: Hängt ein Hirsch auf dem Flur

Der Künstler Michael Flüß und seine Frau Anke sind bereits seit gut 15 Jahren fasziniert von so genannten lost places, von Gebäuden, denen die Funktion abhandengekommen ist. Sieben ihrer farbenfrohen und skurrilen Werke hat das Eli jetzt mit Hilfe seines Fördervereins auf den Fluren der Radiologie aufgehängt.

. Der Hirsch steht mitten in einem saalartigen Raum. Deckenlicht kommt von oben. Von den Wänden bröckelt der Putz. Auf dem Boden liegen ausgebrochene Fensterrahmen. Sehr kräftige Farben, wohlgesetztes Licht und sehr akribisch mit feinem Pinsel umgesetzt. Naturalistisch und doch auf berückende Weise surreal. Der Künstler Michael Flüß und seine Frau Anke sind bereits seit gut 15 Jahren fasziniert von so genannten lost places, von Gebäuden, denen die Funktion abhanden gekommen ist: „Schon bei den Fotoaufnahmen dieser Orte aus einer speziellen Perspektive überlege ich, was ich aus dem Raum machen kann.“ So kommt da – wie aus dem Nichts – der Hirsch ins Bild. Oder eine Giraffe schaut aus einem offenen Fenster eines aufgegebenen Krankenhauses in Beelitz, Brandenburg.

Der Chefarzt der Radiologie an den Städtischen Kliniken, Prof. Dr. Dirk Blondin, hat sich um den Ankauf von sieben Arbeiten des Künstlers bemüht: „Ich wollte in meiner Abteilung ausdrücklich keine klassischen Krankenhausbilder aufgehängt haben. Die zugleich farbenfrohen, fantasievollen Arbeiten strahlen für mich Ruhe aus. Und diese Ruhe, zusammen mit den Tieren, kommt sicher auch den Patienten, gerade auch den Menschen mit Demenz, zugute.“

Möglich gemacht hat den Ankauf der Förderverein der Städtischen Kliniken proEli. Veronika Heuser ist Geschäftsführerin des rund 300 Mitglieder starken Vereins. Sie und ihre Vorstandskollegen haben ohne zu zögern die vierstellige Summe für die hochwertig gestalteten Reproduktionen bewilligt. Für sie steht außer Zweifel, „dass das Geld gut angelegt ist.“ Bei einem Rundgang durch die Radiologie steht sie den zum Teil großformatigen Arbeiten zum ersten Mal gegenüber: „Die Bilder sind wirklich außergewöhnlich.“

Michael O. Flüß ist nicht nur Künstler. Er ist ebenso wie Dirk Blondin Radiologe. Einige Jahre hat der 54-Jährige in einer Rheydter Gemeinschaftspraxis gearbeitet. Heute ist er Gesellschafter einer radiologischen Praxis in Düsseldorf, lebt jedoch mit seiner Frau in Erkrath, wo sich auch das Atelier befindet. Die beiden Fachkollegen kennen sich seit 2003 aus ihrer gemeinsamen Zeit am Universitätsklinikum in Düsseldorf. Auf die Frage von Veronika Heuser, ob er eher Radiologe oder Maler ist, antwortet Michael Flüß mit einem Lächeln, das mit einem leichten Achselzucken daherkommt: „Suchen Sie sich etwas aus.“