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Städtischer Baum beschattet Solaranlage​

Städtischer Baum beschattet Solaranlage : Natur versus Ökostrom?

Detlef Poullie ist kampfesmüde. Seit eineinhalb Jahren schlägt er sich mit Stadt und Politik herum, weil seine Solaranlage von städtischen Bäumen beschattet wird und ergo keinen Strom produzieren kann. Angeblich verhindert die Baumschutzsatzung, das Grün einfach zu kürzen. Ein Streit regenerative Energie versus Natur. Muss am Ende die Politik grundsätzlich entscheiden?

Detlef Poullie ist keiner, der leichtfertig für das Abholzen von Bäumen ist. Um Fällung geht es auch gar nicht in der Heppendorfstraße, nur ums Kürzen (Extra-Tipp berichtete im Dezember 2021). Doch das scheint leichter gesagt, als getan, zumindest auf dem Spielplatz hinter Poullies Garten. Anderswo dagegen gelten offenbar andere Regeln: Poullie hat viele Zeitungsartikel über radikale Fällungen und Baumschnitt im ganzen Stadtgebiet gesammelt, etwa in der Rheydter Fußgängerzone, auf dem Alten Markt oder am Geroweiher. Nur hinter seinem Grundstück scheint neuerdings nicht mehr möglich, was für die mags jahrelang kein Thema war: Dass die Bäume so beschnitten werden, damit die Solaranlage auf seinem Haus dauerhaft Sonne abbekommt. „Je nach Jahreszeit sind die Zeiten anders“, sagt Detlef Poullie, im Moment sei um 14.30 Uhr Schluss.

Der Experte für Versorgungstechnik, der mehrfach und als erster in Mönchengladbach vom Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz mit der Plakette „Energiesparer NRW“ ausgezeichnet wurde, ist den Clinch mit der mags leid. Mehrfach hat er auch versucht, über das Bürgertelefon mit dem Oberbürgermeister Kontakt aufzunehmen. Vergebens. Dafür war die umweltpolitische Sprecherin der SPD, Sylvia Barck, zweimal da, hat Verständnis signalisiert. Auch mit Jan Biehl, Bereichsleiter Grünunterhaltung bei der mags, und Barbara Weinthal, der städtischen Umweltdezernentin, hat Poullie schon Kontakt gehabt. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass man mich für einen Querulanten hält“, sagt Poullie, vielmehr sei er überall auf Verständnis für sein Anliegen gestoßen.

Der Extra-Tipp hat bei der mags nachgefragt. Dort beruft man sich auf die satzungsmäßigen Aufgaben, gemäß dem Bundesnaturschutz- und Landesnaturschutzgesetz. Auf Bitten der Anwohner habe es in der Vergangenheit bereits einen Beschnitt der Ahorne im unteren Bereich gegeben. Mehr ginge nicht und sei auch früher nicht gemacht worden. Eine Pattsituation Natur versus Ökostrom? Da müsse eine politische Entscheidung her, hat Poullie von mehreren Seiten gehört, zumal er im Stadtgebiet wohl kein Einzelfall sei.

Indes hat Ratsfrau Sylvia Barck ihrerseits versucht, Licht in die Angelegenheit zu bringen. „Ich hatte ein langes Gespräch mit der Umweltdezernentin“, sagt die SPD-Frau, „über den Fall Poullie und auch ganz allgemein über das Thema.“ Soviel könne sie sagen: Es werde keine Grundsatzentscheidung geben, sondern Einzelfallentscheidungen. Es müssten jeweils die öffentlichen Belange und die des einzelnen Bürgers gegeneinander abgewogen werden.

In der Heppendorfstraße sind die Baumpfleger folglich mehrmals gewesen. Aber: „Was nützt es mir, wenn unten ausgedünnt wird und die Jungens beim Fußballspielen ständig im Gebüsch nach ihrem Ball suchen müssen“, ärgert sich Poullie, für seine Solaranlage kein Gewinn.

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Dass die Häuserreihe in der Heppendorfstraße versetzt steht und die Stadt vor vielen Jahren den Fehler gemacht hat, die benachbarten Bäume nicht auch versetzt zu pflanzen, hat den früheren Oberbürgermeister Norbert Bude 2011 dazu bewogen, Detlef Poullie schriftlich anzubieten, die benachbarten Bäume in Abstimmung mit der Abteilung Grünunterhaltung selbst durch eine Fachfirma beschneiden zu lassen. Bislang wollte er von diesem „Angebot“ keinen Gebrauch machen...

Poullies Frau Beate schreibt seit Jahren jeden Tag die Zählerstände auf. „Geschätzt mehr als 1 000 Euro haben wir schon verloren, seit die Anlage nur noch stundenweise läuft“, sagt Poullie, in Zeiten wie diesen, in denen die Bürger permanent dazu angehalten werden, auf regenerative Energien zu setzen, sei das besonders absurd.

Nachbar Hakan Filiz, erst kürzlich zugezogen, kommt immer mehr zu dem Schluss, dass sein Vorhaben, es Poullie gleichzutun, wohl keine gute Idee sei, zumal sein Haus noch mehr Schatten abbekommt. „Solche Fälle werden wohl in Zukunft öfter vorkommen“, glaubt Sylvia Barck.