: Streitthema Radverkehr in MG

Die Fahrradinfrastruktur in Mönchengladbach sorgt immer wieder für Kritik: zu wenig sicher, zu wenig komfortabel. Mit Spannung erwartet wurde deshalb das vierte Forum Stadtverkehr am Dienstagabend in der Citykirche, bei der fünf der OB-Kandidaten Rede und Antwort zur Entwicklung des Radverkehrs nach der Kommunalwahl im September standen. Eingeladen hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Das Thema brennt den Mönchengladbachern auf den Nägel, alle coronabedingt möglichen 100 Plätze in der Citykirche waren besetzt, sogar eine Warteliste musste der ADFC einrichten. Zudem wurde die Runde live im Netz übertragen. Für die im Rat vertretenen Fraktionen stellten sich Frank Boss (CDU), Felix Heinrichs (SPD), Boris Wolkowski (Grüne), Stefan Dahlmanns (FDP) und Sebastian Merkens (Linke) den Fragen von Experten und Bürgern.

In NRW soll der Anteil des Radverkehrs auf 25 Prozent steigen, die Landesregierung bereitet ein entsprechendes Gesetz vor. In Mönchengladbach liegt der Anteil des Radverkehrs gerade einmal bei sechs Prozent. Welche Akzente will der neue Oberbürgermeister setzen, um den Anteil des Radverkehrs deutlich zu steigern? Blaue Route, gut gewollt, aber schlecht gemacht: Wie will der neue OB ein Umdenken in den Köpfen der Menschen hin zum Fahrrad bewirken? Beim ADFC-Fahrradklima-Test belegt Mönchengladbach regelmäßig einen der letzten Plätze, mit welchen Maßnahmen will der neue OB die Fahrradfreundlichkeit in der Stadt steigern?

So unterschiedlich die Fragestellungen auch waren, im wesentlichen ging es um eine veränderte Haltung zum Fahrradverkehr und um die notwendigen finanziellen Mittel für eine bessere Radinfrastruktur.

Die Grünen hatten schon auf Wahlkampfmodus gestellt, entsprechend sparte Wolkowski nicht mit Kritik an der Koalition von CDU und SPD: „Fahrradbügel für 120000 Euro und neue Schilder für 300000 Euro bringen nichts, wenn wir mit dem Fahrrad über die Wege stolpern.“ „In der Vergangenheit wurden die falschen Weichen gestellt, um die Radwege besser zu machen.“„Im Moment ist der Wille nicht da, Geld für den Radverkehr auszugeben.“Würde der nächste OB Boris Wolkowski heißen, sollen endlich die Maßnahmen in dem 2017 erstellten Nahmobilitätsplan umgesetzt werden. Geld dafür ist nach Ansicht der Grünen vorhanden, „wir können sofort loslegen“. Dabei soll es dann auch an Strecken rangehen, „die den Autofahrern weh tun“.

Fördergelder des Landes für den Radverkehr nach Mönchengladbach holen, eine Aufgabe für den möglichen neuen Oberbürgermeister Frank Boss („Ich kenne die Wege, da kann wesentlich mehr geholt werden“). Sofern die Mittel vorhanden seien, werde auch mit der CDU der Nahmobilitätsplan weiter konsequent umgesetzt. „Wer heute noch das Auto an die erste Stelle setzt, der liegt verkehrt“, betonte Boss und verwies auf das Fahrradland Niederlande, in dem man sich durchaus Rat von Experten und gute Ideen holen könne.

Bürgerschaftliches Engagement – für Felix Heinrichs der Schlüssel zum Umdenken „weg vom Auto, hin zum Fahrrad“. Gleichzeitig seien Investitionen in sichere Radwege entscheidend, um „Menschen dazu zu bringen, mutig durch die Stadt zu fahren“. Vehement widersprach er dem Grünen-Kandidaten, die Stadt verfüge über ausreichend Mittel für große Investitionen in die Radinfrastruktur. „Wir haben für nichts Geld, weil wir in zig andere Stellen, zum Beispiel in Schulen, investieren müssen“, betonte Heinrichs. Als SPD-Oberbürgermeister stehe er für eine mutige Politik im Rat, damit Prioritäten in der Stadt anders gesetzt würden.

Eine ähnliche Position auch bei der FDP: „Die Menschen in der Stadt müssen das Gefühl haben, dass etwas fürs Rad getan wird.“ Dabei müsse sich auch die Verwaltung einbringen bzw. der OB Initiativen und Projekte zügig vorantreiben. Stefan Dahlmanns sprach sich für eine Änderung des Mobilitätsmixes aus Fahrradverkehr und ÖPNV in der Stadt aus, damit mehr Autos abgeschafft werden. „Hier werde ich als Oberbürgermeister Vorreiter sein“, versprach er.

„Klüngel“ in den Ortsteilen und die herrschenden politischen Verhältnisse im Stadtrat – für die Linken gute Gründe, warum es mit der Radinfrastruktur in Mönchengladbach nicht voran geht. Als OB will Sebastian Merkens die Verwaltung stärken, damit Beschlüsse umgesetzt werden können, als Opposition im Rat die Beschlüsse anderer kritisch begleiten.