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: Der Freitag ist im ALZ jetzt immer Tütentag

: Der Freitag ist im ALZ jetzt immer Tütentag

In bedürftigen, von Arbeitslosigkeit betroffenen Familien müsste doch eigentlich genug Zeit zum Kochen sein... Denkt man. Doch die Erfahrung zeigt: Nicht alle können sich dazu motivieren. Deshalb ist jetzt Freitag immer Tüten-Tag beim ALZ. Dann bekommen Eltern und ihre Kinder eine prall gefüllte Jute-Tasche plus Rezept.

Sozialwissenschaftlerin Justine Krause, verantwortlich für das „Tüten-Projekt“ für bedürftige Familien aus dem Stadtmitte-Quartier, holt aus: „Wir wollen die Menschen nicht nur animieren, auf Dauer selbst zu kochen, wir wollen viel mehr...“

Auch im Westend haben sozial Engagierte feststellen müssen, dass das Selberkochen in vielen Familien etwas geradezu „Exotisches“ ist. Wozu gibt’s den Pizza-Service? Der ist auf Dauer natürlich zu teuer. Und: Ständiges Fastfood-Futtern ist weder für Kinder noch für Erwachsene gut.

Genau hier will Justine Krause ansetzen. Ihre Beobachtung am Corona-Gabenzaun: Es sind gerade junge Familien und Alleinerziehende, die sich dort mit gespendeten Lebensmitteln versorgen. Justine Krause hat daraufhin Betroffene angesprochen und von Sozialarbeitern weitere Adressen infrage kommender Familien erhalten. Derzeit sind es 15 mit zwei, vier oder sechs Personen im Haushalt. Ganz bewusst haben Justine Krause und die Ökotrophologin Monika Aldenhoff auf „nachhaltiges Mitmachen“ gesetzt. Die Familien erhalten genau die Lebensmittel, mit denen sie die jeweilige warme Mahlzeit kochen können. Neben den Zutaten – möglichst aus der Region und bio – kommt das einfache Rezept dazu. Das schreibt Monika Aldenhoff, kocht vorher Probe und macht Fotos. Alles kommt in die Tüte. Auch das von der Caritas Mönchengladbach gespendete Rapsöl. 160 Flaschen hat der Verband zur Verfügung gestellt. Bislang gab es Tüten für selbst gemachte Pizza, Couscous-Salat, Linsensuppe...

Die Resonanz der „Tüten-Kunden“ sei ermutigend, so Justine Krause. Manche erfahren ihre (Koch-)Fähigkeiten neu, gewinnen Selbstvertrauen und erleben, dass gesundes Essen überhaupt nicht teuer sein muss. Im Gegenteil. „Und wenn es Fragen gibt, sind wir natürlich da.“

Die „Freitags-Tüte“ wird mit Geld aus der „Aktion Mensch“ teilfinanziert und soll noch längere Zeit angeboten werden. Vor der Abgabe wird die Bedürftigkeit geprüft. Das ist ein diskreter und kurzer Vorgang.