Mieter sehen sich bedroht: Moderner wohnen mit der LEG?

Mieter sehen sich bedroht: Moderner wohnen mit der LEG?

Den Mietern im Hensenweg wächst nicht nur ein Baum über den Balkon, sondern bald auch die Miete über den Kopf. Schuld ist ein von der LEG angekündigtes Modernisierungsvorhaben, das vielen finanziell das Genick zu brechen droht.

Seit ihr die Modernisierungsankündigung der LEG im Dezember ins Haus geflattert ist, flattern Susanne Hoppe die Nerven. Es geht um eine Mieterhöhung von rund 80 Euro, die sie nicht aufbringen kann. "Ich bin alleinerziehend und berentet wegen eines Herzdefektes, Asthma und einer kaputten Wirbelsäule", erklärt sie.

Auch Gerd Lippold und das Ehepaar Oligschläger sind als LEG-Mieter alarmiert. "Wir sind in unsere Wohnung in Lürrip gezogen, weil wir uns die Miete gerade leisten konnten von unserer Rente", sagt Reiner Oligschläger. "Was, wenn die LEG auch bei uns modernisiert? Wo sollen wir hin, es gibt ja keinen bezahlbaren Wohnraum mehr!"

Gerd Lippold, LEG-Mieter aus Uedding, hat eine Vermutung, was die Modernisierungsvorhaben der LEG angeht: "Man lässt bewusst Objekte verrotten, um später gewinnträchtig modernisieren zu können."

Angesichts diverser beanstandeter und unbeseitigter Mängel und einer zu Jahresende angekündigten Modernisierung drängt sich den Mietern die Frage auf: Wollte die LEG da noch schnell die Ende 2018 gültige Berechnung von 11 Prozent auf den Mietzins (statt danach 8 Prozent ) mitnehmen? Die im Ankündigungsschreiben aufgelisteten Maßnahmen sind größtenteils Reparaturen oder Instandhaltungsmaßnahmen, aber keine Modernisierungsmaßnahmen, die eine Mieterhöhung rechtfertigen, kritisieren die Mieter.

LEG-Pressesprecher Mischa Lenz erklärt dazu: "In unseren Modernisierungsankündigungsschreiben benennen und erläutern wir sämtliche geplante Maßnahmen, also auch die Instandhaltungsmaßnahmen, die selbstverständlich von uns übernommen und deren Kosten von uns natürlich nicht auf unsere Mieter umgelegt werden." Zur 11-Prozent-Umlage äußert er sich so: "Rein rechtlich hätten wir noch 11 Prozent der Kosten umlegen können. Das tun wir aber ganz bewusst mit Rücksicht auf unsere Mieter nicht. Von den gesetzlich möglichen rund 3 Euro pro Quadratmeter legen wir nur 1,32 Euro pro Quadratmeter auf unsere Mieter um."
Beruhigen wird diese Erklärung die Leute im Hensenweg kaum. Denn es geht nicht um "Peanuts". Und die Maßnahmen-Kosten-Verteilung ist alles andere als transparent.
Hans-Willi Körfges, Mitglied des Landtags und Vorsitzender des Ausschusses für Heimat, Kommunales Bauen und Wohnen, empfiehlt: "Im Falle einer fragwürdigen Modernisierungsankündigung kann ich den Mietern nur raten, sich zur Wehr zu setzen und sich rechtlichen Rat, etwa beim Mieterschutzbund, einzuholen. Mieter dürfen nicht für unterlassene Instandhaltungsmaßnahmen unter dem Deckmantel der Modernisierung zur Kasse gebeten werden. Hier bedarf es dringend einer gesetzlichen Änderung." Für Körfges steht fest: "Langfristig müssen wir für mehr öffentlich geförderten Wohnraum sorgen. (...) In Mönchengladbach stehen viele neue Entwicklungsflächen zur Verfügung und es werden jährlich 80 bis 100 öffentlich geförderte Wohnungen gebaut."
Langfristige Pläne für bezahlbaren Wohnraum sind gut. Susanne Hoppe und andere LEG-Mieter brauchen aber kurzfristige Lösungen.

Info:

Susanne Hoppe und ihre Mitstreiter von Mieterproteste Mönchengladbach e. V. rufen zur Protest-Demo "Wir lassen uns nicht hinausmodernisieren" auf — am 22. Februar ab 17 Uhr im Hensenweg.

(StadtSpiegel)