: Sag mir, wo die Bäume sind...!

So mancher Bürger empört sich in Zeiten des Klimawandels über den Umgang mit dem heimischen Baumbestand. In Pongs hat sich eine Initiative formiert, nachdem zehn Buchen in „ihrem Wäldchen“ gefällt worden sind. Sie will sich engagieren – für einen sensibleren, ökologisch vertretbaren Umgang mit der Natur. An ihrer Seite: der NABU. Ihre Buchen bringt den Pongsern keiner zurück. Die mags erklärt aber: „Die Bäume mussten fallen“.

Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht – nein, diese „Gefahr“ besteht im Pongser Wäldchen aktuell nicht. Nach den letzten Baumfällarbeiten der mags ist eine breite Schneise mit Baumstümpfen zurückgeblieben. Dabei ist das Wäldchen doch „das Herz, die Seele von Pongs“ wie Karin D.* (Name ist der Redaktion bekannt), Mitbegründerin der Nachbarschafts-Initiative sagt. „Als die Buchen gefallen sind, hat das Haus gewackelt“, erzählt sie. „Zwei Wochen lang haben wir kein Tier gehört.“ Die Pongser machen sich Sorgen um den Baumbestand und um die Tierwelt. „Wir haben hier einen Waldkauz, zwei Fledermausarten, Bunt- und Grünspechte...“

Kurt Sasserath, erster Vorsitzender beim NABU Mönchengladbach, sieht einen großen Schaden: „Es hätten nicht alle zehn Bäume gefällt werden müssen. Ein in voller Länge umstürzender Baum hätte den Weg nicht gefährdet. (...) Und auch jüngere Bäume und die Strauchschicht wurden abgeholzt.“ Ersatzpflanzen, Nistkästen und Winterquartiere für Fledermäuse seien nur „Prothesen für ein zerstörtes natürliches Gefüge“, so Sasserath. „Der ökologische Wert von Althölzern kann nicht ausgeglichen werden.“ Sein Vorschlag: Mehr Sensibilität für den Bürger entwickeln, umdenken, statt Altholz fällen, die Technik des künstlichen Totholzes anwenden oder die Bäume als Kopf- oder Stockbuchen erhalten.

Techniken, die mags-Förster Werner Stops durchaus auf dem Schirm hat. „Ich kann das auch so machen, dann dürfen die Bäume aber nicht so nah an den Wegen stehen oder man muss die Wege schließen. Denn für Wege gilt die Verkehrssicherungspflicht. In weitläufigeren Waldstücken wie im Volksgarten oder im Hardter Wald braucht man nichts machen, aber die Bäume im Pongser Wäldchen mussten weg.“

Aufforsten will Stops auch – so bald wie möglich. Und nein, nicht mit „fremden Gewächsen“. Zwar müsse man im Zuge der klimatischen Veränderungen auch Baumarten, die Trockenheit besser aushalten, ausprobieren, aber so weit sei man noch nicht. Stattdessen wolle er „bodenständige Arten“, Buche, Wildkirsche einbringen. Junge Bäume natürlich – aber das ist gut so. Denn wie Stops erklärt: „Für den Wald sind verschiedene Altersstrukturen wichtig.“ Schließlich lebten ja noch viele andere Tiere wie etwa Rehe im Wald. Für die sei ein „vertikaler Waldaufbau“ wichtig. Und 20 bis 30 alte Buchen seien ja noch da.

Auf die Fledermäuse hat zwischenzeitlich Fledermausexperte Alfred Schneider ein Auge. Er will den Bestand kartieren und einen geeigneten Platz für ein Fledermausquartier finden.

Fazit: An Sensibilität scheint es nicht zu fehlen. Vielleicht muss sich ökologisch wie menschlich ein neues Gleichgewicht einstellen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – hoffentlich nicht mit dem letzten Baum.