: Männer noch mehr sensibilisieren

Die pro familia-Beratungsstelle Mönchengladbach gibt ihren Jahresbericht heraus. Was hat sich 2018 getan? Der Extra-Tipp hat mit Sexualpädagogin Ricarda Siebers-Steiner, Ärztin Susanne Kujawski, Diplom Psychologin und Leiterin Janina Horn-Tilke und den Familienhebammen Bernadette Nopper und Claudia Wolsing gesprochen.

Extra-Tipp: Frau Horn-Tilke, wie ist Ihr persönliches pro familia-Fazit für 2018?

Janina Horn-Tilke: 2018 war ein erfolgreiches Jahr mit großer Nachfrage, spannenden Herausforderungen und dem Ausbau unseres Familienhebammenangebots.

Wie viele haben Ihr Angebot in Anspruch genommen?

Horn-Tilke: Wir haben fast 2 000 Personen erreicht. Nicht mitgezählt all die Menschen, denen wir auf Info-Veranstaltungen begegnet sind.

Welche Schwerpunkte sind für 2018 festzuhalten?

Horn-Tilke: Der Schwerpunkt unserer Beratungsarbeit liegt in der Unterstützung junger Familien rund um Fragen zu Schwangerschaft, Familienplanung und Geburt. Mehr als 1 100 Menschen haben hier im vergangenen Jahr unsere Angebote genutzt.

Wobei beraten Sie konkret?

Horn-Tilke: Wir begleiten bei der Entscheidungsfindung in Schwangerschaftskonflikten, entwickeln Perspektiven für junge Familien in schwierigen Lebenssituationen, beraten bei sexuellen oder partnerschaftlichen Konflikten.

Frau Wolsing, wie sieht es mit der Hebammenversorgung in Mönchengladbach aus?

Claudia Wolsing: Der Hebammenmangel ist auch hier zu spüren. Schwangere, die sich erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche melden, haben es schwer, eine Hebamme zu finden. Wir können Schwangere an eine Kooperationspartnerin weiterleiten, die eine „Wochenbettpraxis“ anbietet.

Was macht Ihre Arbeit als Familienhebamme aus?

Claudia Wolsing: Wir beraten Familien in der turbulenten Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt. Wir stärken in Situationen, in denen einem alles „über den Kopf wächst“.

Welche Entwicklungen beobachten Sie bei Ihrer Tätigkeit?

Ricarda Siebers-Steiner: Bei der Arbeit in Schulen verändern sich Inhalte, weil Schüler vermehrt pornografische Begriffe einbringen, die Aufarbeitung brauchen.

Horn-Tilke: Wir erleben immer häufiger, dass im Internet recherchiert wurde. Da gilt es, Fehlinformationen geradezurücken. Interessant ist aber, dass werdende Väter eine persönliche Information der Recherche im Internet vorziehen.

Welche Angebote gibt es für junge Männer?

Horn-Tilke: In der Beratung richten sich all unsere Angebote auch an Männer. Also egal, ob ein Mann gewollt oder ungewollt Vater wird, sich über finanzielle Unterstützung, Konflikte mit der Partnerin, Verhütung oder die eigene Sexualität informieren will, bei pro familia ist er mit diesen Fragen gut aufgehoben.

Wo sehen Sie noch verstärkten Handlungsbedarf?

Horn-Tilke: Hier in Mönchengladbach wollen wir weiter für die Bedarfe von Männern rund um Elternschaft sensibilisieren. Ein weiterer Punkt ist die nicht immer optimale Versorgung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Natürlich können sie all unsere Angebote nutzen, doch gibt es zu wenig Therapieplätze. Auf Landesebene setzen wir uns dafür ein, dass die ärztliche Versorgung für Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen, langfristig gesichert bleibt.

Welche Ausrichtung sehen Sie für 2019?

Horn-Tilke: 2019 wollen wir die gestarteten Projekte weiter ausbauen. Wie ich uns kenne, wird es dabei aber nicht bleiben und wir entdecken neue Herausforderungen. Ein wichtiges Thema bleibt auch die finanzielle Absicherung. Wir werden wieder einiges dafür tun müssen, die Finanzierungslücke zu schließen. Wir sind übrigens gemeinnützig und nehmen Spenden an...