: Intensivtäter im Visier: der jüngste ist 14

: Intensivtäter im Visier: der jüngste ist 14

Mindestens 60 Delikte gehen auf ihr Konto. Tatmotiv: Langeweile. Neun jugendliche Straftäter aus Rheydt, deren Tagesbeschäftigung überwiegend aus „Abhängen“ und Marihuanarauchen besteht, hat die EK Süd der Polizei Mönchengladbach in den letzten Monaten ins Visier genommen. Zwei sitzen in der JVA. Die Ermittlungen laufen. Und angesichts der Tathergänge stellt sich die Frage: „Verroht die Jugend?“

Da sind diese beiden Einbrüche - in einen Kindergarten an der Hohlstraße in Mönchengladbach und beim Arbeiter-Samariter-Bund in Brüggen – mit 100 Euro Beute und drei gestohlenen Pflegedienstfahrzeugen. Da ist der Taxifahrer, der an der Friedensstraße mit einer Schreckschusspistole bedroht wird. Der Jugendliche, der an der Schlossstraße mit vorgehaltenem Messer um sein Mobiltelefon gebracht werden soll. Und dann sind da noch die Überfälle auf eine 91-jährige und eine 74-jährige Frau – überrumpelt an der Wohnungstür, mit dem Rollator umgestoßen und von sechs Eindringlingen ausgeraubt. So geht es weiter. 60 Delikte sind es: Raub, Einbrüche, Pkw-Aufbrüche, Autodiebstähle – fast alle in Mönchengladbach. „Und das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, da werden noch einige Treffer kommen“, sagt Steffen Lemke, Leiter der Anfang des Jahres gegründeten Ermittlungskommission „EK Süd“ der Polizei Mönchengladbach.

Alle Straftaten gehen auf das Konto einer neunköpfigen Gruppe von jugendlichen Intensivtätern. Einer ist 14, drei 15, einer 18, zwei 19, einer 20 und einer 22. Alle neun sind Deutsche und bereits polizeibekannt – so wie auch einige ihrer Eltern. Keiner der jungen Männer geht zur Schule oder zur Arbeit. Erschreckend ist auch deren „Motivation“: „Die haben rumgehangen, hatten Langeweile“, so Steffen Lemke. „Und dann haben sie überlegt, was könnte man tun, um an Geld zu kommen.“ Die anschließenden Aktionen seien stets spontan gewesen. „Die wollten sich gegenseitig etwas beweisen.“

Mit dem erbeuteten Geld, so Jutta Weinmann von der EK „Süd“, haben sie Marihuana gekauft und die Älteren teure, schnelle Wagen gemietet. Insgesamt gehe es um eine Summe zwischen 5 000 und 10 000 Euro. Dazu komme der Sachschaden, der allein beim Einbruch in in Brüggen im fünfstelligen Bereich liege. Ein paar der Verdächtigen stehen auf der Liste der „jungen Intensivtäter“ – Kandidaten für ein Präventionsprogramm mit dem Ziel, junge Menschen noch von der schiefen Bahn abzubringen und „geradezubiegen“. Ob das gelingt, ist fraglich. Fakt ist: Der 15-Jährige, den die Polizei Anfang des Jahres auf frischer Tat beim Einbruch in den Kindergarten ertappt hat, war bereits zu diesem Zeitpunkt zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden, hatte die Haft aber noch nicht angetreten. Ähnlich bei einem zweiten 15-Jährigen – auch dieser war schon zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden.

Zwei der Tatverdächtigen sitzen derzeit in einer JVA ein. Erste Verhandlungstermine sind für Mai vorgesehen. „Das geht relativ schnell und zügig!“, ist Kriminaldirektor Manfred Joch überzeugt. Und das ist gut so. Denn wie Joch zu bedenken gibt: „Das macht einem schon ein bisschen Angst: Wenn eine 91-Jährige überfallen wird – bei der Konstitution kann so jemand unter Umständen zu Tode kommen. Man merkt leider eine gewisse Verrohung bei den jungen Leuten.“