes Schreinerei Hambach, ist nicht zu erreichen. Mit dem Anblick müssen sich die Anwohner also vorerst abfinden. Und vielleicht auch mit dem mulmigen Gefühl: Ob das wohl gesundheitsgefährdend ist?

Stadt und mags geben diesbezüglich Entwarnung: Durch ein Ingenieurbüro seien bereits wenige Tage nach dem Brand Luftproben an 25 Stellen im näheren Umfeld genommen worden. Das Ergebnis: „Es liegt keine erhöhte Schadstoffkonzentration in der Luft vor.“

Die Wasserkanonen lasse man vorerst stehen und nehme sie während der Entsorgungsvorgänge „bei Bedarf“ in Betrieb. Aha, mit Wasserkanonen gegen aufwirbelnden Staub. Und womöglich Gift? War da nicht von Asbest die Rede...? Tatsächlich bestätigt die mags das Vorhandensein von Asbest. Dieses müsse in eine Deponie gebracht werden. Andere schadstoffhaltige Materialien wie Dachpappe, imprägniertes Holz und Bauschutt mit hohem Gipsanteil müssten verbrannt werden. Aber, so die mags: „Der Großteil des Brandschutts weist bislang keine Überschreitung von Grenzwerten auf“.

Der aufmerksame Beobachter stolpert an der Stelle über zwei Formulierungen: Erstens: Wenn die Aussage für den „Großteil“ gilt – was ist mit dem Rest? Zweitens: „Bislang“? Kommt das dicke Ende vielleicht noch?

Die Erläuterungen von Seiten der Stadt sind kaum beruhigender. Es seien nur Werte bis Abfallklasse Z2 ermittelt worden. Was heißt hier „nur“? Laut Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) stellen die Zuordnungswerte Z 2 „grundsätzlich die Obergrenze für den Einbau von Reststoffen/Abfällen mit definierten technischen Sicherungsmaßnahmen dar, durch die der Transport von Inhaltsstoffen in den Untergrund und das Grundwasser verhindert werden soll.“ Auch hier „Entwarnung“: Seitens der Unteren Bodenschutzbehörde werde von geringen bis gar keinen Verunreinigungen des Bodens und Grundwassers ausgegangen, da der größte Teil des Geländes mit Betonsteinpflaster und Bodenplatten versiegelt sei.

Ein Stück unversiegelten Boden hat der Hof des Fahrradgeschäfts Gazelle, das kurz nach der Eröffnung dem Feuer zum Opfer fiel. Obwohl die abgebrannte Halle neben seinem Hof asbesthaltige Platten enthielt, glaubt Geschäftsführer Stefan Heines nicht an eine Kontaminierung: „Hier ist kein Löschwasser hingelaufen.“ Außerdem sei Asbest nur ein Problem, wenn der Mensch die Faser einatme, und dies sei durch das Feuchthalten der Baustelle verhindert worden. Gerade seien wieder neue Sprenkleranlagen aufgestellt worden.

Heines selbst hofft, dass nicht alles abgerissen wird, er mit dem Gazelle-Shop zum alten Standort zurückkehren kann. Momentan befindet der sich übergangsmäßig auf der Krefelder Straße. „Wenn ich die Chance bekäme, würde ich wieder da reingehen. Aber niemand macht eine Ansage.“

Für die wäre sicher nicht nur Heines dankbar. Was wird nun aus dem Geistergelände? Der Stadt Spiegel bleibt dran.