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Stasi-Ausstellung im Museum Schloss Rheydt in Mönchengladbach

Stasi-Ausstellung im Museum Schloss Rheydt : „Der Feind hat sich nie gezeigt“

Das Museum Schloss Rheydt hat wieder für den Publikumsverkehr geöffnet und beginnt seinen Betrieb gleich mit einer neuen, mehr als interessanten Sonderausstellung: „Operativ bedeutsame Kontakte – die Stasi und Mönchengladbach“.

Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz „Stasi“ genannt, gehört untrennbar zum Wesen der DDR. Im Inland als Geheimpolizei aktiv, im Ausland als Spionagedienst tätig – „wir haben alles und jeden unter Kontrolle, das war die Maxime der Stasi“, erläutert Dr. Karlheinz Wiegmann, der die neue Ausstellung in Kooperation mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik zusammengestellt hat.

Der Stasi-Apparat war gigantisch: Zu den 91 000 hauptamtlichen Mitarbeitern kamen weitere 181 000 inoffizielle Mitarbeiter, kurz „IM“ genannt. Die sammelten aber nicht nur Informationen über Ostbürger*innen, sondern streckten ihre Fühler auch nach Westdeutschland aus. „Hier waren etwa 3 000 IMs tätig, eine irrsinnig hohe Zahl“, so der Museumsleiter. Während die DDR-Bürger jederzeit damit rechnen mussten, ins Visier der Stasi zu geraten, sah die Lage im Westen etwas anders aus. Was haben die vielen Mitarbeiter hier tatsächlich gemacht? Was wollten sie ausspionieren und wie wollten sie das anstellen? Und wie sah es in Mönchengladbach aus? „Für die DDR ist die Stasi-Vergangenheit sehr gut aufgearbeitet, für den Westen sieht das ganz anders aus und beschränkt sich auf spektakuläre Fälle“, berichtet Dr. Wiegmann. Trotzdem ist es dem Museumsleiter gelungen, einige „operativ bedeutsame Kontakte“ mit Bezug zu Mönchengladbach ausfindig zu machen.

Im Fokus der Staatssicherheit standen beispielsweise Mönchengladbacher Unternehmen, die Geschäfte mit DDR-Firmen machten. Die Stasi witterte an allen Ecken „ökonomische Störtätigkeiten zum Schaden der wirtschaftlichen Entwicklung der DDR“, während es für die hiesigen Unternehmen primär um Aufträge und Umsatz ging. „Die DDR legte die Spielregeln fest und die Mönchengladbacher Firmen spielten mit“, so Dr. Wiegmann.

Eine ganz besondere Stellung kam auch dem Fußball zu, insbesondere möglichen Erfolgen über den „Klassenfeind“, um die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu dokumentieren. Zum Versuch der totalen Kontrolle etwa geriet die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Magdeburg im UEFA-Cup, zu dem 800 „West-Touristen“ einreisen durften. Dafür waren beim Hinspiel in Magdeburg 4 000 Stasi-Mitarbeiter im Einsatz, um „feindliche Pläne, Absichten und Maßnahmen des Gegners“ rechtzeitig aufzudecken. „Aber der Feind hat sich nie gezeigt“, so Dr. Wiegmann schmunzelnd. Trotzdem witterte die Stasi hinter jeder Belanglosigkeit „besondere Vorkommnisse“, denen man mit „zielgerichteten Einsätzen“ und „geschicktem operativen Reagieren“ begegnen musste. „Betrachtet man diese ‚Erfolgsbilanz’ nüchtern, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Was bleibt, ist eine Gruppe von westdeutschen Fußballinteressierten, die morgens einreiste und abends zurück“, so Wiegmann.

Nicht anders sah die vermeintliche Bedrohung durch westliche Bürger aus, die hin und wieder Kontakte zu ihren Verwandten im Osten hatten, wie im Fall einer gut betuchten Dame aus Mönchengladbach, die zweimal nach Leipzig reiste, um dort private Besuche vorzunehmen und für ihre Fahrten den Limousinenservice des Hotels nutzte. Der Fahrer: IM „Dieter“, geheimdienstliche Erkenntnisse: gleich null. Stattdessen steht im Bericht von IM „Dieter“, dass er abends im Hotel zwei Bier getrunken hat und auf der Rückfahrt vor dem Grenzübergang „am Kiosk eine Bratwurst gegessen wurde“. „Die Stasi konnte nicht anders denken, sondern sah sich gezwungen, irgendetwas auszuspionieren, was es gar nicht gab“, berichtet der Museumsleiter. Viele Beispiele dieser „absurden Tätigkeiten“ sind aktuell im Museum Schloss Rheydt zu sehen.

Die Ausstellung ist bis Anfang August geöffnet. Für einen Besuch ist eine Anmeldung unter 02166/9 28 90-11 oder per E-mail Kasse-SchlossRheydt@moenchengladbach.de erforderlich.