: Rauchverbot – auch draußen?

Seit 2013 heißt es auch bei uns in Gladbach: Rauchen – bitte nur draußen. Seitdem stehen sie da, die Raucher, die Zigarette in der Hand, vor den Kneipentüren. An der frischen Luft eine rauchen, im Park oder an der Bushaltestelle – das geht. Noch. Denn in der Politik werden Stimmen laut, die den Rauchern noch diesen „letzten Freiraum“ nehmen wollen. Erstrebenswert oder übertrieben?, hat der StadtSpiegel gefragt.

In Paris herrscht in 52 Parks Rauchverbot, in Schweden ist es seit 1. Juli sogar verboten, vor Lokalen zu rauchen. Aber müssen wir unseren europäischen Nachbarn alles nachmachen? Sollen Raucher demnächst vom Spaziergang im Bunten Garten oder vom Altstadtbesuch aus erst nach Hause fahren, um sich ungestraft eine Zigarette anzünden zu können?

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Wieland Schinnenburg hat zumindest im Rahmen eines Interviews den Vorschlag gemacht, das Rauchen in Parks und an anderen öffentlichen Orten zu verbieten.

„Total übertrieben!“, findet die Mehrzahl der Facebook-Community in unserer Umfrage. Tanja Wolf zum Beispiel schreibt: „Rauchverbot auf Spielplätzen finde ich in Ordnung. Aber in der sonstigen Öffentlichkeit soll doch jeder rauchen wie er möchte – die Entsorgung der Stummel vorausgesetzt.“

Auch der FDP-Landtagsabgeordnete Andreas Terhaag ist gegen weitere Einschränkungen: „Wir haben (...) einen hervorragenden Nichtraucherschutz, der nicht erweitert werden muss. Wir wollen keine Verbote! Schließlich ist es möglich, hier den Rauchern aus dem Weg zu gehen.“

Wo diese Abgrenzung nicht möglich ist, speziell, wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, greift der Nichtraucherschutz vielen noch nicht weit genug. „Der Staat muss eingreifen, wenn Menschen der Gefahr des Passivrauchens nicht ausweichen können“, so Terhaag. Das gelte für Schulen, öffentliche Gebäude und Kitas. Der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Willi Körfges weist in dem Zusammenhang auf eine Initiative im März hin, nach der „Rauchen in Autos verboten werden soll, wenn Schwangere und Kinder im Auto sitzen.“ Und er sagt auch ganz klar: „An Spielplätzen sollte man nicht rauchen dürfen.“

Karl Sasserath, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, sieht noch eine ganz andere Schwierigkeit: „Ich halte nichts von Verboten, die nicht durchsetzbar sind. In Paris verfügt jeder Park über städtische Parkwächter. Die Parks werden abends abgeschlossen und morgens geöffnet. Solche Voraussetzungen existieren bei uns nicht. In Mönchengladbach schafft es die Stadt nicht, Parks regelmäßig auch nur an Wochenenden zu kontrollieren. Solange der Kommunale Ordnungsdienst nicht ausreichend mit Personal ausgestattet ist, klappt das nicht.“

Doch wie ist es mit dem „Modell Schweden“ - nicht mehr rauchen vor Gaststätten? Muss das sein?

Marion Bentlage fragt sich bei Facebook: „Warum darf ich draußen nicht rauchen? In den Kneipen dürfen wir schon nicht mehr rauchen. Das Ende: Kneipensterben! Der Bürger wird immer mehr bevormundet!“

Auch Jochen Klenner, CDU-Landtagsabgeordneter, selbst seit zehn Jahren Nichtraucher, räumt ein: „Ich hätte mir für so manche Eckkneipe eine offenere Lösung gewünscht, die den Besuchern und Wirten mehr Freiheiten lässt.“ Aber er sagt auch: „Die meisten haben sich mit dem Nichtraucherschutzgesetz abgefunden. Es genießt eine relativ breite Akzeptanz – bei Rauchern und Nichtrauchern.“ Deshalb wolle man das Gesetz nicht wieder anpacken.

Seine Meinung: „Ich bin sehr dafür, dass jeder erwachsene Mensch selbst entscheiden soll, ob er rauchen möchte, solange er andere Mitmenschen nicht belästigt. Deshalb bin ich auch gegen ein generelles Verkaufsverbot von Tabak.“