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Schüler*innen demonstrierten gestern in Mönchengladbach​

Schüler*innen demonstrierten in Mönchengladbach : „Die Politik hat uns im Stich gelassen“

Mehr Lehrer*innen, kleinere Klassen, Sanierung von Schulgebäuden und eine Modernisierung des Bildungssystems fordern die Schülerinnen und Schüler in NRW. Die landesweiten Aktionen startete gestern mit einer Kundgebung und Demo in der Mönchengladbacher Innenstadt.

Fünf vor elf gestern auf dem Sonnenhausplatz. Thaddäus Hildemann, vom Vorstand der Bezirksschülervertretung, stimmt die Schülerinnen und Schüler auf dem Sonnenhausplatz schonmal auf die anschließende Demo ein. „Gute Bildung, schönes Leben, soll es doch für alle geben“, skandiert er mit den rund 500 Mitstreiter*innen, „Bildungsklau im ganzen Land, uns‘re Antwort: Widerstand“. Und dann taucht am Ende der Stepgesstraße noch Verstärkung auf: Die Schülerinnen und Schüler des Hugo-Junkers-Gymnasiums sind mit Polizeibegleitung von ihrer Schule in Rheydt bis zur Kundgebung marschiert und werden mit ohrenbetäubendem Jubel begrüßt. Sie alle wollen dafür demonstrieren, dass die Bedingungen in den Schulen besser werden, dass marode Toiletten, mangelnde Digitalisierung, ein veraltetes Schulsystem, überfüllte Klassen und Lehrermangel der Geschichte angehören.

„Wie kann es sein, dass wir jeden Tag einem System ausgesatzt sind, das uns nachweislich krank macht“, so Lilli Steigels vom Schüler-Bezirksvorstand auf ihrer Rede, „wir fordern die Reduzierung von Stress und Leistungsdruck“. Im Schnitt würden Schüler*innen in 32 von 40 Wochen mindestens eine Leistungsprüfung schreiben. Es müsse möglich sein, neue kreative Prüfungsformate ohne schlichtes Auswendiglernen, sondern mit flexiblem Lernen, zu etablieren. „Es macht mich wütend, dass sich unsere Gesellschaft jeden Tag verändert und wir jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind, wir aber an einem Schulsystem von vor über 100 Jahren festhalten“, so die Schülerin des Gymnasiums an der Gartenstraße. Schule solle motivierend und entwicklungsfördernd sein. In der Regel sei sie aber nur ein Ort, wo man unter Druck stehe, abzuliefern. Teamfähigkeit, Begeisterung und ein komplexes Weltverständnis, so Steigels, sollten vielmehr in den Vordergrund gerückt werden. „Ich kenne niemanden, der ab der Oberstufe Schule mit Spaß oder Begeisterung verbindet“, so Steigels. Vielmehr sei es eine akzeptierte Pflichtübung, die man irgendwie durchstehen müsse. „Wir haben nicht versagt, sondern die Politik hat uns im Stich gelassen“.

Landesweit fordern die Schüler*innen 10 Milliarden Euro für die Verbesserung der Lernbedingungen.

Nach der Kundgebung marschieren die Demonstranten mit Plakaten und Sprechchören die Hindenburgstraße hoch zum Alten Markt, wieder bergab, um das Minto herum und auf den Sonnenhausplatz.