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Stadt Korschenbroich kriegt Ortssschilder mit Ortsnamen auf Platt.

Korschenbroicher Mundartoffensive : Ortstafeln auch auf „Platt“

Von „Hexbrook“ im Nordwesten bis „Löttejleähn“ im Südosten verraten die Ortseingangstafeln der Stadt Korschenbroich jetzt, wie die Stadtteile in Mundart ausgesprochen werden. Direkt unter der amtlichen Bezeichnung steht der heimatsprachliche Name.

Die ersten der neuen Ortstafeln in Korschenbroich (Rheydter Straße Richtung Zentrum), Kleinenbroich (Rhedung Richtung Ortskern) und Glehn (Bachstraße Richtung Dorfmitte) wurden von Bürgermeister Marc Venten und Vertretern der jeweiligen Heimatvereine kürzlich ihrer Bestimmung übergeben.

Die Aktion geht auf eine Initiative des Vereins zur Förderung der Mundart gemeinsam mit den ortsansässigen Heimatvereinen zurück und stützt sich auf einen NRW-Landtagsbeschluss aus dem Jahr 2017. Dieser erlaubt auch in Nordrhein-Westfalen zweisprachige Ortsschilder – wie sie in Norddeutschland seit langem üblich sind – unter der Voraussetzung, dass die plattdeutsche Ortsbezeichnung in kleinerer Schrift unter dem hochdeutschen Namen ergänzt wird.

Der Vorschlag stieß auf ein positives Echo im Korschenbroicher Stadtrat. Während eines Treffens im Rathaus einigten sich die Experten aus den Vereinen auf die jeweils korrekte Aussprache und Schreibweise der einzelnen Ortsteile. Dann ging es an die konkrete Umsetzung: Finanzierungspläne mussten aufgestellt und Zuschüsse mit der Bezirksregierung abgestimmt und beim Heimatministerium des Landes NRW beantragt werden. Darum kümmerten sich erfolgreich die Vereine aus Korschenbroich, Kleinenbroich und Glehn, so dass die übrigen Ortsteile mitversorgt werden konnten und die Aktion für die Stadt konstenneutral blieb.

„Die Mundart ist in unserer Stadt eine lebendige Sprache. Sobald mehrere – meist ältere – Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammen stehen und sich unterhalten, wechseln sie meist automatisch vom Hochdeutschen in die Muttersprache“, beobachtet Barbara Romann, Vorsitzende des Korschenbroicher Heimatvereins. „Manche Begriffe kann man einfach nicht schöner ausdrücken als op Platt. Das Interesse an mundartlichen Abenden war vor Corona riesig – und wird es bestimmt auch wieder sein, wenn endlich wieder Veranstaltungen möglich sind.“

„Die kleine Ergänzung auf den Tafeln hat eine identitätsstiftende Wirkung und lädt Alt und Jung dazu ein, sich mit der Ortsgeschichte auseinanderzusetzen“, freut sich Reiner Tillmanns, Vorsitzender des Kleinenbroicher Heimatvereins. Dass die neuen Ortstafeln gut ankommen, davon ist auch Joachim Schröder als Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn überzeugt: „Ich denke, die älteren Menschen werden überrascht sein, dass es so etwas noch gibt. Ferner werden sie sicherlich froh sein, dass der heutigen Generation die Mundart auch auf diesem Weg übermittelt wird.“

Sollten die Ortsnamen auf Platt weitergehendes Interesse an der Mundart wecken, hat Bürgermeister Marc Venten einen guten Tipp: „Auf der städtischen Internetseite www.korschenbroich.de haben wir der Mundart viel Platz eingeräumt. Dort findet man alle Bausteine der Mundart-Offensive, vom Flyer mit ersten mundartlichen Begriffen und Redewendungen für Einsteiger bis zum Hochdeutsch-Mundart-Online-Wörterbuch, das sogar mit Hörproben ausgestattet ist.“